Zuwanderung: Zentralrat der Juden warnt vor Antisemitismus bei Muslimen
"Auf Schulhöfen hört man das Wort Jude viel zu oft als Schimpfwort." Mit einem drastischen Appell warnt der Zentralrat der Juden vor neuem Antisemitismus in Deutschland. Präsident Dieter Graumann glaubt den Grund für die Entwicklung zu kennen: Zuwanderung von Muslimen.
Berlin - Durch die Zuwanderung von Muslimen erhält der Antisemitismus in Deutschland Auftrieb - das behauptet zumindest der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann. "Der Antisemitismus in den muslimischen Communitys ist oft zu stark ausgeprägt, besonders unter männlichen Jugendlichen. Auf Sportplätzen und Schulhöfen hört man das Wort Jude viel zu oft als Schimpfwort", sagte Graumann der "Bild am Sonntag".
Die Verantwortlichen der muslimischen Gemeinden müssten viel mehr gegen diese Entwicklung tun und sich viel offensiver dem Problem zuwenden. "Aus dieser Verantwortung werden wir sie nicht entlassen", sagte Graumann. "Hier geschieht doch viel zu wenig."
Kritik übte Graumann auch an der deutschen Wirtschaft. Diese pflege sehr enge Handelsbeziehungen mit Iran. "Viel zu viele deutsche Firmen betreiben übereifrig ihre Geschäfte mit diesem Weltmeister in Sachen Antisemitismus. Das ist eine Schande", sagte Graumann der Zeitung.
"Das iranische Regime ist das einzige auf der ganzen Welt, das den Holocaust leugnet und Israel von der Landkarte tilgen will", sagte Graumann. "Es sollte daher noch stärker als bisher politisch geächtet werden, auch von der deutschen Politik. Aber vor allen Dingen ist hier die deutsche Wirtschaft angesprochen."
"Laut Studien haben 20 Prozent der Menschen antisemitische Einstellungen"
Missfallen äußerte Graumann außerdem über ein Urteil des Berliner Landgerichts. Dieses hatte drei NPD-Funktionäre freigesprochen, die zur Fußball-WM 2006 einen Flyer gegen den afrodeutschen Spieler Patrick Owomoyela herausgebracht hatten. "Dieses Urteil ist ein Freibrief für Rassismus. Manchmal denke ich fast: Wir haben zu viele Richter, die für alles Verständnis haben, aber nichts begreifen", so Graumann.
"Laut Studien haben leider etwa 20 Prozent der Menschen antisemitische Einstellungen. Ich will aber einfach nicht glauben, dass 16 Millionen Menschen hier judenfeindlich eingestellt sind", sagte Graumann weiter. "Die Gefahren aus der rechten Ecke müssen wir natürlich immer sehr ernst nehmen: Bei den Faschisten zum Beispiel der NPD gehört Antisemitismus ja zur Corporate Identity. Ein Faschist ist einfach nicht glücklich, wenn er kein Antisemit sein kann."
Er persönlich habe Antisemitismus jedoch noch nie am eigenen Leib zu spüren bekommen, sagte der Zentralrats-Präsident. "Ich habe da Glück gehabt. Viele meiner Freunde und Kollegen haben das erlebt, ich in meiner ganzen Schulzeit und auch danach nicht." Auch ausgesprochene Hass-Post habe er bis jetzt noch nicht bekommen.
Er habe auch nie wirklich ernsthaft beabsichtigt, Deutschland zu verlassen. "Im Laufe der Zeit ist das ja eine ganz bewusste Entscheidung geworden, hier zu sein und gern hier leben zu wollen." Die Juden in Deutschland säßen nicht auf gepackten Koffern, so Graumann. "Wir haben unsere Koffer längst ausgepackt, auch emotional. Wir sind hier zu Hause, wir wollen ausdrücklich hier zu Hause sein. Eine größere Vertrauenserklärung können wir den Menschen in Deutschland doch gar nicht mehr machen."
wal/dapd/AFP
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