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Zweite Karriere: Ex-Stasi-Kryptologen arbeiten für Bundesregierung und Nato

Karriereneustart nach der Wende: Kryptologen der Stasi haben nach SPIEGEL-Informationen bei einer privaten Sicherheitsfirma angeheuert, die im Auftrag der Bundesnachrichtendienstes aktiv ist - und noch heute auch für die Nato arbeitet.

Hamburg - Ehemalige Stasi-Wissenschaftler entwickeln seit Anfang der neunziger Jahre Chiffriertechniken für Bundesbehörden und die Nato. Die Kryptologen aus der ehemaligen Stasi-Abteilung XI "Zentrales Chiffrierorgan" (ZCO) wurden nach der Wende von der Bundesregierung unter Helmut Kohl in einer bislang unbekannten Geheimoperation in einer privatwirtschaftlichen Auffanglösung untergebracht - der Rohde & Schwarz Tochterfirma Rohde & Schwarz SIT GmbH, die heute ihren Sitz in Berlin-Adlershof hat.

"Das waren herausragende Mathematiker, die sich persönlich nichts haben zuschulden kommen lassen", sagt Otto Leiberich, der damals das westliche Gegenstück im Bundesnachrichtendienst und später das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik leitete und in die Operation unter Federführung des Bundesinnenministeriums eingebunden war. Hintergrund für die Aktion, bei der rund ein Dutzend ehemalige Stasi-Männer, darunter auch ein ehemaliger ZCO-Abteilungsleiter, in die Marktwirtschaft überführt wurden, war die Angst, die Chiffrier-Spezialisten könnten mit ihrem Fachwissen etwa in Länder des Nahen Ostens überlaufen.

Weil eine direkte Übernahme der Stasi-Kryptologen politisch als zu heikel galt, sprang Rohde & Schwarz ein. Bis heute arbeiten ehemalige hauptamtliche Stasi-Wissenschaftler für das Unternehmen, das unter anderem die Bundesregierung mit Krypto-Handys beliefert und nach eigenen Angaben "bevorzugter Lieferant von Hochsicherheits-Kryptografie" für die Nato ist. Rohde & Schwarz wollte sich auf SPIEGEL-Anfrage nicht zu diesem Teil seiner Geschichte äußern.

mik

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 52 Beiträge
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1. Na und?
olicrom 25.09.2010
Die Bundesrepublik ist ohne das Heer an Nazis, das an ihrem Wiederaufbau in allen Ebenen beteiligt war, auch nicht denkbar. Es gab doch kaum jemand anderen. Der Vorteil dieser Ideologie-Dienstleister ist je gerade ihr Mitläufertum mtihin ihre Geschmeidigkeit beim Wechsel des Fähnchens. Braucht man also kein großes Gewese drum machen.
2. ???
derblaue 25.09.2010
Was bitte soll den geschätzten Leser an diesem Bereicht überraschen oder Neues liefern?
3. Was ist daran sensationell?
Maputo, 25.09.2010
Und was soll daran nun so sensationell sein? Mit solchen Informationen ist doch kaum mehr ein Hund hinter dem Ofen hervor zu locken.
4. Technik des MfS
ted211 25.09.2010
Ich beschäftige mich seit Jahren mit der Technik des MfS. Mein Eindruck ist, dass das MfS sich damals die besten Absolventen von den Hochschulen geholt hat. Warum sollen dann die Kryptologen nicht weiter ihre gute Arbeit machen?
5. Kinder, lernt was Gescheites!
forumgehts? 25.09.2010
Zitat von sysopKarriere-Neustart nach der Wende: Kryptologen der Stasi haben nach SPIEGEL-Informationen bei einer privaten Sicherheitsfirma angeheuert, die im Auftrag der Bundesnachrichtendienstes aktiv ist - und noch heute auch für die Nato arbeitet. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,719573,00.html
Spezialisten werden eben immer und überall gebraucht - man muss nur eben wirklich gut sein. Das gilt auch für Ab/Verhörspezialisten, Söldner und Fachleute für "dirty tricks" aller Art.
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