Anchorage/Nome - Im tiefsten Alaska lebt Nils Hahn seinen Traum. Dreieinhalb Stunden Sonnenschein am Tag sind hier schon eine ganze Menge. "Aber du bist ein Dog-Musher, ein Schlittenhundeführer, ein Geschöpf der Nacht, und die Nacht ist dein Freund", philosophiert der 32jährige Deutsche vor Beginn des diesjährigen weltberühmten, aber wegen seiner Härte und Länge auch berüchtigten Iditarod-Schlittenhunderennen.
Während Nils Hahn und Frank Sihler das ganze Jahr über in Alaska leben und mit ihren Hunden trainieren, ist Bernard Schuchert extra für das Rennen aus Deutschland eingeflogen. Schuchert ist neu im bislang größten Teilnehmerfeld des traditionellen Schlittenhundrennens, das schon seit 30 Jahren ausgetragen wird.
87 Schlittenhundeführer aus fünf Ländern machten sich auf den 1600 Kilometer langen Weg von Anchorage nach Nome, das im Nordwesten an der windzerfegten, kalten Bering-See liegt. Etwa 80 von ihnen sind nach der Hälfte der Strecke noch im Rennen: Neben dem in Eislingen geborenen Nils Hahn, der bereits zum dritten Mal dabei ist, sind auch die Deutschen Sihler und Schuchert noch mit von der Partie.
Die Schlittenfahrt im kalten Herzen Alaskas fordert von Mensch und Hund gleichermaßen ihren Tribut. Eiskalte Temperaturen und plötzliche Witterungsumschwünge lassen sich nicht kalkulieren. Erfahrene Teilnehmer wie der viermalige Champion Doug Swingley wissen das. Bei Temperaturen von unter 30 Grad Celsius und Winden, die den Atem zu Eis erstarren lassen, sei ihm die Hornhaut eingefroren, so Swingley zu seinem vorzeitigen Ausscheiden. Ein weiterer versierter Schlittenführer, Lance Mackey, trauert um seinen Leithund "Wolf". Ein perfektes Hundeleben ist buchstäblich auf der Strecke geblieben.
Kleine Mokassins an den Pfoten
Während eingefleischte Schlittenhundeführer davon träumen, mit ihren Hunden im trüben Nordlicht durch die weißen Weiten zu gleiten, prangern Tierschützer das Rennen als unbarmherziges Unternehmen an. Terri David von "Carolina Animal Action" hält das Iditarod-Schlittenhunderennen für ein "grausames Spektakel", das für die Tiere nicht selten mit die "blutigen Pfoten und andere Verletzungen" endet.
Die Teilnehmer lassen dies nicht gelten. Sie argumentieren, dass bis zu 2000 kleine Mokassins pro Iditarod zur Standardausrüstung für die Hunde gehören. Nicht nur die Hunde und ihr Schlittenführer bilden ein Team. Hinter jedem Iditarod-Rennen stehen viele Freiwillige, die das Rennen gestalten, unterstützen und bejubeln. Die "Iditarod Air Force" aus 26 einmotorigen Propellermaschinen und einem etwas größeren Passagierflugzeug ist das Rückrat des Hunderennens. Unermüdlich fliegen die Piloten in ihren Cessnas und Pipers Hundeverpflegung und Ausrüstungsgegenstände an die Checkpoints entlang der Route. "Das Ganze kann zu einem logistischen Albtraum werden", weiß Flugkoordinatorin Lin Hjortstorp. Fallen einige Teams auf der langen Strecke zurück, kann der schnelle Einsatz der Helfer lebensrettend sein.
Von Anke Ambratis
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