Zentralratspräsident Spiegel "Westerwelle muss Möllemann sofort stoppen!"

Nach den neuen Möllemann-Äußerungen ist der Burgfriede zwischen dem Zentralrat der Juden und der FDP zerbrochen. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE forderte Zentralratspräsident Paul Spiegel den FDP-Parteichef zu einer "unmissverständlichen Distanzierung" gegenüber seinem Parteivizechef Möllemann auf.


Zentralratspräsident Paul Spiegel ist enttäuscht von FDP-Parteichef Westerwelle und fühlt sich getäuscht
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Zentralratspräsident Paul Spiegel ist enttäuscht von FDP-Parteichef Westerwelle und fühlt sich getäuscht

Düsseldorf - Der Präsident des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, forderte von der FDP eine eindeutige Aussage zum Vorgang um den FDP-Vizechef Jürgen W. Möllemann. Die bisherigen Kommentare von Parteichef Guido Westerwelle sind seiner Meinung nach unzureichend. "Was Herr Westerwelle über die neuen Entgleisungen gesagt hat, ist vollkommen unzumutbar", sagte der Zentralratspräsident SPIEGEL ONLINE am Mittwoch.

Am Dienstagabend hatte FDP-Parteichef Guido Westerwelle zu den neuen Angriffen Möllemanns auf den stellvertretenden Zentralratsvorsitzenden Michel Friedman in einem Fernsehinterview recht lapidar gesagt, er könne an den Aussagen Möllemanns nicht viel Neues erkenne. Spiegel kritisierte die lasche Umgangsweise mit dem Thema als "unverantwortlich" von Westerwelle.

Spiegel fühlt sich "getäuscht"

Grund der neuen Auseinandersetzung ist auch dieser Flyer der FDP, den Jürgen W. Möllemann in NRW verteilen ließ

Grund der neuen Auseinandersetzung ist auch dieser Flyer der FDP, den Jürgen W. Möllemann in NRW verteilen ließ

Nach den neuen Äußerungen und dem in NRW verteilten Flugblatt forderte Paul Spiegel schnelle Taten von der FDP-Führung. "Noch vor der Wahl am Sonntag muss sich Herr Westerwelle und die Parteiführung von den Äußerungen und der Person des Herrn Möllemann unmissverständlich distanzieren", sagte Spiegel. Anstatt von Anrufen aus der FDP-Parteizentrale habe er jedoch bislang nur von anderen FDP-Politikern Anrufe erhalten, die wegen der "Entgleisungen Möllemanns" um Nachsicht baten. Unter anderem hätte sich der FDP-Abgeordnete Burkhard Hirsch bei ihm regelrecht entschuldigt.

Spiegel zeigte sich enttäuscht, dass die Gespräche mit der FDP im Frühsommer offenbar nur "eine Show" waren. Damals hatte die FDP-Führung sowohl mit Spiegel als auch mit Friedman gesprochen, um den Streit zu beruhigen. Daraufhin hatte sich Möllemann in Sachen Friedman nicht mehr öffentlich geäußert. Spiegel sieht sich und den Zentralrat von Westerwelle getäuscht. "Möllemann betreibt entgegen aller FDP-Versprechen nach unseren Gesprächen weiter seine Taktik, im rechten Milieu nach Stimmen zu fischen", sagte Spiegel. "Der einzige, der ihn noch stoppen kann, ist nun Herr Westerwelle und er muss das tun", so der Zentralratspräsident weiter.

Matthias Gebauer



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