Berlin - Die Fahrpreise der Deutschen Bahn für den Fernverkehr werden sich zur Fahrplanwechsel am 12. Dezember um durchschnittlich 3,1 Prozent erhöhen, teilte die Bahn in Berlin mit. Auch im Regionalverkehr werde es Erhöhungen zwischen 3,3, und 3,9 Prozent geben, denen allerdings die Bundesländer noch zustimmen müssen. Schon vor zehn Tagen hatten Berichte über eine geplante Preiserhöhung für Aufruhr gesorgt, am Freitag hatte die Bahn erklärt, es gebe noch keine Entscheidung.
Als Grund nannte Personenverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch die stark gestiegenen Energiepreise. Zudem nutzten immer mehr Kunden Spartarife: Im Fernverkehr zahle nicht einmal mehr jeder fünfte Reisende den Normalpreis, im Regionalverkehr hätten im letzten Jahr 3,5-mal mehr Kunden ein Länderticket gekauft als noch 1999. Hinzu komme, dass im Nahverkehr öffentliche Zuschüsse gesenkt worden sind und Ausgleichsmittel für die Beförderung von Schwerbehinderten und Schüler gekürzt wurden. Die Bahn leide unter erheblichen Verlusten, die allein im Fernverkehr für das Gesamtjahr 2004 auf rund 120 Millionen Euro beziffert werden.
Die Fernverkehrspreise werden nach Angaben der Bahn nach Entfernungen gestaffelt werden. In der 2. Klasse sollen die Preise bis zu einer Fahrtstrecke von 150 Kilometern bestehen bleiben, von 150 bis 400 Kilometer um durchschnittlich 3,4 Prozent und von 400 bis 750 Kilometer um durchschnittlich 4,2 Prozent teurer werden. Für Strecken über 750 Kilometer gelte der bisherige Höchstbetrag von 111 Euro in der 2. Klasse beziehungsweise 167 Euro in der 1. Klasse für die einfache Fahrt. Die 1. Klasse wird noch zusätzlich verteuert: Der bisherige Faktor von 1,50 gegenüber der 2. Klasse steigt auf rund 1,55, damit steigen die Preise in der 1. Klasse insgesamt zwischen fünf und sechs Prozent, wie Bahn-Manager Hans-Joachim Luhm mitteilte.
Mitfahrerrabatt fällt weg
Die Preise für die Bahncard 25 und 50 sollen stabil bleiben. Ein gravierender Einschnitt bedeutet die Streichung des Mitfahrerrabatts von 50 Prozent bei Normalpreisfahrkarten, für BahnCard-Besitzer bleibt dieser Rabatt bis Dezember 2005 bestehen. Nur die Sparpreise 25 und 50 können weiterhin mit dem Mitfahrerrabatt kombiniert werden. Die Kombination von Sparpreisen und BahnCard-25-Rabatt wird wegen einer starken Nachfrage fortgeführt. Für Zeitkarten wird der Preis sowohl in der 1. Klasse als auch in der 2. Klasse durchschnittlich um 3,3 Prozent angehoben.
Auch auf Kurzstrecken (bis 100 Kilometer) will die Bahn erstmals seit zwölf Jahren die Preise anheben. Hier steigen die Preise um 3,9 Prozent oder 10 bis 40 Cent, wie Bahn-Manager Tobias Heinemann erläuterte. Bis 300 Kilometer sind es 3,3 Prozent (50 Cent bis 1,20 Euro). Über 300 Kilometer bleiben die Preise im Regionalverkehr stabil. Allerdings werden Monatszeit- und Monatsausbildungskarten um 3,3 Prozent und Wochenzeit- und Wochenausbildungskarten um 3,9 Prozent teurer. In den Verkehrsverbünden gelten die Preiserhöhungen nicht.
Zugleich baut die Bahn einige Angebote aus: Das CityTicket soll ausgeweitet und BahnCard-Kunden die kostenlose Fahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln in über 60 statt 46 Städten ermöglicht werden. In die BahnCard 100 - die alte Netzkarte - wird das CityTicket integriert. Mit dieser "ersten Mobilitätskarte Deutschlands" kann der Kunde am Abfahrts- und am Zielort kostenlos die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Allerdings steigt der Preis für die BahnCard100 in der 2. Klasse um 250 auf 3250 Euro im Jahr, in der 1. Klasse um 400 auf 5400 Euro.
Personenverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch wehrte sich bis zuletzt gegen eine Fahrpreiserhöhung, berichtet der Berliner "Tagesspiegel", schließlich habe sich aber Bahnchef Hartmut Mehdorn durchgesetzt. In Konzernkreisen heiße es, dass die Bahn sich mit langfristigen Lieferverträgen und ähnlichen Absicherungen gut gegen die Energiekosten abgesichert habe. Lediglich ein Aufschlag von 0,4 Prozent auf die Ticketpreise lasse sich mit gestiegenen Preisen für Strom und Diesel rechtfertigen.
Schmidt: Mehr Fahrgäste abschrecken als gewinnen
Der Grünen-Verkehrsexperte Albert Schmidt bezeichnet die offenbar geplanten Fahrpreiserhöhungen der Deutschen Bahn AG als schweren Strategiefehler. Höhere Fahrpreise würden Fahrgäste abschrecken, sagte Schmidt am Dienstag im ARD-"Morgenmagazin" und rief die Bundesländer auf, den angekündigten Preisanstieg der Bahn im Nahverkehr nicht mitzutragen. Zwar könne die Politik höhere Fahrpreise im Fernverkehr nicht verhindern. Im Nahverkehr müssten die Bundesländer jedoch die Pläne genehmigen.
Der Führung der Deutschen Bahn warf Schmidt vor, eine Strategie zu betreiben, die auf Biegen und Brechen versuche, schwarze Zahlen für den beabsichtigten Börsengang zu schreiben. Nötig seien vielmehr "attraktive, lukrative Angebote". Die gestiegenen Strompreise machen nach Einschätzung von Schmidt allenfalls eine Bahnpreisanhebung von einem halben Prozent nötig. Der Rest der angestrebten Erhöhung diene der "Verbesserung der Bilanz".
Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) sagte, er könne das Unternehmen bei den Fernverkehrspreisen nicht "bevormunden". Der umweltpolitische Sprecher der SPD- Bundestagsfraktion, Michael Müller, verlangt in der Mittwochsausgabe der "Stuttgarter Nachrichten" die Entscheidung müsse "transparenter" sein.
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