Zwangsarbeit in fünfziger Jahren Misshandelte Heimkinder fordern 25 Milliarden Euro Entschädigung

Sie wurden erniedrigt, geschlagen und zu Schwerstarbeit gezwungen - und das vor allem in kirchlichen Einrichtungen im Deutschland der fünfziger und sechziger Jahre. Jetzt fordern die Mitglieder des Vereins ehemaliger Heimkinder ein Entschädigung von 25 Milliarden Euro.


München - Am Montag und Dienstag soll die Forderung der ehemaligen Heimkinder bei der dritten Sitzung des Runden Tischs Heimerziehung vorgetragen werden. Die Einrichtung dieses Gremiums unter Leitung der früheren Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer war vom Bundestag Ende 2008 beschlossen worden, nachdem das Ausmaß der Menschenrechtsverletzungen sichtbar geworden war. Viele Heimkinder wurden in den fünfziger und sechziger Jahren vor allem in kirchlichen Heimen geschlagen, erniedrigt und zu Schwerstarbeit gezwungen wurden. Im Februar hatten sich zur ersten Sitzung des Runden Tischs Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Deutschen Bischofskonferenz für die Auswüchse entschuldigt.

Doch der Verein ehemaliger Heimkinder (VEH) will, dass darüber hinaus ein Entschädigungsfonds über 25 Milliarden Euro eingerichtet wird. "Auch wenn die Forderung auf den ersten Blick hoch erscheint, ist sie angesichts der großen Zahl der Betroffenen und der Schwere des erlittenen Unrechts, das ganze Biografien zerstört hat, maßvoll", erklärte VEH-Anwalt Gerrit Wilmans. "Auch im internationalen Vergleich liegt die Forderung bezogen auf den Einzelfall absolut im Schnitt." Die VEH-Vorsitzende Monika Tschapek-Güntner erklärte: "Jede dieser Taten ist eines zivilisierten Staates unwürdig und ist gleichermaßen zu entschädigen, unabhängig davon, wo sie geschehen ist."

Die Entschädigung soll dem VEH zufolge nicht vorwiegend vom Steuerzahler getragen werden. Verantwortlich seien in erster Linie die meist kirchlichen Heimträger sowie die beteiligten Betriebe, die von der Zwangsarbeit profitiert hätten.

Der VEH fordert neben der Entschädigung auch einen rentenversicherungsrechtlichen Ausgleich für die Zwangsarbeit sowie sofortige Verbesserungen der Rahmenbedingungen für die Behandlung der Traumata, unter denen viele ehemalige Heimkinder leiden. Der VEH verweist darauf, dass in Irland und Kanada Klagen von Heimkindern bereits zu Zahlungen in Milliardenhöhe geführt haben.

Vertreter der Heimkinder hatten von Kirche und Staat bereits im Februar bei der ersten Sitzung des Runden Tischs eine Entschädigung, worauf Vollmer allerdings zurückhaltend reagiert hatte.

ase/AP



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