Airport Zürich: Deutschland und Schweiz legen Fluglärm-Streit bei

Ein jahrelanger Streit über dröhnenden Lärm ist zu Ende: Die Bundesrepublik und die Schweiz haben sich auf eine Neuregelung der Flüge des Zürcher Airport geeinigt. Passagiermaschinen dürfen nun zwar öfter fliegen - zu später Stunde aber nicht mehr über deutschem Boden.

Jet im Landeanflug auf Zürich: Flugzeiten werden neu geregelt Zur Großansicht
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Jet im Landeanflug auf Zürich: Flugzeiten werden neu geregelt

Zürich - Nach jahrelangem Ringen haben sich Deutschland und die Schweiz auf einen Fluglärm-Staatsvertrag geeinigt. Die Flüge des Airports Zürich werden demnach neu geregelt. Dies teilten Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und seine Schweizer Amtskollegin Doris Leuthard mit.

Beide Seiten können mit der Abmachung Teilerfolge feiern. So wird am Abend nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa drei Stunden früher als bisher nur noch über Schweizer Gebiet geflogen. Auch die "Neue Zürcher Zeitung" berichtet von dieser Abmachung. Laut dem Blatt soll zukünftig bereits ab 18 Uhr Ruhe herrschen (statt bisher 21 Uhr an Wochentagen und 20 Uhr am Wochenende). Die deutschen Regionen im Schwarzwald und am Bodensee würden dadurch entlastet.

Im Gegenzug verzichte Deutschland auf die bislang geforderte Begrenzung der Flugzahlen und lasse an Werktagen morgens mehr Flüge zu. Diese können zudem eine halbe Stunde (jetzt ab 6.30 Uhr) früher stattfinden als bisher üblich. Der Staatsvertrag soll nach 2013 in Kraft treten und mindestens bis 2030 laufen. Ein erster Staatsvertrag war im Jahr 2001 am Widerstand des Schweizer Parlaments gescheitert.

Die Regierungen der beiden Länder müssen dem Vertrag noch zustimmen. "Mit der Einigung zerschlagen wir einen dicken Knoten und lösen einen jahrelangen Konflikt mit der Schweiz", sagte Ramsauer. Es werde künftig mehr Ruhe am deutschem Himmel geben, so der Minister.

Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann äußerte sich erfreut über die Einigung. Er werte den Kompromiss als "positives Zeichen für die guten nachbarschaftlichen Beziehungen", sagte der Grünen-Politiker am Montag in Stuttgart. "So wie beim Fluglärm können wir auch bei anderen Themen mit den Nachbarn aus der Schweiz gute Verhandlungsergebnisse erzielen."

jok/dpa/dapd

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insgesamt 20 Beiträge
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1. Glückliche Schweiz
friedi234 02.07.2012
Zitat von sysopPassagiermaschinen dürfen nun zwar öfter fliegen - zu später Stunde aber nicht mehr über deutschem Boden.
Der Herr Minister ist bei deutschen Flughäfen eher ein Kritiker von Flugbeschränkungen. Da darfs den Anwohnern im Ohr klingeln bis zum Umfallen. Das Bedienen der bundesdeutschen Flughafen und Logistiklobby ist natürlich auch wichtiger als der Schutz der Bürger vor Lärm und Schmutz. Oder gehts darum die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz einzuschränken?
2. An mir soll es nicht liegen ...
mottasvizzera 02.07.2012
... dass die Anwohner unter einer übermässigen Lärmbelästigung leiden. Ich bin ein konsequenter Nichtflieger und versuche auch, nur saisongerechte Nahrungsmittel zu kaufen. Trotzdem ist mir bewusst, dass als Bewohner eines Binnenlandes noch einiges mit dem Flugzeug herangekarrt wird. Wenn ich aber von meinem Bekannten aus NRW höre, dass seine Flüge in die USA regelmässig über Zürich führen und zwar mit deutschen Fluggesellschaften (auch Swiss ist eine Tochter der Lufthansa), dann sehe ich vieles auch als hausgemacht . Andererseits war ich vor vielen Jahren auch einmal im Sommer in einem Biergarten direkt an der deutsch/schweiz. Grenze, also in dieser Nordanflugschneise. Ich verstehe alle Anwohner, die sich gegen diese Anflüge im Minutentakt wehren. Der Flugverkehr ist schon ein starker Einschnitt in die Lebensqualität.
3. Was gerne vergessen wird
LuisCortez 02.07.2012
Was bei dieser ganzen Diskussion gerne unter den Tisch gekehrt wird, ist, dass der Flughafen Zürich immens wichtig ist für den gesamten süddeutschen Raum aus Sicht der Unternehmer und Industrie. Für den ganzen südlichen deutschen Streifen ist Zürich einfach um einiges schneller erreichbar als Stuttgart und macht die Region somit interessant. Ich glaube das haben jetzt alle mal so langsam verstanden.
4.
Korken 02.07.2012
Zitat von LuisCortezWas bei dieser ganzen Diskussion gerne unter den Tisch gekehrt wird, ist, dass der Flughafen Zürich immens wichtig ist für den gesamten süddeutschen Raum aus Sicht der Unternehmer und Industrie. Für den ganzen südlichen deutschen Streifen ist Zürich einfach um einiges schneller erreichbar als Stuttgart und macht die Region somit interessant. Ich glaube das haben jetzt alle mal so langsam verstanden.
Wichtig ist er für Süddeutschland nur insofern, als dass dort Fluglärm abgeschoben werden konnte. Es ist Quatsch, anzunehmen, das Unternehmer oder Industrie davon Nutzen ziehen, alle wichtigen deutschlandbezogenen Geschäfte inkl. Fracht gehen über Stuttgart, Frankfurt & Co. Daher bekommens die Anwohner dort auch ab. Mit diesem Vertrag kann aber die Goldküste wieder wirksam entlastet werden. Es steht nicht alles im Artikel... Nichtsdestrotrotz hoffe ich, dass wieder etwas Ruhe bei diesem Thema einkehrt. Posts wie mein zitierter und inkls. meinem als Folgepostst heizen die ganze Sache nur unnötigerweise wieder an.
5. Über den Tisch gezogen
spon-facebook-10000160483 02.07.2012
die Schweiz stimmt mehrheitlich über den unbegrenzten Ausbau des Flughafens . Wir deutschen Bürger haben nichts zu melden dürfen aber den Lärm un Dreck übernehmen mit nun zunehmender Tendenz (Ausbau der Pisten) und Hr. Kretschmann lässt sich vor den Karren spannen, man glaubt es nicht
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