Stuttgart/Athen - Athen ist eine Stadt, die polarisiert. Die einen sind fasziniert von der Metropole, in der mit über drei Millionen Einwohnern ein Drittel der griechischen Bevölkerung lebt. Die anderen sind genervt vom Smog, Verkehr und Lärm. Nun kommen auch noch die Vorbereitungen für das größte Sportspektakel der Welt hinzu. Im vergangenen Juli wurde erstmals von der Universität Athen nachgewiesen, dass der Athener Smog nicht nur auf Abgase, sondern auch auf die Bauarbeiten zurückzuführen ist, die Staubpartikel in die Luft wirbeln.
Gearbeitet wird derzeit mit Hochdruck. Denn die Liste der olympischen Objekte, die es noch fertig zu stellen gilt, ist lang. Allein das Straßennetz muss um rund 150 Kilometer erweitert werden. Neue Metrostationen sollen den Service der U-Bahn verbessern, neue Straßenbahnen die verschiedenen Sportstätten in der Stadt miteinander verbinden. Wenn die Spielstätten überhaupt fertig werden: So findet etwa das olympische Fußballfinale definitiv nicht wie ursprünglich geplant im Stadion des Vereins AEK Athen statt. Die Anlage, die für 60 Millionen Euro neu errichtet werden sollte, wird bis 2004 nicht fertig.
Die Überdachung des Olympiastadions im Athener Vorort Maroussi lässt ebenfalls auf sich warten. Ingenieure haben Mühe, die gewagte Stahlkonstruktion des spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava umzusetzen: Zu schwer sind die zwei gewaltigen Bögen, die über den Köpfen der Zuschauer schweben sollen. An einer statischen Lösung wird gearbeitet. Noch geht man beim Organisationskomitee davon aus, dass die Überdachung planmäßig vollendet wird. Bei der Akropolis dagegen steht bereits fest, dass die Besucher sie wie seit Jahrzehnten schon versteckt hinter Baugerüsten vorfinden werden.
Erstmals seit 108 Jahren gibt es wieder Olympische Spiele in Athen - und die Bevölkerung ist gespalten. Zwar kehren die Spiele der Neuzeit an ihren ersten Austragungsort zurück, doch kostet dies den griechischen Staat viel Geld. Ein Punkt, den vor allem jene Griechen kritisieren, die nicht in Athen oder den anderen Großstädten leben, und deshalb auch kaum vom Geldfluss profitieren.
Ob bis zum Entzünden des olympischen Feuer alles fertig ist, beleibt ungewiss
Trotz allem herrscht Zuversicht. "Es wird etwas chaotisch, vielleicht ist nicht alles fertig, aber es wird klappen", lautet die weit verbreitete Meinung. Schließlich haben auch andere Länder bis kurz vor Schluss gearbeitet: 1964 wurden die Zubringerautobahnen in Tokio erst Stunden vor der Eröffnung fertig gestellt, 1972 wurden für die Olympischen Spiele in München Bundeswehrsoldaten eingesetzt, um mit den Dächern des Olympischen Dorfes im Zeitplan zu bleiben.
Alexia Angelopoulou, AP
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