Hatten im Jahr 1991 noch rund vier Millionen Menschen in aller Welt Beobachtungsfahrten zu Walen und Delfinen unternommen, so stieg diese Zahl bis 1998 auf über neun Millionen, heißt es in einem Bericht der Tierschutzorganisation International Fund for Animal Welfare (IFAW).
Das Land mit den am stärksten wachsenden Aktivitäten im Bereich Whale-Watching sei zuletzt Taiwan gewesen, sagt Ben Stewart, Sprecher der IFAW-Europa-Niederlassung in London. Insgesamt beurteile seine Organisation die Entwicklung als "großartig", sagt Stewart: "Je mehr Menschen sich Wale anschauen, desto besser". Das Whale-Watching sei eine Möglichkeit, viel über die Tiere zu lernen - und zugleich auch ein Signal an die Länder, die immer noch Jagd auf Wale machen, dass sich mit Walen auch auf unblutige Weise Geld verdienen lässt.
Die meisten Wal-Fans steigen in den USA und in Kanada in die Boote. Jedes Jahr schwimmen rund 14.000 Grauwale aus der Arktis zu den warmen Gefilden des Pazifischen Ozeans, um sich im Golf von Kalifornien zu paaren. Im flachen Gewässer zwischen dem mexikanischen Festland und der rund tausend Kilometer langen Landzunge Baja California sind von Dezember bis April die großen Meeressäuger die größte Attraktion überhaupt. Vor Australiens Ostküste werden Touren zu den Buckelwalen angeboten, und in Kanada stechen Urlauber in Scharen in See, um die großen schwarz-weißen Orcas zu sehen, die spätestens seit dem Film "Free Willy" vielen Menschen ein Begriff sind.
Auch die Kanarischen Inseln haben sich zu einem beliebten Ziel für Walbeobachtungen entwickelt. Zwischen La Gomera und Teneriffa lassen sich von den 78 Wal- und Delfinarten, die weltweit noch existieren, immerhin 24 Arten sichten, vor allem Grindwale, aber auch Pilotwale. Die Futterbedingungen sind hier sehr gut: Besonders Tintenfisch, eine Lieblingsspeise der Grindwale, ist hier reichlich vorhanden. Auch die Wassertemperatur bleibt zwischen den Inseln vor der westafrikanischen Küste das ganze Jahr hindurch nahezu konstant.
Die bis zu acht Meter langen und bis zu 2500 Kilogramm schweren Grindwale mit ihrer charakteristischen, rund gebogenen Rückenflosse leben in Gruppen - rund 300 Exemplare allein zwischen La Gomera und Teneriffa. Sie sind zutraulich und neugierig. Die Nähe von Schiffen scheint sie nicht zu stören. Es ist durchaus möglich, Gruppen von Grindwalen in Gesellschaft anderer Arten anzutreffen, etwa zusammen mit dem Großen Tümmler oder Pottwalen.
Daher verwundert es kaum, dass immer mehr Bootsunternehmen aus den Häfen Puerto Colon und Los Christianos auf Teneriffa zum Whale-Watching aufbrechen. Umgerechnet rund 70 Mark kostet die dreistündige Fahrt pro Person, inklusive Mittagessens und einem Aufenthalt in einer Bucht zum Schwimmen.
Eine große Kampagne zum Schutz der Nordseewale plant derzeit der World Wide Fund for Nature (WWF). Auch die Europäische Kommission kümmert sich um Wale und Delfine mit dem Projekt "Natura 2000". Konkret sind Normen für Walbeobachtungsfahrten aufgestellt worden: Boote sollen zum Beispiel die Tiere nicht verfolgen, sondern sie herankommen lassen. Ein Sicherheitsabstand von 60 Metern ist vorgeschrieben. Lärm- und Schadstoffgrenzen sind gesetzt worden. Wenn die Wale am Boot auftauchen, sollen die Ausflügler Ruhe bewahren.
Bei den Kanarischen Inseln ist seit zwei Jahren das Kontrollboot "Calderón" unterwegs. Die spanischen Behörden bilden Meeresbiologen im Kurzstudium aus und schicken sie auf die Ausflugsboote. Bei Nichteinhaltung der Schutznormen sind Strafen zwischen zwei und fünf Millionen Peseten (etwa 23.500 bis 58.800 Mark) vorgesehen. Bislang wurden jedoch noch keine Strafen verhängt. "Am besten ist es, sich vorher genau über den Ausflugsveranstalter zu informieren, etwa beim örtlichen Tierschutz nachfragen, ob es "schwarze Schafe" unter den Bootsbetreibern gibt", empfiehlt Tillmann Bokermann von Greenpeace.
Susanne Borchert, gms
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