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07.01.2004
 

Breaking the Ice

Friedensmission gerät in schwere See

Schlechte Nachrichten von der "Pelagic Australis": Eine Teilnehmerin der israelisch-palästinensischen Friedensexpedition in die Antarktis hat sich einen Beckenbruch zugezogen. In der Drake Passage geriet das Segelschiff in einen schweren Sturm.

Samstag, 3. Januar

Selbst jetzt, zu Beginn des antarktischen Sommers, ist die Sicht in der Drake Passage grau in grau, der Wind feucht und ungemütlich kalt. Olfat, die palästinensische Sportlehrerin aus Haifa, ist fast pausenlos an Deck, sichert die Segel und blickt übers Meer. Jede Welle, jeder Windwechsel ist zu spüren auf der "Pelagic Australis", die im Hafen noch so majestätisch wirkte und jetzt wie eine Nussschale auf den Wellen tanzt.

Auf der "Pelagic Australis" im Sturm: Dies ist kein Vergnügungsurlaub
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Auf der "Pelagic Australis" im Sturm: Dies ist kein Vergnügungsurlaub

Wer trotz Wellengang noch Appetit hat, der kann sich von Ziad verwöhnen lassen. Wir haben ganze Hammel dabei, gehäutet, allerdings nicht koscher geschlachtet. Das Hammelfleisch wird uns die nächsten Tage in unterschiedlichen Variationen begleiten, ebenso wie ein mit stoischer Ruhe und steinfestem Magen an den Kochtöpfen stehender Ziad. Währenddessen rutschen Teller von einer Seite des Tisches auf die andere, und darüber hinaus bekommt ein Eigenleben, was nicht festgezurrt ist.

Dies ist kein Vergnügungsurlaub. Die See ist rau, die Unterbringung spartanisch, das Wetter schlecht. Niemand wird bedient, keiner serviert. Jeder ist für sich selbst verantwortlich, und gleichzeitig tragen alle die Verantwortung für das Team. Nach und nach wird bei dieser Überfahrt deutlich, was mit "extrem" gemeint ist: zu erleben, was keiner der Beteiligten vor Jahresfrist auch nur geträumt hätte. Und was die Teilnehmer zusammenschweißt. Das umso mehr, weil diese Expedition ein "Fundraiser" ist, der Jugendprojekte möglich machen soll, die ähnlich wie "Breaking the Ice" gestaltet sind.

Sonntag, 4. Januar

Nach zwei Tagen relativ ruhiger See kam der Sturm ohne Vorankündigung. Wer sich in den ersten Tagen an die Fortbewegung im Schaukelgang gewöhnt hatte, der musste sich schon wieder umgewöhnen. Sogar mit eingezogenen Segeln lag die "Pelagic Australis" hart am Wind. Bei 45 Grad Neigung fragten wir uns, wo der Boden geblieben ist. Ein- und Ausstieg aus den Kojen wurde zur akrobatischen Übung, die sich nur antat, wer mal wieder schleunigst und leider nicht schnell genug den Kopf über die Toilette halten musste.

Der starke Seegang forderte dann sogar die erste Verletzte: Olfat wurde in der Nacht durch ihre Kabine geschleudert und hat sich am Heizkörper das Becken und einen Wirbel wahrscheinlich gestaucht. Nun zieht der Schmerz durch ihr gesamtes Bein, und es fällt ihr schwer, die Tränen zurückzuhalten.

Schwerer Seegang: Wo ist nur der Boden geblieben?
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Schwerer Seegang: Wo ist nur der Boden geblieben?

Morgens um 5.10 Uhr tauchen die ersten Eisberge auf dem Radar auf. Das Radarbild zeigt nicht nur drei Eisberge von der Größe eines vierstöckigen Hauses, sondern außerdem Eisbrocken so groß wie Autos, von denen jeder Einzelne das Schiff schwer beschädigen und manövrierunfähig machen kann. Bei der Navigation durch fünf Meter hohe Wellen und Gischt lassen sich keine Eisblöcke erkennen. Wenn es sehr dumm läuft sieht man ihn erst wenige Meter zuvor, dann kann es bereits zu spät sein.

Montag, 5. Januar



Ankunft der "Pelagic Australis" auf Deception Island. Die 1829 erstmals betretene Vulkaninsel ist auf jeder Landkarte relativ einfach zu finden, denn sie sieht aus wie ein angebissener Donut und ist ein hervorragend geschützter Naturhafen. Die enge Einfahrt ist auch für erfahrene Kapitäne eine Herausforderung. Ist man wohlbehalten im Inneren des Rings angekommen, bietet sich ein Bild aus einer anderen Welt. Walers Bay heißt die Bucht, schwarzer Sandstrand, rötliche Felsen und schmutziger Schnee ziehen sich von dem 580 Meter hohen Kraterrand ins Tal. Dazwischen die verrosteten Überreste der 1906 aufgebauten norwegisch-chilenischen Walverarbeitungsfabrik. Die Fabrik wurde schon 1931 wieder geschlossen, weil der Produktionsprozess dann direkt auf dem Schiff stattfinden konnte und die Walölpreise in den Keller rutschten. Zwischen den maroden Kesseln nisten Möwen, watschelnde Pinguine flüchten vor uns Eindringlingen.

Nachdem die Walfänger das Weite gesucht hatten, bauten Briten, Argentinier und Chilenen wissenschaftliche Forschungsstationen auf der Insel auf, die nur sporadisch besetzt sind.

Acht Stunden nach der "Pelagic Australis" trifft das zweite Boot, die "Pelagic" wohlbehalten in Walers Bay ein. Kurze Zeit später kommt unser Arzt Arik Shechter zu Visite auf unser Boot. Er vermutet, dass Olfat sich einen Bruch an der Hüfte zugezogen hat. Zu Hause würde man sie einfach ruhig stellen - hier ist es nicht anders. Olfat kann an unserem Tagesausflug und Materialtestlauf nicht teilnehmen.

Das Wetter ist gut, die Kleidung viel zu warm, aber das ändert sich schnell: 30 Minuten später schlägt das Wetter komplett um, aus leichtem Sonnenschein wird ein eisiger Schneesturm. Die Sicht geht gegen null, der jeweils nächste Schritt zählt. Irgendwann haben wir den zweiten Berggipfel geschafft und blicken in eine Bucht. Eisblaue Eisberge schwimmen im Wasser, Pinguine hüpfen über den Strand, ein Seehund räkelt sich wohlig dazwischen. Das Geschrei der Viecher hört man schon einen Kilometer entfernt. Die Pinguine haben Junge, die sich vor dem Wind schützend zwischen den Beinen der Eltern ducken. Wie viel Anstrengung kostet es einen Pinguin, auf diesen Berg zu klettern. Mit diesen Beinen?

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