Geplante Moschee-Eröffnung in Bayern Morddrohungen gegen Bürgermeister

"Wir werden euch totprügeln" - solche Drohungen gingen zuletzt bei zwei Bürgermeistern im bayerischen Pfaffenhofen ein. Beide hatten eine Demonstration von Islamgegnern in ihrer Stadt kritisiert.

SPD-Politiker Müntefering und Herker (Archivbild): Morddrohungen gegen Herker
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SPD-Politiker Müntefering und Herker (Archivbild): Morddrohungen gegen Herker

Von , München


Es soll ein fröhliches Fest werden, wenn am Samstag in Pfaffenhofen an der Ilm die Moschee der türkisch-islamischen Gemeinde eröffnet wird. Aber in der oberbayerischen Stadt, rund 50 Kilometer nördlich von München gelegen, wird auch die Polizei sehr präsent sein. Die Sicherheitsbehörden sind wegen Drohungen gegen den Ersten Bürgermeister Thomas Herker (SPD) und einen seiner Stellvertreter, Roland Dörfler (Grüne), alarmiert.

Die beiden Politiker erhielten zuletzt Dutzende unerfreuliche E-Mails. Wer sie schickte, ist bislang unklar. Wüste Beschimpfungen ("Du linker Pisser") waren noch das Harmloseste, denn manche Nachrichten enthielten zudem unmissverständliche Drohungen wie etwa diese: "Sie werden nicht mehr lange leben, wenn Sie so weitermachen wie bisher und weiter mit den muslimischen Invasoren kollaborieren. Es gibt sicher viele stabile Laternenpfähle in Ihrem linksversifften Pfaffenhofen", stand etwa darin. Auch dies war zu lesen: "Wir werden euch totprügeln."

Dörfler und Herker erstatteten Anzeige gegen unbekannt. Die Kriminalpolizei in Ingolstadt ermittelt, hat aber nach eigenen Angaben bislang "noch keine heiße Spur".

Drohungen nach einem Zeitungsinterview

Die ersten Drohmails kamen kurz nach Dörflers Interview im "Donaukurier". Darin hatte er sich entschieden gegen eine islamfeindliche Demonstration positioniert, die am Samstag in Pfaffenhofen abgehalten werden soll. Zudem hatte Dörfler den Anmelder der Demo, Michael Stürzenberger, scharf attackiert. Stürzenberger ist Bundesvorsitzender der Anti-Islam-Partei "Die Freiheit". "Der Mann hat doch keinen IQ, sondern einen AQ - einen Arschquotienten", so lauteten die Worte Dörflers über den 50-Jährigen.

Die beiden sind sich einst über den Weg gelaufen, weil Stürzenberger zwischenzeitlich versucht hat, in Pfaffenhofen Stimmung gegen den Bau der Moschee zu machen - ohne großen Erfolg. Stürzenberger habe dabei "hohle Phrasen gedroschen", so Dörfler.

Stürzenberger gilt dem bayerischen Verfassungsschutz zufolge als "die zentrale Figur der verfassungsschutzrelevanten islamfeindlichen Szene" im Freistaat. Demnach verunglimpft das frühere CSU-Mitglied "alle Muslime als potenzielle Extremisten und Terroristen" und rückt "die Religion des Islam in die Nähe des Faschismus". Sein Unterstützerkreis ist überschaubar, er wird in Bayern auf rund zehn Personen geschätzt. Zwischenzeitlich hatte Stürzenberger auch bei dem bayerischen Pegida-Ableger mitgemischt.

"Kuschen, weil gedroht wird? Nicht mit uns!"

Stürzenberger selbst kritisierte die Morddrohungen gegen die beiden Kommunalpolitiker: Gewaltandrohungen seien zu verurteilen, sagte er SPIEGEL ONLINE. Im Internet äußerte er den Wunsch, dass "möglichst viele Patrioten" nach Pfaffenhofen kommen, um ein Zeichen gegen die angeblichen "Islam-Verharmloser" zu setzen. Mit großer Resonanz scheint er allerdings nicht zu rechnen, eigenen Angaben zufolge geht Stürzenberger von bis zu 20 Demonstranten aus.

Deutlich größer soll die Menschenkette ausfallen, mit der das Bündnis "Pfaffenhofen gegen Rechts - Bürger für Toleranz" auf Stürzenbergers Demonstration reagieren will. Auch Bürgermeister Herker hat zur Teilnahme an der Aktion aufgerufen.

Die Muslime gelten in Pfaffenhofen als gut integriert, so sagt es etwa auch Recep Bal, Vorsitzender der türkisch-islamischen Gemeinde des Ortes. Pfaffenhofen zeichne sich durch ein "starkes Miteinander und Füreinander" aus. Im Ort geht man davon aus, dass die Drohungen gegen die beiden Bürgermeister von außerhalb stammen. Von den Menschen in Pfaffenhofen komme viel Zuspruch für die entschlossene Haltung der Stadtführung, sagt Dörfler. "Bleib standhaft", hätten ihm viele gesagt.

Die beiden Politiker wollen sich von den Drohungen nicht einschüchtern lassen. "Kuschen, weil gedroht wird?", fragt Dörfler und schickt die Antwort gleich hinterher: "Nicht mit uns!"



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Seite 1
berlinerunkraut 12.06.2015
1. was haben die alle
nur gegen Moscheen? die türkischen Bürger sind integraler Bestandteil unserer Gesellschaft. natürlich sollen sie hier ihren glauben praktizieren! durch derartige bescheuerte Aktionen wird doch nur eine segregation befördert, welche unserer Gesellschaft abträglich ist.
hennesviii 12.06.2015
2. Bayern und Islam - ein Riesengeschäft
also alle die in Bayern den Islam kritisieren: ist schon klar, dass die Bayerische Wirtschaft extrem von islamischen Ländern abhängt... http://www.manager-magazin.de/unternehmen/industrie/siemens-milliardenvertrag-mit-regime-in-aegypten-a-1037052.html http://www.88energie.de/solar-gekuehltes-modell-stadion-fuer-qatar-s-fifa-wm-2022-bewerbung-261800.html/
99luftballons 12.06.2015
3. Es gaebe eine einfache Loesung!
-http://www.spiegel.de/politik/ausland/tuerkei-genehmigt-zum-ersten-mal-neubau-christlicher-kirche-a-1011126.html- Seit 92 Jahren wurde der erste Neubau in der Tuerkey genehmigt. ich nehme an, es wurden in den letzten 50 Jahren mehr Moscheen fuer/von tuerkische Gemeinschaften in D. gebaut. Lassen wir das mit den Neubauten fuer weitere Moscheen, bis in den Regionen, von wo die Bauherren kommen, es im Gegenzug immer eine Genehmigung fuer eine gleichgrosse Kirche geben wuerde. GARANTIERT Falls also jemand dann dort eine Kirche bauen moechte, hat er mit Baubeginn der Moschee ein Recht dazu. Wird dieses Recht abgesprochen, verliert die Moschee ihre Nutzungsberechtigung und muss abgerissen werden. Integration, Akzeptanz und Religionsfreiheit ist keine Einbahnstrasse!
alexander1965 12.06.2015
4. Komisch
"...Die Muslime gelten in Pfaffenhofen als gut integriert..." Was soll das? Wahrscheinlich leben sie ja auch schon einige Jahre oder Jahrzehnte dort. Sollte das dann nicht selbstverständlich sein, dass Muslime nach so einer langen Zeit integriert sind...?
Der_zu_spät_geborene 12.06.2015
5.
Nein, niemand sollte Glauben praktizieren. Zu Glauben heisst nicht zu wissen und sich für dubiose Ziele einspannen zu lassen - dies gilt auch für die Katholische und Evangelische Kirche. Warum sich die Politik immer wieder an Gläubige anbiedert, ist mir ein Rätsel (um die Stimmen zu bekommen, schon klar...)
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