Zweitstimmenkampagne Westerwelle wirft CDU Überheblichkeit vor

Im Kampf um Zweitstimmen von Unionswählern wird die FDP immer aggressiver. Das Klima zwischen den Koalitionspartnern ist vergiftet. Jetzt knöpfte sich Außenminister Westerwelle Kanzlerin Merkels Ansage vor, die CDU habe keine Stimme zu verschenken.

Guido Westerwelle: "Die Union verleiht gar keine Stimmen."
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Guido Westerwelle: "Die Union verleiht gar keine Stimmen."


Berlin - Je näher der Wahltag rückt, desto rauer wird der Ton der FDP. Auf der Zielgeraden buhlen die Koalitionspartner ohne gegenseitige Rücksicht um jede Stimme. Die FDP kämpft immer offensiver um Leihstimmen von CDU-Anhängern - und die Union immer lauter dagegen.

CDU-Chefin Angela Merkel kündigte einen Wahlkampf "bis zur letzten Minute" an. Mit den Worten "zwei Kreuze, vier Jahre" untermauerte sie am Dienstag ihren Anspruch auf eine volle vierjährige Amtszeit. "Die CDU hat keine Stimme zu verschenken", bekräftigte sie bei einem Wahlkampfauftritt am Dienstag in Magdeburg. Die Zweitstimme sorge bei der Bundestagswahl am kommenden Sonntag dafür, dass sie weiter Kanzlerin sein könne.

Die Zweitstimmenkampagne der Liberalen geht jedoch unverdrossen weiter. Am vergangenen Sonntag war die FDP mit nur 3,3 Prozent aus dem bayerischen Landtag geflogen. Die Liberalen fürchten nun um ihr politisches Überleben und werben verstärkt um die maßgeblichen Zweitstimmen mit der Begründung, nur so lasse sich Schwarz-Gelb sichern.

Am Dienstag zeigte sich Außenminister Guido Westerwelle schwer verärgert über die Haltung der Union. Dem Sender n-tv sagte der Liberale: "Ich finde, es ist etwas überheblich, wenn man sagt, man habe keine Stimme zu verleihen." Die Union verleihe gar keine Stimme. "Das tun die Bürger."

FDP entwirft Schreckszenarien für Unions-Wähler

Gesundheitsminister Daniel Bahr warnte in der "Rheinischen Post": "Nur die FDP garantiert, dass die Union nicht völlig sozialdemokratisiert." Bahr sagte, jede andere Koalition als Schwarz-Gelb bedeute Steuererhöhungen für die breite Mitte. "In jeder anderen Konstellation würde (der SPD-Chef) Sigmar Gabriel den Takt vorgeben." FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle warnte im "Handelsblatt" angesichts der Möglichkeit einer Großen Koalition vor einer "Kanzlerin von Gabriels Gnaden".

In der RTL-Sendung "Guten Morgen Deutschland" umwarb Westerwelle offensiv Anhänger der bürgerlichen Koalition. "Intelligent wählen, heißt auch, die Zweitstimme intelligent einsetzen", sagte er. Wer mit seiner Zweitstimme die schwarz-gelbe Koalition erhalten könne, werde sich dies auch überlegen. FDP-Chef Philipp Rösler sagte der "Bild"-Zeitung vom Dienstag: "Wer klare Verhältnisse will, wählt mit der Zweitstimme FDP."

Aus der CDU kamen außer von Merkel weiterhin auch andere Warnungen angesichts der Leihstimmenkampagne. Der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Volker Kauder, sagte der "Welt", am Sonntag werde es "knapp, sehr knapp". Die Erfahrungen der verlorenen Landtagswahl in Niedersachsen "sollten uns eine Lehre sein", sagte er. Im Januar war das schwarz-gelbe Regierungsbündnis in Hannover Rot-Grün mit gerade einmal 0,4 Prozentpunkten unterlegen. Zuvor hatte die FDP mit Duldung der CDU um deren Wähler geworben.

In einer am Dienstag veröffentlichten Sonntagsfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa fällt die FDP im Vergleich zur Vorwoche um einen Prozentpunkt auf fünf Prozent zurück. Damit müssen die Liberalen weiter um den Einzug in den Bundestag bangen.

ler/AFP/dpa

insgesamt 110 Beiträge
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Seite 1
hasimen 17.09.2013
1. LoL
Was ist denn mit dem Guido auf einmal los ? Befindlichkeiten ??? Die haben die Wähler die er beim letzten mal so arglistig getäuscht hat ! Die Nerven liegen blank ... die FDP ist jetzt schon RAUS, und wir bekommen dann endlich mal wieder einen Außenminister mit internationaler Geltung und Sprachkenntnissen ( ~ ist ja nun nach dem Rohrkrepierer keine Kunst ! ).
leiboldson 17.09.2013
2.
Ich glaube immer mehr, dass die Union die absolute Mehrheit erreicht, da alle kleinen Parteien schwächeln und die Wähler im Prinzip nichts gegen eine Kanzlerin Merkel haben: Union: 42% SPD: 23% Grüne: 9% Linke: 9% AfD: 4,5% FDP: 4,5%
ichbininrente 17.09.2013
3.
FDP ? Ach ja, mehr Netto vom Brutto.
BettyB. 17.09.2013
4. Wenn schon etwas verleihen...
Wenn schon etwas verleihen, dann doch wohl nicht an die FDP. Die haben schon viel zu lange davon profitiert...
kdshp 17.09.2013
5.
Zitat von sysopDPAIm Kampf um Zweitstimmen von Unionswählern wird die FDP immer aggressiver. Das Klima zwischen den Koalitionspartnern ist vergiftet. Jetzt knöpfte sich Außenminister Westerwelle Kanzlerin Merkels Ansage vor, die CDU habe keine Stimme zu verschenken. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/zweitstimmen-kampagne-westerwelle-wirft-cdu-ueberheblichkeit-vor-a-922846.html
Wer CDU wähler ist sollte beide stimmen der CDU geben da diese diese braucht. Jeder stimme (zweitstimme) die der FDP gegeben wird schwächt die CDU!
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