Von Antje Blinda
Natürlich mache er noch normale Bergtouren in den Alpen, antwortet Reinhold Messner auf eine entsprechende Frage im Chat, allerdings suche er sich die einsamen Pfade. Das Alleinsein sei ein Problem von uns, ihn interessiere es, wie er damit klarkomme. So ist für ihn auch eine erneute Besteigung des Mount Everest keine Thema mehr: "Trampelpfade steige ich nicht!" Die Bezeichnung "Freizeitpark Everest" sei zwar reiner Zynismus, aber der Zugang zum höchsten Berg sollte beschränkt werden. Die Regierungen in Nepal und China würden im Moment jedem, der bezahlen kann, ein Permit ausstellen, das für eine Besteigung berechtigt.
Ende des Monats würden er und Edmund Hillary in Katmandu erneut vorsprechen, damit der Massentourismus am Everest eingeschränkt wird. Eigentlich sei die Auswahl der Gipfelaspiranten auch ganz einfach: "Eine Expedition an einer Route pro Saison. Dann hätten gleich viele Leute am Everest Platz, aber alle müssten sich den Weg selber suchen. Die Auslese würde auf Grund der Schwierigkeiten passieren, und die Erfolgsrate wäre minimal."
Sei er nicht mitverantwortlich für den Massentourismus dort, will ein Chatter erfahren. Messner antwortet kurz: "Das wäre das Gleiche, als würde man Schröder vorwerfen, den Irak-Krieg begonnen zu haben." Er habe sich immer gegen den Massentourismus am Everest ausgesprochen und habe den Berg ja auch im Alleingang bestiegen. Die besten Kletterer gingen ohnehin heute nicht mehr auf den Everest, im Himalaja gebe es viel schönere und interessantere Berge, Sechstausender und Siebentausender.
Sein heutiger 25. Jahrestag interessiere ihn nicht. Fragen würde er zwar beantworten, aber im Übrigen nur an neue Herausforderungen denken. Zum 50-jährigen Jubiläum der Erstbesteigung sagt Messner, Edmund Hillary und Tenzing Norgay hätten es verdient, dass man an sie erinnert. Aber auch dem Österreicher Hermann Buhl solle gedacht werden, der vor 50 Jahren, am 3. Juli 1953, im Himalaja einen viel schwierigeren Berg als den Everest erstbestiegen hat: den Nanga Parbat. Messners eigene Expedition zu diesem 8125 Meter hohen Berg in Nordpakistan im Jahr 1970, bei der sein Bruder Günther umkam, sei die einzige, die er heute als zu gefährlich ansieht und nicht noch einmal machen würde.
Messner, der seit 1999 für die italienischen Grünen im Europaparlament sitzt, lobt die Arbeit der grünen Partei in Deutschland uneingeschränkt: "Trittin und Künast sind erfolgreiche Minister, und Fischer ist zu Recht der Superstar der deutschen Regierung." Er selber werde 2004 eventuell erneut für das Parlament kandidieren, sein eigenes Projekt Bergmuseum in Schloss Sigmundskron bei Bozen habe aber Vorrang für ihn.
Über seine weiteren Pläne verrät er nicht viel. In einigen Tage wird er ins Himalaja fliegen und auch ins Basislager am Everest trekken. Einen weiteren "Grenztrip" plane der 58-Jährige für das nächste Jahr, allerdings nicht in Schnee und Eis, sondern wieder einmal in oder durch eine Wüste.
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