Zwischenfall bei Weinfest Bremer Senator goss Obdachlosem Sekt über den Kopf

Die Bremer SPD drängt den stellvertretenden Bürgermeister Peter Gloystein zum Rücktritt. Der zum Koalitionspartner CDU gehörende Wirtschaftssenator hatte bei der Eröffnung eines Weinfestes einem obdachlosen Mann Sekt über den Kopf gegossen. Der Koalitionspartner SPD fordert nun den Rücktritt.


Gloystein: "Ich weiß auch nicht, was in mich gefahren ist"
DDP

Gloystein: "Ich weiß auch nicht, was in mich gefahren ist"

Bremen - Gloystein habe dem Mann mit den Worten "Hier hast Du auch etwas zu trinken" den Sekt über den Kopf gegossen, berichtet der "Weser-Kurier". Nach Angaben eines Polizeisprechers erstattete der Betroffene Strafanzeige wegen Körperverletzung und Beleidigung.

Der CDU-Politiker hatte gestern auf dem Marktplatz aus einer Magnum-Flasche Sekt ausgeschenkt. Dabei drängelte sich ein Mann nach vorn, wie Radio Bremen unter Berufung auf den Sprecher Gloysteins berichtet. Im Affekt habe der Senator dem Mann den Sekt über den Kopf gegossen, sagte der Sprecher. Eine Augenzeugin berichtete, der Mann habe immer wieder provokant nach der Flasche gegriffen.

Gloystein nach der Sektattacke
DPA/ Kreiszeitung Syke

Gloystein nach der Sektattacke

Der Mann sei in Tränen ausgebrochen, berichtet die "Bild"-Zeitung. Gloystein habe ihm unter anderem einen teuren Kugelschreiber schenken wollen, doch der Mann habe mit den Worten abgelehnt: "Bestechen lasse ich mich nicht. Hier geht es um meine Ehre." Gloystein wird von der Zeitung mit den Worten zitiert: "Ich weiß auch nicht, was in mich gefahren ist."

Gloysteins Sprecher sagte Radio Bremen, die beiden Kontrahenten hätten die Sache mittlerweile im Gespräch ausgeräumt, und der Senator habe sich entschuldigt. Einen Rücktritt lehne Gloystein ab.

Die SPD, die Koalitionspartner der CDU ist, legte dem Senator dies jedoch nahe. Gloystein habe "dem Ansehen der Hansestadt schweren Schaden zugefügt", sagte der Chef der SPD-Fraktion in der Bremer Bürgerschaft, Jens Böhrnsen. Der Wirtschaftssenator habe "sich sowohl durch sein persönliches Verhalten als auch durch sein politisches Agieren aus dem Konsens der Koalitionspartner verabschiedet. Er sollte daraus die Konsequenzen ziehen."

Er halte persönlich das Verhalten "für unerträglich, sagte Böhrnsen. Was für ein Menschenbild steht hinter einer solchen Haltung!", sagte der SPD-Politiker. Die Menschenwürde "kann man nicht mit einem Kugelschreiber abkaufen".



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