Zukunftspläne Gabriel will SPD nach Wahlniederlage erneuern

Sigmar Gabriel, der einstige Kronprinz von Gerhard Schröder, gibt die Bundestagswahl im September offenbar verloren. Der niedersächsische Sozialdemokrat soll vor seinen verdutzten Fraktionskollegen erklärt haben, er gehe nach Berlin, um die SPD in der Opposition wiederaufzubauen.

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Gabriel: Neue Ziele
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Gabriel: Neue Ziele

Berlin - In seiner Abschiedsrede vor der niedersächsischen SPD-Landtagsfraktion soll Gabriel deutlich gemacht haben, dass er die Bundestagswahl für verloren halte. Dies erfuhr SPIEGEL ONLINE aus SPD-Kreisen.

Der frühere Ministerpräsident, der seit der verlorenen Landtagswahl 2003 Oppositionsführer in Niedersachsen ist, habe in der Rede erklärt, warum er sich um ein Bundestagsmandat bewerbe. Anfang der Woche war bekannt geworden, dass Gabriel den Wahlkreis Salzgitter vom ausscheidenden SPD-Abgeordneten Wilhelm Schmidt übernehmen und hier um ein Direktmandat kämpfen wird.

Er gehe nach Berlin, so wird Gabriel zitiert, um die SPD nach der Niederlage wiederaufzubauen. Zuvor hatte er bereits erklärt, in Berlin werde sich die SPD nach der Bundestagswahl in vielfältiger Weise reformieren müssen. Für ein neues Grundsatzprogramm, modernere Organisationsstrukturen und auch die personelle Erneuerung müsse die Partei ihre Kräfte bündeln und vor allem in der jüngeren Generation zusammenarbeiten.

Dem umtriebigen Politiker, der in der SPD als politisches Talent gilt, wird seit längerem nachgesagt, dass ihn die Rolle des Landespolitikers nicht ausfüllt. Er scheint davon auszugehen, dass er das Direktmandat schon sicher hat.

Gabriel ist der erste hochrangige Sozialdemokrat, der derart offen eine Niederlage prophezeit. Die Fraktion reagierte teils verblüfft, teils geschockt. Zuletzt hatte Gabriel in der vergangenen Woche den Koalitionskrach angefacht als er sagte, die Grünen hätten die SPD an der Schaffung von Arbeitsplätzen gehindert.

Gabriels Posten als Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion in Hannover geht an den niedersächsischen SPD-Chef Wolfgang Jüttner. Jüttner wird bei der Landtagswahl 2008 gegen Ministerpräsident Christian Wulff antreten.



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