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21. März 2017, 18:18 Uhr

Superwahljahr 2017

Wie SPIEGEL ONLINE über Umfragen berichtet

Wahlprognosen sind in Verruf geraten. Trotzdem berichtet SPIEGEL ONLINE Woche für Woche über Umfrageergebnisse. Warum wir das machen - und welche Standards dabei gelten.

2016 war ein schlechtes Jahr für Wahlforscher - zumindest, was ihren Ruf in der Öffentlichkeit angeht. Im Juni prophezeite ein Meinungsforschungsinstitut, Großbritannien werde in der EU bleiben - und Stunden später kam der Brexit. Fünf Monate danach wählten die Amerikaner Donald Trump zu ihrem neuen Präsidenten. Von einem "Versagen der Umfragen" war auch hier die Rede.

2017 ist nun Superwahljahr in Deutschland. In den kommenden Wochen wählen Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein neue Landtage. Im September kämpft Angela Merkel (CDU) gegen Martin Schulz (SPD) in der Bundestagswahl um eine vierte Amtszeit. Und schon jetzt machen Umfragen zur Bundestagswahl Schlagzeilen.

SPIEGEL ONLINE berichtet ausführlich über die neuesten Sonntagsfragen und die Beliebtheitswerte der beiden Kandidaten. Haben wir aus dem vergangenen Jahr etwa nichts gelernt?

Doch, natürlich. Wir haben in der Redaktion intensiv diskutiert, wie wir künftig im Wahljahr mit Wahlumfragen umgehen und welche Standards wir dabei anlegen. Der Überblick:

Warum berichten wir überhaupt über Umfragen?

Zu unserer politischen Berichterstattung gehört es, die Stimmung im Land abzubilden. Vertreter von Parteien und Interessenverbänden können immer nur Einzelmeinungen äußern. Umfragen sind hingegen - zwischen den Wahlterminen - das einzige Werkzeug, das ein repräsentatives Meinungsbild der Menschen in Deutschland liefert. Was und wen halten die Menschen für wichtig? Wie ändern sich Ihre Einstellungen durch aktuelle Ereignisse? Solche Fragen können nur Meinungsumfragen beantworten.

Politiker orientieren sich bei der Ausübung ihrer Ämter oder bei der Festlegung ihrer Wahlkampfstrategie an Umfragen. Würden wir über Umfragen nicht berichten, hätten zwar die Politiker die Daten, unsere Leser aber nicht. Auch deshalb ist es wichtig, sie zu kennen, so wird politisches Handeln transparent.

In den vergangenen Jahren haben Umfragen die Wahlen in Deutschland zudem gut vorhergesagt - mit wenigen Ausnahmen. Die Berichterstattung fokussiert sich häufig auf diese negativen Ausreißer. Dabei gerät aus dem Blick, wie gut die Methoden prinzipiell funktionieren.

Über welche Umfragen berichten wir auf SPIEGEL ONLINE?

Sie finden auf SPIEGEL ONLINE zwei verschiedene Umfragetypen:

Wie berichtet SPIEGEL ONLINE über Umfragen?

Eine Lehre des vergangenen Jahres ist: Die Berichterstattung muss die Unsicherheit der Wahlumfragen explizit benennen. So waren die Umfragen in den USA vor der Wahl mit erheblichen Unsicherheiten belastet und der Vorsprung von Hillary Clinton vor Donald Trump war nicht so sicher, wie es den Eindruck machte.

Woher kommen diese Schwankungen? Es gibt eine Reihe von Fehlerquellen bei Umfragen; letztlich lassen sie sich alle darauf zurückführen, dass man nicht jeden Bürger befragt, sondern nur eine kleine Auswahl. Deshalb liefern Umfragen niemals exakte Ergebnisse, sondern nur Schätzungen, die mit Fehlern behaftet sind.

Ein Beispiel: In einer Umfrage kommt heraus, dass 30 Prozent für die SPD stimmen wollen. Der statistische Fehler beträgt 3 Prozent. Dann bedeutet dies: Die Zustimmung der SPD liegt zwischen 27 und 33 Prozent, am wahrscheinlichsten sind 30 Prozent.

Auf diese Fehlerbereiche weisen wir in unseren Artikeln hin - im Fall des SPON-Wahltrends zum Beispiel so:

Auch bei fremden Umfragen finden Sie Angaben zum Fehlerbereich, zum Institut, zum Befragungszeitraum und zur Methodik im Artikel. Wann immer möglich, vergleichen wir zudem die Ergebnisse mehrerer Umfragen zum selben Thema und verlinken zu den Originalquellen, damit auch deutlich wird, welche Fragen genau gestellt wurden.

Wir möchten Sie schnell, präzise und transparent über Wahlumfragen informieren - das ist unser Anspruch. Dann, sind wir überzeugt, liefern die Umfragen einen wichtigen Beitrag zur politischen Meinungsbildung in Deutschland.

Christina Elmer und Roland Nelles (für das Politik-Ressort und das Daten-Team von SPIEGEL ONLINE)

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