Was vor kurzem noch den Olympiateilnehmern vorbehalten war, können im Herbst auch Freizeitsportler mit Durchhaltevermögen nachempfinden: den berühmten Lauf von Marathon. Griechenlands Hauptstadt Athen lädt am 7. November zum Jedermann-Marathon ein und ist zumindest für geschichtsbewusste Langstreckenläufer einer der Höhepunkte in der nachsommerlichen Wettbewerbssaison. Die Strecke orientiert sich am antiken Vorbild: Start ist wie vor 2500 Jahren das Dorf Marathon, nach 42,195 Kilometern erreichen die Athleten das Ziel im Panathinaikon-Stadion in Athen.
Jenseits des Atlantik findet am selben Tag ein Rennen statt, das als beinahe mythisches Erlebnis inzwischen einen größeren Stellenwert genießt als der Original-Parcours: der City-Marathon von New York. 1970 im Central Park von einer kleinen Gruppe von Sport-Fanatikern erfunden, gilt der Lauf über Brücken und durch Hochhausschluchten heute als das Nonplusultra für Marathon-Anhänger.
Nur noch mit Losglück kann eines der 35.000 Teilnehmertickets ergattert werden. Deutschen Läufern bieten verschiedene Veranstalter als Alternative ein Komplettpaket an, das neben Anreise und Unterkunft einen garantierten Startplatz enthält. Aber auch diese Pauschalangebote sind begrenzt, und für dieses Jahr ist die maximale Teilnehmerzahl ohnehin erreicht.
Startlinie im Hof von Schloss Windsor
New York ist der bekannteste, Boston der älteste Citymarathon. Er feierte am 19. April 1897 Premiere - ein Jahr nach der Wiederbelebung der Olympischen Spiele. Bis heute hat er sich strenge Regeln bewahrt, die ihn zu einer exklusiven Veranstaltung machen. Als Mindestleistung wird von Männern zwischen 18 und 34 Jahren erwartet, dass sie das Ziel unter 3 Stunden und 10 Minuten erreichen. Der nächste Lauf findet am 18. April 2005 statt.
Anfangs betrug die Strecke in Boston allerdings nur knapp 40 Kilometer. Die heute international gültige Distanz wurde erstmals 1908 bei den Olympischen Spielen in London von den Läufern gefordert. Die Veranstalter hatten aber keineswegs die historische Strecke von Marathon nach Athen nachgemessen. Vielmehr wollte man der britischen Königsfamilie die Begeisterung erleichtern: Die Startlinie verlief im Hof von Schloss Windsor, das Ziel vor der königlichen Loge in Wembley. Das ergab eine Strecke von 42,195 Kilometern, die 1924 als verbindlich festgeschrieben wurden.
In Deutschland fiel 1974 in Berlin der Startschuss zum ersten Marathon für jedermann. Heute zählt die Fachzeitschrift "Runner's World" den Lauf durch die deutsche Hauptstadt zu den zehn besten und schönsten Marathons. 35.000 Läufer aus 80 Ländern haben sich für den 26. September angemeldet, das Limit ist seit Anfang August erreicht. Ihr Weg führt die Teilnehmer am Reichstag vorbei, durch Berlin-Mitte und Kreuzberg sowie über den Kurfürstendamm bis zum Brandenburger Tor. Weitere Rennen in deutschen Städten finden in Köln (12. September), Frankfurt am Main (31. Oktober) und Hamburg (24. April 2005) statt.
Marathon auf der Chinesischen Mauer
Die "Marathonitis" hat inzwischen manch ungewöhnlichen Ort infiziert. Tromsø am 70. Breitengrad in Norwegen rühmt sich des nördlichsten Laufs über die offizielle Distanz. Der nächste Termin im Licht der Mitternachtssonne ist für den 18. Juni 2005 angekündigt. Auf Jamaika organisiert der Jamdamers Running Club of Kingston am 4. Dezember den "Reggae-Lauf" um die Bob-und-Rita-Marley-Trophäen. China lädt für den 21. Mai 2005 zum "Marathon auf der Großen Mauer" ein.
Sogar das eher für seine Gondeln und Kanäle bekannte Venedig verzichtet nicht auf Straßenmarathon: Das Rennen durch die Lagunenstadt am 24. Oktober kann dank raffinierter Streckenplanung nicht nur trockenen Fußes absolviert werden, sondern führt laut den Veranstaltern fast nur bergab. Am selben Tag startet auch zum ersten Mal ein "Mallorca-Marathon" durch die Inselhauptstadt Palma.
Was Mallorca und Venedig recht ist, ist ehemaligen Krisengebieten billig: Beirut erhoffte sich mit Hilfe des Sports eine Imagekorrektur und sperrte im vergangenen Jahr erstmals mit Erfolg die Straßen für Laufbegeisterte. 2004 findet die Wiederholung am 10. Oktober statt.
Und auch die Rubrik "Special Interests" wird bedient. Wer schnelle Beine mit guten Weinen kombinieren will, sollte sich für den Marathon du Médoc in Frankreich anmelden: Jeweils am zweiten Wochenende im September, diesmal am 11., führt er durch die Weingüter rund um Pauillac an der Gironde. Es wird nicht nur gelaufen, sondern auch der örtliche Rotwein probiert. Nach zwei Kilometern wartet die erste "Erfrischungsstation", 20 weitere folgen bis zum Ende. Kein Wunder, dass dieser Marathon unter Insidern als der längste der Welt gilt.
Von Frank Rumpf, gms
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