Zwickauer Zelle Verfassungsschutz bot Neonazi-Trio Deal an

Der Thüringer Verfassungsschutz hat den Rechtsradikalen Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos kurz nach ihrem Abtauchen ein Angebot zur Strafmilderung gemacht. Der Deal kam allerdings nie zustande. Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass man die Terroristen zeitnah überführen würde.


München/Erfurt - Die Behörden wollten sie zur Aufgabe überreden: Kurz nach dem Abtauchen hat der Thüringer Verfassungsschutz den Versuch unternommen, dem Neonazi-Trio "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) ein Angebot zur Strafmilderung zu machen.

Laut Aussage vom damaligen Verteidiger Uwe Böhnhardts, Gerd Thaut, legte der damalige Oberstaatsanwalt von Gera, Arndt Peter Koeppen, ein Veto ein. Damit war der Deal gescheitert. Der Verfassungsschutz in Erfurt wollte am Samstag keine Stellungnahme abgeben.

Thaut zufolge kam im März 1999 ein Mitarbeiter des Thüringer Verfassungsschutzes in seine Kanzlei, angeblich im Auftrag dessen Chefs Helmut Roewer. Der Mann habe erklärt, er wolle den 1998 untergetauchten Bombenbauern helfen, in die Legalität zurückzukehren. Würden sich die drei freiwillig stellen, könnten sie mit einer milderen Strafe rechnen. So würde man sie nicht wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung belangen, sondern nur wegen Sprengstoffbesitzes, schilderte Thaut dem "Focus" das Gespräch. Er übermittelte das Angebot der Mutter Böhnhardts, die einverstanden gewesen sei. "Sie wollte nicht, dass ihr Sohn weiter in der rechtsradikalen Szene aktiv ist."

Als er bei der Staatsanwaltschaft in Gera Einzelheiten der Strafmilderung besprechen wollte, habe der Behördenchef geblockt, sagte Thaut. Oberstaatsanwalt Koeppen habe erklärt, die untergetauchten Extremisten würden bald gefasst. An einer organisierten Rückkehr durch einen Strafmilderungsdeal habe seine Behörde kein Interesse.

Wie sueddeutsche.de berichtet, soll zudem der Vater von Uwe Mundlos kurz vor dem Abtauschen des Trios ein anonymes Schreiben erhalten haben, nach dem Zschäpe zeitweise für Geheimdienste gearbeitet haben soll. Allerdings gibt es laut Aussage des Thüringer Landtages keinen Aktenvermerk über dieses Schreiben. Laut sueddeutsche.de soll der Brief auch Informationen darüber enthalten, warum die Rechtsextreme mit Behörden kooperiert hat. Das Thüringer Justizministerium will die Existenz dieses anonymen Schreibens weder dementiere noch bestätigen.

dis/dapd

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