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15.11.2005
 

Kreuzfahrtschiffe

E-Mail von Kap Hoorn

Videos auf dem Flachbildschirm, Internetanschluss in der Kabine, Getränkebestellung über den Fernseher - an Bord der Luxusliner ist vieles technisch möglich. Nur nach Hause telefonieren mit dem eigenen Handy bereitet noch Schwierigkeiten.

Wochenlang auf hoher See ohne Kontakt zu den Lieben daheim - das war einmal. Vorbei sind auch die Zeiten, in denen Bücher, Kartenspiele und die Bordkapelle die einzige Abwechslung bei schlechtem Wetter boten. Kreuzfahrtschiffe haben heute viel multimediale Unterhaltung und verschiedene Kommunikationsmittel an Bord. Nur die Ausstattung der Ozeanriesen mit einer von allen Gästen nutzbaren IT-Technik steht noch am Anfang.

Eine Vorreiterrolle nimmt die "MS Europa" ein. Vor kurzem wurde an Bord des Hapag-Lloyd-Flaggschiffs ein neues Multimediasystem übergeben. Installiert wurde es von Lufthansa Systems, zuständig auch für die IT-Ausstattung an Bord der Kranich-Flotte. Den Mittelpunkt bildet dabei ein Flachbildfernseher in der Kabine, über den die Passagiere alle Funktionen aufrufen können.

"Vorrangiges Ziel war es, allen Passagieren von ihren Kabinen aus den Zugriff auf Video und Music on Demand zu ermöglichen", sagt Jörg Liebe von Lufthansa Systems in Hamburg. 60 Filme im Mpeg2-Format und 1400 Alben im MP3-Format stehen zur Auswahl. Über das Gerät können die Passagiere auch auf das Internet zugreifen. Und das bordeigene Intranet versorgt die Urlauber zum Beispiel mit Informationen über ihre Reiseroute.

Während das Intranet frei benutzt werden kann, kostet das Surfen im Internet zusätzlich Geld. So weit zusätzliche Dienstleistungen kostenpflichtig sind, können diese über das Intranet, wie es auf der "MS Europa" besteht, ebenfalls abgerechnet werden, erklärt Liebe. Ihre Nebenkosten haben auch die Gäste an Bord der zur Reederei Cunard gehörenden "Queen Mary 2" stets im Blick: "Das läuft über den Fernseher", erklärt Pressesprecher Ingo Thiel in Hamburg.

Auf den Kreuzfahrtschiffen von Royal Caribbean Cruises können die Passagiere dagegen entweder im Internet-Café surfen oder mit dem eigenen Notebook in der Kabine online gehen, heißt es von dem Unternehmen mit Deutschlandsitz in Frankfurt. Auch den Passagieren der "Queen Mary 2" wird ein Internetzugang im Computercenter ermöglicht. WLan gibt es Thiel zufolge dagegen nicht. E-Mails aber können in jeder Kabine empfangen und gesendet werden - über den Fernseher. "Eine entsprechende Funktastatur ist vorhanden."

Flachbildschirm nur in der Luxusklasse

Die multimediale Ausstattung der Kabinen auf der "Queen Mary 2" unterscheidet sich nach der Preisklasse: Auf niedrigerem Preisniveau stehen Röhrenfernseher in den Kabinen, in der "Luxusklasse" hängen große Flachbild-Fernseher an den Wänden. Die Musik wird über eine HiFi-Anlage abgespielt. Eine Sammlung von DVDs und CDs steht in den Luxus-Kabinen bereit. Über den Touchscreen lassen sich aber auch Filme per Video-on-Demand ordern oder Essen und Getränke bestellen. Letzteres wird allerdings selten genutzt: "Da greifen die Gäste lieber klassisch zum Telefonhörer", sagt Thiel.

Passagiere auf der "Queen Mary 2" haben außerdem die Möglichkeit, sich Filme und CDs in der Bordbibliothek auszuleihen. In den Genuss des Bord-TV-Programms kommen alle Passagiere. Telefoniert wird über Satellit. Auch auf der "MS Europa" wird zum Telefonieren nach wie vor der Apparat auf dem Nachttisch benutzt. "Über den bekommen Sie auch weiter den Weckruf", sagt Liebe.

Für technisch versierte Mitreisende, die ihr eigenes Notebook dabei haben, bietet sich aber auch eine Möglichkeit, mit Hilfe des Rechners Internettelefonie zu betreiben und dabei ihre eigene Voice-over-IP-Nummer zu nutzen: Auf drei Decks sowie in allen öffentlichen Bereichen gibt es WLan-Hotspots. Außerdem besitzen die Telefone in den Kabinen einen Netzwerk-Anschluss fürs Notebook. Den drahtlosen Webzugang will auch Royal Caribbean Cruises an Bord der "Freedom-Klasse" einführen, deren Schiffe ab 2006 die "Queen Mary 2" als größtes Kreuzfahrtschiff der Welt ablösen.

Ein Multimedia-Angebot aus einem Guss, wie es auf der "MS Europa" verwirklicht wurde, ist bei anderen Reedereien noch in Planung. "Das ist für uns noch Zukunftsmusik", sagt Hansjörg Kunze, Sprecher von Aida Cruises in Rostock. Mehr Multimedia werde es auf den Schiffen der "Sphinx"-Klasse geben, die im Jahr 2007 in See stechen werden. Aus dem Atrium etwa wird ein Theatrium mit einer Videowand, auf der ebenso wie auf etlichen Flachbilddisplays an Bord ein neuartiges Unterhaltungsprogramm zu sehen sein wird. Video-on-Demand wird dann an Bord ebenfalls verfügbar sein.

Handyempfang nur in Landnähe

Auf Unterhaltung müssen die Passagiere auf den Schiffen von Aida Cruises in ihren eigenen vier Wänden aber nicht ganz verzichten: Es gibt einen kleinen Fernseher in jeder Kabine und den Bordkanal, der Spielfilme zeigt. "Für den Gast entstehen dabei keine zusätzlichen Kosten." Gezeigt werden außerdem Videos, in denen die Ausflugsziele vorgestellt werden. "Außerdem haben wir Filme über die Brücke und den Maschinenraum im Programm, wo Passagiere keinen Zutritt haben."

Einen Internetzugang bietet Aida Cruises seinen Gästen in der Regel nur an speziellen Stationen im Bereich der Rezeption an. Auf der "Aida Vita" und der "Aida Aura" können sich Passagiere aber auch Laptops ausleihen und über WLan ins Netz gehen. Mit eigenen Notebooks ist dies nach Reedereiangaben aus technischen Gründen nicht möglich.

Ein weiterer Aspekt, über den in der Kreuzfahrtbranche nachgedacht wird, ist die Mobiltelefonie an Bord. Bisher funktionieren Handys nur in Landnähe, sagt Aida-Sprecher Kunze. Das könnte sich jedoch ändern, wenn die Reedereien auf ihren Schiffen eine Art Mini-Mobilfunknetz installieren würden, das die Gespräche über Satellit weiterleitet. Dann wäre das Handy auch auf hoher See einsetzbar.

Bei Royal Caribbean Cruises ist schon eine Entscheidung gefallen: Auf der "Freedom of the Seas", die im Frühjahr 2006 vom Stapel läuft, wird es möglich sein, jederzeit mit dem Handy zu telefonieren - für den Fall, dass trotz aller Unterhaltung an Bord mal Sehnsucht nach den Lieben daheim aufkommen sollte.

Von Sven Appel, gms

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