Zoff mit der Uni Bayreuth: Guttenbergs seltsamer Kampf 

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Plagiatsaffäre zweiter Teil: Karl-Theodor zu Guttenberg schaltet im Streit über den Abschlussbericht der Bayreuther Prüfungskommission seine Anwälte ein. Warum tut der Ex-Minister sich das an? Die Attacken werden seiner Glaubwürdigkeit nur weiter schaden.

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dapd

Ex-Minister zu Guttenberg: Warum tut er sich das an?

Es ist ein höchst eigentümlicher Vorgang, der sich in diesen Tagen in Bayreuth, in München und Berlin abspielt. Es kann für niemanden, der auch nur einen flüchtigen Blick auf die gemeinschaftlich erstellte Kopier-Dokumentation Guttenplag-Wiki geworfen hat, der leiseste Zweifel darüber bestehen, dass Karl-Theodor zu Guttenberg seine Doktorarbeit aus den unterschiedlichsten Quellen zusammenkopiert hat, großzügig.

Noch einmal die nackten Zahlen: Dem Gemeinschaftsprojekt gründlicher Internetnutzer zufolge finden sich auf über 94 Prozent der Seiten der Dissertation Guttenbergs abgeschriebene Fragmente. Fast 64 Prozent, fast zwei Drittel des gesamten Textes bestehen demnach aus Abgeschriebenem. Dass diese Zahlen nicht erfunden sind, kann jeder selbst nachprüfen, Klick für Klick, Quelle für Quelle. Dass Guttenberg noch immer auf der Position beharrt, all das sei "nicht bewusst" geschehen, spricht mindestens für Chuzpe.

Thesen am Rande des Realitätsverlusts

Wie sonst wäre zu erklären, dass er die Einleitung seiner Arbeit aus der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" übernahm, dass er viele Seiten aus einem von ihm selbst angeforderten Bericht des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags kopierte? Die einzige Erklärung, die außer Absicht für Art und Ausmaß der plagiierten Stellen in Frage käme, wäre fortgesetzte geistige Umnachtung beim Schreiben, eine Lesart, die sicher nicht im Sinne des Autors wäre.

Vor diesem Hintergrund muten die Scharmützel, die Guttenbergs Rechtsvertreter sich nun mit der Universität Bayreuth liefern, seltsam an. Der Anwalt des ehemaligen Verteidigungsministers, Alexander von Kalckreuth, kritisiert Medien, die vorab über das ohnehin unvermeidliche Verdikt der Bayreuther Prüfungskommission berichten, mit dem Hinweis, das Gremium habe seinen Prüfbericht ja noch gar nicht fertig, sein Mandant werde vorverurteilt. Guttenberg habe gegenüber der Kommission umfassend Stellung genommen und "schlüssig" belegt, dass er nicht bewusst getäuscht habe. Die Belege für diese erstaunlichen Thesen würde man gern sehen.

Die Universität hat mittlerweile widersprochen. Man habe keine offizielle Stellungnahme abgegeben, also auch niemanden vorverurteilt. Wozu auch?

"Vollkommener Widerspruch"

Der Universität zufolge versuchen die Anwälte des Ex-Ministers womöglich auch, die Veröffentlichung des fertigen Berichts zu verhindern. Warum? Weil dann noch ein letztes Mal dokumentiert würde, was ohnehin schon jeder wissen kann, der es wissen will? Der "Bild am Sonntag" sagte Anwalt Kalckreuth: "Ob unser Mandant einer Veröffentlichung des Berichts seine Zustimmung gibt, ist nicht abschließend entschieden."

Als er Anfang März zurücktrat, hatte Guttenberg noch beteuert, es sei ihm ein "aufrichtiges Anliegen", an der Aufklärung aller Vorwürfe mitzuwirken. Schon damals klang das hohl, denn welchem Missetäter ist an Aufklärung gelegen? Das Vorgehen seiner Anwälte lässt diese Beteuerung nun als pure Heuchelei erscheinen. Universitätspräsident Rüdiger Bormann sagte dem "Tagesspiegel", er sehe darin einen "vollkommenen Widerspruch" zur Rücktrittsrede.

Über die Motivation für dieses Vorgehen, das Guttenbergs verbliebener Glaubwürdigkeit weiter schaden wird, kann man nur spekulieren. Der Staatsanwaltschaft Hof, die sich SPIEGEL-Informationen zufolge wegen über hundert Strafanzeigen gegen Guttenberg brennend für den Bericht aus Bayreuth interessiert, wird man ihn mit solchen Winkelzügen ohnehin nicht vorenthalten können.

Vielleicht geht es darum, die historische Festschreibung der Schummelei in einem offiziellen Dokument wie dem Bericht der Kommission zu verhindern? Oder darum, diese historische Festschreibung künftigen politischen Gegnern nicht als schlagendes, stets greifbares Anti-Guttenberg-Argument an die Hand zu geben? Fest steht: Ein nicht-öffentlicher Prüfbericht könnte dem Baron ja wenigstens nicht in Debatten vorgehalten werden, wenn er einst auf die politische Bühne zurückkehrt.

Momentan aber bewirken die Bemühungen Guttenbergs das Gegenteil: Je größer sein Widerstand, desto größer wird das öffentliche Interesse an dem, was er da tut.

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insgesamt 390 Beiträge
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1. Ein Glück
cosmosxy 10.04.2011
Mein Gott, ich stelle mir vor, diese Person würde Kanzler von Deutschland (gewesen sein)....
2. Warum tut er sich das an?
cesimbra 10.04.2011
Zitat von sysopPlagiatsaffäre zweiter Teil: Karl-Theodor zu Guttenberg schaltet im Streit über den Abschlussbericht der Bayreuther Prüfungskommission seine Anwälte ein. Warum tut der Ex-Minister sich das an? Die Attacken werden seiner Glaubwürdigkeit nur weiter schaden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,756126,00.html
Daß er unter Realitätsverlust leidet, war von Anfang bis Ende des bisherigen Verlaufs doch recht offensichtlich. Mich hätte es eher überrascht, wenn er nun nicht so reagiert hätte, denn für mich persönlich steht fest, daß der Mann schlicht und einfach krank ist. Die kurze Zeit konnte ihm nicht zur Genesung reichen.
3. Autoritätsgläubige Jünger!
tlogor 10.04.2011
Zitat von sysopPlagiatsaffäre zweiter Teil: Karl-Theodor zu Guttenberg schaltet im Streit über den Abschlussbericht der Bayreuther Prüfungskommission seine Anwälte ein. Warum tut der Ex-Minister sich das an? Die Attacken werden seiner Glaubwürdigkeit nur weiter schaden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,756126,00.html
Die letzte Verteidigungslinie der Guttenberg-Jünger, ist doch die Unschuldsvermutung. Und viele CDU/CSU Anhänger können sich doch gar nicht verstehen, warum "ein paar Fussnoten" vergessen schlimm sei. Wenn es dagegen schwarz auf weiss geschrieben steht, Guttenberg sei ein Betrüger, wenden sich vielleicht doch noch ein paar stramme Anhänger ab. Mit jemandem, der ein offiziell festgestellter Betrüger ist, mag sich dann manch glühender Anhänger doch nicht solidarisieren. Die Anhänger befürchten dann, es könne doch etwas an ihnen selbst hängen bleiben. Der Kanzlertraum ist für einen offiziellen Betrüger dann doch ausgeträumt, vielleicht aber nicht für einen inoffiziellen Betrüger. Schliesslich ist mancher Deutscher aus dem konservativen Milieu doch recht autoritätsgläubig.
4. ...
Joachim Baum 10.04.2011
Tja, warum tut er das? Ich kann nur mutmaßen: - entweder er ist immer noch überzeugt, dass er zwar geschummelt, aber für angeblich 80% der Bevölkerung trotzdem rechtens gehandelt hat, oder - er ist ein erbarmungswürdiger Kleingeist, der - ähnlich einem Don Quixote - meint, die wahre Welt befindet sich nur in seinem Kopf.
5. Fragwürdige Äußerungen des Herrn Bormann
Sapientia 10.04.2011
Zitat von sysopPlagiatsaffäre zweiter Teil: Karl-Theodor zu Guttenberg schaltet im Streit über den Abschlussbericht der Bayreuther Prüfungskommission seine Anwälte ein. Warum tut der Ex-Minister sich das an? Die Attacken werden seiner Glaubwürdigkeit nur weiter schaden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,756126,00.html
Daß Guttenberg absichtlich täuschte bedarf nicht der Feststellung von Fachleuten, viel interessanter indes ist doch auch für die Zukunft, inwieweit die Uni Bayreuth das erst ermöglichte. Will Bormann sich in Szene setzen und sogleich von der Uni ablenken, das ginge nicht.
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