Sonntag, 22. November 2009

Reise



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04.11.2005
 

Weltkulturerbe

Dresden und Eisenach müssen um Unesco-Titel bangen

Das Elbtal soll eine neue Brücke erhalten, und in der Nähe der Wartburg könnte bald ein Windpark entstehen. Das Welterbezentrum zeigt sich wenig erfreut von den baulichen Veränderungen und droht mit der Aberkennung des Status.

Dresden - Seit Juni 2005 können die Dresdner stolz auf ihr Weltkulturerbe, das Elbtal, blicken. Jetzt müssen die Sachsen jedoch schon wieder um den Titel bangen. Der Bau der "Waldschlösschenbrücke" über die Elbe löst bei der Unesco Stirnrunzeln aus. Der Direktor des Unesco-Welterbezentrums in Paris, Francesco Bandarin, hat sich in einem Brief an das deutsche Auswärtige Amt besorgt wegen des geplanten Brückenbaus geäußert. Das Bauwerk könne Wert und Integrität der Welterbestätte beeinträchtigen.

Das 20 Kilometer lange Dresdner Elbtal gilt wegen des besonderen Ensembles aus Barock- und Landschaftsarchitektur und Flusslandschaft als besonders bewahrenswert. Im Mai 2006 soll die Brücke unweit des historischen Stadtzentrums errichtet werden. Die Dresdner selber haben sich im Februar in einem Bürgerentscheid für den Bau ausgesprochen.

Der stellvertretende Generalsekretär der Deutschen Unesco-Kommission, Dieter Offenhäuser, sagte, der Bau der "Waldschlösschenbrücke" dürfe nur in enger Absprache mit dem Welterbe-Komitee erfolgen. Die Stadt könne das Brückenprojekt "nicht einfach so umsetzen". Da das Projekt Konsequenzen für das Elbtal als Kulturlandschaft habe, müsse die Unesco zuvor umfassend in Kenntnis gesetzt werden. Ansonsten bestehe eine mögliche Gefährdung des Welterbestatus.

Erstaunen löste diese Aussage bei der Stadt Dresden aus. Stadtsprecher Kai Schulz sagte, dem Dresdner Bewerbungsantrag um den Titel habe seinerzeit eine optische Darstellung der Brücke beigelegen. Zudem seien die zuständigen Unesco-Vertreter bei ihrem Besuch in Dresden über das Projekt informiert worden: "Wir haben ihnen gezeigt, wo die Brücke hinkommt."

Offenhäuser sagte hingegen, dass die Brücke in den Bewerbungsunterlagen Dresdens erwähnt worden sei, jedoch Lage und Ausmaß der Elbüberquerung noch unklar waren. Die jetzige Planung sei der Unesco nicht bekannt gewesen. Das Auswärtige Amt, die oberste Zuständigkeitsbehörde für das deutsche Welterbe, soll nun eine Visualisierung des Dresdner Bauvorhabens in Auftrag geben. Damit will sich die Uno-Organisation einen Eindruck davon verschaffen, wie die künftige Brücke im Landschaftsraum tatsächlich wirken wird.

Nach einem Bericht der "Dresdner Neuesten Nachrichten" könnte Dresden möglicherweise auf der Tagesordnung einer Unesco-Sitzung im Juni 2006 landen. Dort wird über die Aufnahme von gefährdeten Stätten des Welterbes in die "Rote Liste" beraten. Die Aufnahme in diese Liste ist der letzte Schritt vor der Aberkennung des Welterbetitels.

Auch der 900 Jahre alten Wartburg in Eisenach droht die Aberkennung des Welterbe-Titels. Burghauptmann Günter Schuchardt bestätigte am Freitag einen Bericht der Zeitung "Freies Wort" (Suhl). Eine Baugesellschaft will in etwa sechs Kilometer Entfernung einen Windpark bauen. Damit wäre der Blick vom Thüringer Wald und der Rhön auf die Wartburg nicht mehr frei. Die Gemeinde hat bereits gegen zwei Baugenehmigungen Widerspruch beim Verwaltungsgericht eingelegt. Die Wartburg ist seit 1999 Unesco-Weltkulturerbe.

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