Hamburg - Die Zahl der Billigfluggesellschaften wächst mit großem Tempo: Nachdem sich die irische Ryanair am Himmel über Deutschland bereits etabliert hat und die Deutsche BA zu einer "Günstig-Gesellschaft" geworden ist, ziehen mit Germanwings und Hapag-Lloyd Express noch dieses Jahr zwei neue deutsche Airlines nach. Air Berlin startet einen "City Shuttle". Doch nicht jeder reist mit den Billigfliegern zu den supergünstigen Tarifen aus der Werbung - viele Plätze werden teurer verkauft. Verbraucherschützer sprechen daher zum Teil von "Lockvogelangeboten".
Entscheidend dafür, den preiswertesten Tarif zu bekommen, ist meist ein früher Buchungszeitpunkt. So hält die Germanwings, die vom 27. Oktober an von Köln aus nach Berlin und zu neun Europa-Zielen startet, in ihren 144-sitzigen Airbus-Maschinen jeweils nur 20 Plätze zum Preis von 29 Euro für die einfache Strecke bereit. Sind diese vergeben, kostet der Platz 59 Euro. Wer noch später bucht, zahlt bis zu 190 Euro. Auch damit erreiche Germanwings aber nur 50 bis 60 Prozent der Preise bei etablierten Fluggesellschaften wie Lufthansa oder British Airways, so Firmensprecher Matthias Burkard.
Ryanair arbeitet ähnlich: In den Maschinen werden zwar bis zu 70 Prozent der Plätze den drei günstigsten Preiskategorien zugeordnet - die anderen Passagiere aber zahlen mehr. Da kann es dann vorkommen, dass der Hinflug von Deutschland nach London zwar sehr günstig ist, der Rückflug aber einiges mehr kostet - je nachdem, wie viele Plätze im Flugzeug noch frei sind. Wie die TUI-Tochter Hapag-Lloyd Express, die Anfang Dezember auch von Köln aus den Flugbetrieb aufnimmt, ihre Tarifstruktur gestaltet, ist noch unklar. Details sollen erst Ende Oktober bekannt werden, sagt TUI-Sprecher Herbert Euler in Hannover.
"Der Flugpreis ist nicht alles"
Für die Kunden ergibt sich neben der Unsicherheit darüber, ob er für den günstigsten Flugtarif noch rechtzeitig anfragt oder nicht, unter Umständen ein zweites Problem: Zum Teil enthalten die in der Werbung genannten Preise keine Steuern und Gebühren. "Da muss man ganz präzise nachfragen, wenn man einen Preis hört", rät Karl Born, Ex-TUI-Vorstand und Touristik-Professor an der Hochschule Harz in Wernigerode. Bei Germanwings und dem "City-Shuttle" von Air Berlin sind Steuern und Gebühren bereits enthalten. Bei Hapag-Lloyd Express, die innerdeutsche Flüge ab zehn Euro und Europa-Flüge ab 25 Flüge pro Strecke angekündigt hat, kommen die Nebenkosten dagegen dazu. Ryanair nennt Preise mal mit und mal ohne Steuern und Gebühren.
"Ganz wichtig ist auch, daran zu denken, dass die genannten Preise in der Regel One-Way-Tarife sind", sagt Sabine Fischer, Reiseexpertin der Verbraucherzentrale Brandenburg in Potsdam. "Der Flugpreis ist nicht alles", warnt sie. Zum Teil müssten An- und Abreisekosten einkalkuliert werden, um die Flughäfen der Billigflieger überhaupt zu erreichen. So fliegt Ryanair schwerpunktmäßig von Hahn im Hunsrück aus. Und die Entscheidung von Hapag-Lloyd Express und Germanwings für Köln als Abflughafen ist zwar für Passagiere aus Nordrhein-Westfalen günstig. Alle anderen müssen aber erst mal dorthin kommen. Vorerst plant Hapag-Lloyd Express Zubringerflüge von Berlin, München und Dresden aus. Bei Germanwings gibt es nur die Berlin-Strecke.
Ein Ticketkauf im Reisebüro werde zudem eine Gebühr kosten, so Fischer. "Dass eine solche Gebühr kommt, weil wir keine Provisionen erhalten, ist inzwischen unstrittig", sagt Frank Michael Scheele, Vorsitzender des Ausschusses Linienluftverkehr im Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verband (DRV) in Berlin. Germanwings und Ryanair verkaufen ihre Tickets ohnehin nur über Call-Center oder per Internet. "Aber wer da bei der Buchung lange in der Warteschleife hängt, zahlt natürlich auch Geld", gibt Scheele zu bedenken.
Noch fehlen Abflughäfen in ganz Deutschland
Ab in die Sonne: Demnächst mit den Billigfliegern auch in den Urlaub im Süden?
Air Berlin - ein Unternehmen, das sich nicht als Billigflieger sieht und anders als die anderen auch beim geplanten "City-Shuttle" nicht auf den Bordservice verzichten will - hat Born zufolge deshalb richtig reagiert: Flüge sowohl zu Urlaubszielen als auch zu wichtigen Großstädten werden von verschiedenen Flughäfen aus angeboten.
Ob es den Billigfliegern an den "Sonnenzielen" dann auch gelingt, die Maschinen nur kurz am Boden zu haben, was das Geschäft für sie erst rentabel macht, sei eine weitere offene Frage, so Born. Urlauber haben in der Regel mehr Gepäck als Geschäftsreisende, die nur mit einem Aktenkoffer zum Gate kommen. Die Abfertigung könne dann länger dauern - und für die Billigfluggesellschaft entsprechend teurer sein.
Letztlich hängt vieles an den Preisen, die in der Werbung genannt werden. "Wenn man den Passagieren tatsächlich vermitteln kann: "Je später du buchst, desto teurer wird es", dann kann das mit den Billigfliegern funktionieren", so Professor Born. "Doch das glaube ich erst, wenn ich es sehe." Bislang seien solche Konzepte noch immer daran gescheitert, dass die Auslastung nicht stimmte - und Restplätze kurzfristig doch wieder zu günstigen Preisen abgegeben wurden.
Von Christian Röwekamp, gms
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