Zukunft von Hessens Ministerpräsident Roland Koch als Bau-Manager im Gespräch

Aufregung um einen werdenden Polit-Pensionär: Hessens Noch-Ministerpräsident Roland Koch soll angeblich Vorstandsboss des Baukonzerns Bilfinger Berger werden. Koch lässt dementieren - erst im November wolle er seine persönliche Zukunft offenbaren.

Noch-Ministerpräsident Koch: "Das ist Unfug"
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Noch-Ministerpräsident Koch: "Das ist Unfug"

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Berlin - Es war ein Paukenschlag, als Roland Koch im Mai seinen Rückzug aus der hessischen Staatskanzlei ankündigte. Er wolle einen neuen Lebensabschnitt beginnen, sagte der 52-Jährige.

Und dass Politik nicht sein Leben sei.

Das war der entscheidende Satz. Er wolle "im Bereich von Wirtschaft und unternehmerischen Entscheidungen" tätig werden. Seitdem ist großes Rätselraten angesagt: In welches Unternehmen wechselt Koch, der ab September kein Job mehr hat? Ein Baukonzern soll es sein, meldete die "Bild"-Zeitung nun: Bilfinger Berger in Mannheim. Koch werde dort zum Jahresende neuer Vorstandschef. Das könnte passen.

Tatsächlich? Wird Koch Konzernchef? Die Reaktion aus Wiesbadens Staatskanzlei folgte prompt.

"Das ist Unfug", ließ Koch seinen Regierungssprecher Dirk Metz SPIEGEL ONLINE ausrichten. Der Ministerpräsident habe "nirgendwo etwas zugesagt, er hat keinerlei Verhandlungen mit irgendwem geführt und nicht mal entschieden, welche berufliche Richtung er jenseits der Politik einschlägt".

Härter kann man ein Dementi kaum formulieren. Koch will das jüngste aufflammende Gerücht offenbar so schnell als möglich austreten.

Schließlich meldete sich auch noch ein Sprecher von Bilfinger Berger. Noch ein Dementi des angeblichen Koch-Wechsels: "Das stimmt nicht."

Fakt aber ist: Der Vertrag von Bilfinger-Boss Herbert Bodner läuft zur Jahresmitte 2011 aus. Der Aufsichtsrat des Unternehmens ist derzeit auf der Suche nach einem Nachfolger. Bilfinger Berger war im vergangenen Jahr wegen Qualitätsmängeln auf Großbaustellen wie der Kölner U-Bahn in die Kritik geraten.

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Roland Koch: Alphatier aus Hessen

Und Fakt ist: Roland Koch ist auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Brillante Rhetorik, taktisches Geschick, brennender Ehrgeiz - diese Eigenschaften haben ihn stets ausgezeichnet. Politik hat er nicht aus Idealismus heraus betrieben, sondern sich als Prozessmanager verstanden. Er ist angetreten, um zu reformieren, zu optimieren, zu expandieren. Auf seiner Rückzugspressekonferenz noch meinte Koch, er sei Ministerpräsident eines "der spannendsten Bundesländer". So etwas kann man auch über ein Unternehmen sagen.

Was also wird aus Koch?

Regierungssprecher Metz sagt jetzt nur: "Er wird sich Anfang November entscheiden, was er zukünftig machen wird."

Koch selbst derweil beschäftigt sich öffentlich - noch - lieber mit Politik und der Aufstellung seiner Partei. Über den Hessischen Rundfunk empfahl er CDU-Chefin Angela Merkel seinen Nachfolger Volker Bouffier als Stellvertreter: "Ich persönlich hielte es für klug, wenn die CDU in Deutschland Volker Bouffier in ein solches Amt beruft, mit seiner Erfahrung und mit der Stärke des hessischen Landesverbandes."



insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
dxb 21.08.2010
1. Da wächst zusammen, was zusammen passt
Da wächst zusammen, was zusammen passt. Mit mafiösen Strukturen, Betrug, Geldwäsche und Korruption dürften beide Seiten bestens vertraut sein. Wenn Koch industriell entsorgt ist, ist zumindest die Gefahr der Machtübernahme durch die extremen Rechten in der CDU für einige Zeit unter Kontrolle. Vielleicht wird er aber auch nur zwischengeparkt. Als Lakai der Großkonzerne und Banken fühlt er sich bestimmt noch zu Höherem berufen.
frankenharry 21.08.2010
2. Nicht den Bock zum Gärtner...
... sondern den Koch zum Bodner. Wenn ich überlege, wie der "brutalst mögliche Aufklärer" seinerzeit mit den Parteispenden umgegangen ist, holt sich Bilfinger-Berger einen absoluten "Fachmann" ins Haus der sicher bei den Verfehlungen der letzten Zeit gute Ratschläge liefern kann. Bilfinger könnte es kaum schlimmer erwischen!
kdshp 21.08.2010
3. aw
Zitat von sysopAufregung um einen werdenden Polit-Pensionär: Hessens Noch-Ministerpräsident Roland Koch soll angeblich Vorstandsboss des Baukonzerns Bilfinger Berger werden. Koch lässt dementieren - erst im November wolle er seine persönliche Zukunft offenbaren. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,713050,00.html
Hallo, aufregung über was? Ich rege mich auf das herr koch nach amtsaustritt immer noch für 6 monate einen dienstwagen inklusive fahrer und sekretärin bezahlt bekommt also vom staat. Was der jetzt für einen job macht interssiert wen?
silenced 21.08.2010
4. <->
Ausgerechnet Bilfinger-Berger ... na, bei wem klingeln noch die Alarmglocken?
ralfirland 21.08.2010
5. Tut mir ja leid
Ich kann mir nicht helfen, aber ich muss mal meckern. Wieso sollte es denn eine "Offenbarung" sein, was der Koch demnächst von sich geben wird? Die Wortwahl ist einfach unpassend. Irgendwie scheint es für die Schreiberlinge von heute nur noch Superlative zu geben, Sensationen, Katastrophen, erschreckende Erkenntnisse und so weiter. Was soll der Koch denn machen? Er wird das machen, was Schröder, Clement, Wissmann und all die anderen auch gemacht haben. Er wird jetzt den maximalen Profit aus der beendeten Politikerkarriere ziehen indem er sich dem Kapital als Stiefelputzer andient. Was für eine Offenbarung!
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