Bundestagsvizepräsident Zentralrat der Muslime rät zur Wahl von AfD-Politiker Glaser

AfD-Politiker Glaser fiel bei der Wahl zum Bundestagsvizepräsidenten wegen seiner umstrittenen Islam-Äußerungen durch. Nun sagt der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime: Glaser solle den Posten ruhig bekommen.

Albrecht Glaser
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Albrecht Glaser


Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) hat sich mit einer bemerkenswerten Position in die Diskussion über AfD-Politiker Albrecht Glaser eingeschaltet. Der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek rät dazu, den umstrittenen Kandidaten zum Bundestagsvizepräsidenten zu wählen. "Ich habe zwar vollsten Respekt für die Abgeordneten, die bei der Abstimmung über den AfD-Kandidaten mit Nein gestimmt haben, und ich verstehe auch ihre Beweggründe", sagte Mazyek. Man dürfe der AfD aber "nicht diese Opferrolle" zugestehen.

Glaser hatte in der konstituierenden Sitzung des neuen Bundestages als einziger Kandidat nicht die nötige Mehrheit erhalten. Abgeordnete der anderen Parteien hatten dem 75-Jährigen vorgeworfen, er habe in einer Rede vor Anhängern die Religionsfreiheit der in Deutschland lebenden Muslime in Abrede gestellt. Glaser weist diesen Vorwurf zurück. Jetzt muss der Ältestenrat entscheiden, wie es weitergeht.

"Dann müssen wir eben damit klarkommen, dass wir einen Islamhasser und Rassisten als Bundestagsvizepräsidenten haben - das ist Deutschland 2017, das ist traurig, aber wahr", sagt Mazyek. Aus seiner Sicht wäre es besser, den Kandidaten der AfD als einen von sechs Stellvertretern von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) zu akzeptieren.

Die AfD will indessen weiter an ihrem umstrittenen Kandidaten festhalten. Glaser hatte im April unter anderem gesagt: "Der Islam ist eine Konstruktion, die selbst die Religionsfreiheit nicht kennt und die sie nicht respektiert. Und die da, wo sie das Sagen hat, jede Art von Religionsfreiheit im Keim erstickt."

mho/dpa

insgesamt 133 Beiträge
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el_jefe 27.10.2017
1. Herr Mazyek hat Recht
Anstatt eine dankbare AfD die Opferrolle spielen zu lassen, sollen sie ruhig ihre Pöstchen mit ihren extremsten Mitgliedern besetzen, damit sie sich selbst entlarven. Die, die AfD aus Menschenhass gewählt haben sollen ebenso entlarvt werden.
syracusa 27.10.2017
2.
Nach Glasers Meinung dürfen wir bei uns also Menschenrechte wie das der Religionsfreiheit solange nicht gewähren, wie es in mittelalterlichen Diktaturen durch Religion begründete Ablehnung der Religionsfreiheit gibt. Gilt das auch für das Christentum, das in Staaten wie Uganda religiöse motivierte Menschenrechtsverletzungen begeht? Es sind nicht Religionen wie der Islam oder das Christentum, die in verschiedenen Ausprägungen gegen Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Bürger- und Menschenrechte stehen, sondern Menschen. Unsere Gesetzgebung bietet jede notwendige Handhabe gegen die Feinde der Demokratie, ganz unabhängig davon, ob diese ihre Demokratiefeindlichkeit durch Religion oder Rechtspopulismus begründen. Es gibt sowohl beim Christentum wie im Islam viele Ausprägungen, die voll kompatibel zu Demokratie und Menschenrechten sind, und solange sich kein Christ oder Muslim aktiv und durch Begehen von Straftaten dagegen stellt, gilt für ihn das Grundrecht der Religionsfreiheit. Letztlich muss man hier wieder mal feststellen, dass es zwischen dem "Islamischen Staat" und AfD/NPD/Pegida nur graduelle Unterschiede gibt.
nixkapital 27.10.2017
3. Meinungsfreiheit
Ich will voraus schicken, dass ich keine Sympathie für die AfD hege oder mich sonst irgendwie rechts orientiere. Meine Frage: Ist die Aussage Glasers tatsächlich der Grund, dass er als BT-Vize untragbar wäre? Ich weiß, dass seine Aussage pauschalisierend ist, vielleicht auf falschen Interpretationen beruht und ausgrenzend verstanden werden kann, aber es wäre ja auch einmal die Möglichkeit, dadurch eine Debatte anzustoßen, bei der sich unsere Muslime aktiv beteiligen sollten. Das hätte dann mal den Vorteil sich ernsthaft mit dem Islam auseinanderzusetzen und mehr über diese Religion zu erfahren. Ich habe eher die Vermutung, dass die Weigerung Glaser zu wählen, wohl mehr auf einem Anti-AfD-Reflex basiert, als auf ehrlicher Entrüstung.
henry.miller 27.10.2017
4.
Finde ich nicht. Es geht ja wohl kaum nur um die Muslime hier, der Typ ist halt einfach bar jeder Würde und ein wenig davon braucht man ja. Die Opferrolle ist üblich wenn man sonst nichts hat, das ist aber Sache der Afd. Der Altherrenclub hat ja sonst nichts zu bieten. Nein danke.
HeisseLuft 27.10.2017
5. Nein
In eine solche Position kann niemand kommen, der die Verfassung ablehnt. Vielmehr wäre es sinnvoll zu prüfen, ob hier nicht verfassungsfeindliche Überzeugungen ventiliert werden, die ein Verbot dieser Partei angeraten sein lassen.
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