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25.05.2005
 

Trotz Frühbucher-Kampagne

Auf den letzten Drücker in die Sonne

Da kann es so billig sein, wie es will: Viele Urlauber lassen sich durch Rabatte und Turboabschläge nicht zum frühen Buchen verleiten. Das Schnäppchen in letzter Minute gibt es immer noch, doch eher nicht bei den großen Reiseveranstaltern wie TUI oder Neckermann.

Last-Minute-Angebote: Die großen Veranstalter bieten weniger kurzfristige Reisen an als früher
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GMS

Last-Minute-Angebote: Die großen Veranstalter bieten weniger kurzfristige Reisen an als früher

Wernigerode - Die großen Reiseveranstalter haben dem Last-Minute-Urlaub den Kampf angesagt. Das Konzept ist bislang erfolgreich, doch ganz verdrängen kann es den kurzfristig gebuchten Urlaub nicht. Vor allem viele junge Leute entscheiden sich eher spontan für eine Ferienreise - und wenn das Wetter in Deutschland so gruselig ist wie im Sommer 2004, führt das ebenfalls zu nicht gerade wenigen Last-Minute-Buchungen. Wer auf die "Letzte Minute" in die Sonne will, wird heute jedoch möglicherweise anderswo als früher fündig, denn die großen Kataloganbieter ziehen ihr Programm "Wir wollen keine Last-Minute-Reisen" weitgehend durch.

"Natürlich wird es auch diesen Sommer Last-Minute geben. Es wird aber weniger sein als früher", sagt zum Beispiel Robin Zimmermann, TUI-Sprecher in Hannover. Zwar lege der Konzern Kapazitäten für den Sommer nach, etwa weitere Flüge mit Hapagfly auf die Balearen und die Kanaren. "Aber das wird alles zehnmal geprüft. Es ist nicht mehr wie früher, als man gesagt hat: Ach, das werden wir schon verkaufen." Auch Asger Schubert von Neckermann in Oberursel (Hessen) rechnet damit, dass sich der Last-Minute-Anteil in diesem Sommer wieder da einpendelt, wo er vor 2002 und 2003 jahrelang lag: bei 15 Prozent.

Wo die Last-Minute-Urlauber buchen werden, ist aber noch gar nicht sicher. Karl Born, Tourismusexperte an der Hochschule Harz in Wernigerode, hält es für denkbar, dass die Kataloganbieter weniger große Chancen haben: "Wenn die Botschaft der Konzerne 'Es gibt kein Last-Minute' bei ihnen ankommt, dann gehen die Kunden eben nicht zu TUI oder Neckermann, sondern gleich zu L'tur, Expedia oder den Hotelportalen. Damit ist stark zu rechnen in diesem Sommer." Der Trend zum Frühbuchen und der Trend zum Spätbuchen schließen sich laut Born dabei gar nicht aus. Vielmehr gebe es einen weiteren Urlaubertyp immer seltener: den "Normalbucher", der sich weder besonders früh noch sehr spät entscheidet, sondern zum Beispiel im April oder Mai.

Singles sind klassische Spätbucher

Klassische Spätbucher sind Singles sowie Paare ohne Kinder, sagt Tanja Huber, Sprecherin des Last-Minute-Spezialisten L'tur in Baden-Baden. Aber auch manche Familien neigen dazu, die Entscheidung für eine Urlaubsreise auf den letzten Drücker zu erledigen, "und zwar sind das Familien, die glauben, sich eigentlich keinen Urlaub leisten zu können. Aber dann kommt doch noch ein interessanter Reisepreis, oder die Kinder quengeln einfach zu stark", sagt Born.

Was kurzfristig konkret im Angebot sein wird, ist noch unklar. Bei Bucher-Reisen, der Last-Minute-Marke des Thomas-Cook-Konzerns in Oberursel (Hessen) werden es vor allem Reisen aus den Sommerkatalogen der Thomas-Cook-Marken sein. "Bucher hat die klassische Rolle als Ausputzer", sagt Asger Schubert. L'tur dagegen stellt seine Angebote - ebenso wie Expedia und andere Internetportale - selbst zusammen. Was da auf die Touristen zukommt, kann Tanja Huber noch nicht sagen - schließlich sind die Reisen erst maximal vier Wochen vorher buchbar.

Im vergangenen Jahr seien vor allem hochwertige Hotels im Vier- und Fünf-Sterne-Bereich sowie Anlagen mit All-inclusive-Angebot gefragt gewesen, so Huber. Auch Fernreisen werden zunehmend in der "Letzten Minute" gebucht, beobachtet Born. Ganz problemlos ist das aber nicht, weil zum Teil nur noch wenig Zeit bleibt, Impfungen vorzunehmen oder zum Beispiel eine Malaria-Vorbeugung zu beginnen.

Wer mit festen Vorstellungen über Zielgebiet, Reisezeitraum und Abflughafen nach einem Last-Minute-Schnäppchen sucht, muss allerdings nicht selten Abstriche machen. "Unser Geschäft ist es nicht, die "Filetstücke" zu verkaufen. Es gibt also nicht immer den Gran-Canaria-Abflug vor der Haustür am Samstag um 9.30 Uhr", sagt L'tur-Vorstand Markus Orth. Der typische Last-Minute-Kunde kenne das aber und wisse genau, dass er etwa bei den Zeiten flexibel sein muss.

"Ich will Sonne, Strand und Spaß"

Auch die Frage nach dem Zielgebiet ist für Last-Minute-Urlauber oft nicht so entscheidend. "Unsere Kunden buchen eher nach ihren Reisemotiven wie Sport, Strand oder Wandern", sagt Huber. "Die typische Frage lautet: 'Wir wollen weg, was haben Sie denn Schönes?', sagt auch Born, der sich in Last-Minute-Reisebüros umgehört hat. Das Programm der Urlauber laute eher "Wir wollen Spaß und Sonne" als "In diesem Jahr soll's eine Last-Minute-Griechenland-Reise sein."

Dennoch sollten auch kurzfristig buchende Urlauber darauf achten, dass ihnen so viele Details wie möglich im Reisevertrag zugesichert werden. Im Angebot des Veranstalters sollte etwas mehr stehen als nur "Vier-Sterne-Hotel, Teneriffa, mit Flug ab/bis Berlin", sagt Sabine Fischer von der Verbraucherzentrale Brandenburg in Potsdam: "Die Ausstattung der Zimmer und die Lage des Hotels sollten in der Beschreibung schon genau erläutert werden." Wichtig sei es zudem, auf die Aushändigung eines Sicherungsscheines durch den Veranstalter zu achten, um im Fall von dessen Konkurs nicht am Ferienort zu stranden.

Grundsätzlich ist auch bei Last-Minute-Reisen ein Preisvergleich unerlässlich, rät Fischer. Nicht jeder kurzfristig angebotene Urlaub sei ein Schnäppchen - statt Vollpension könne es zum Beispiel mal nur Halbpension geben. Auch sollten die Nebenkosten für Taxifahrten und Kneipenbesuche am Ferienort immer einkalkuliert werden, damit aus der angestrebten Billigreise nicht doch ein teures Vergnügen wird.

Von Christian Röwekamp, gms

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