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01.02.2006
 

Überseedampfer "France"

Ende als Geisterschiff

Einst war er der Stolz der französischen Schifffahrt und jahrzehntelang das größte Schiff der Welt: der Transatlantikliner "France". Während seine Fans noch heute über ein zweites Leben als Casino spekulieren, ist sein wahres Schicksal eher rätselhaft.

Port Klang - Sie trug den Namen Frankreichs und dann den Norwegens glanzvoll über die Weltmeere, in Bremerhaven harrte sie eines ungewissen Schicksals - nun endet die legendäre "France" als Geisterschiff und liegt rostend vor Malaysia. Keiner scheint zu wissen, wohin die letzte Reise des Giganten führen könnte.

"France" alias "Norway" alias "Blue Lady": Verrottet in der Straße vor Malaysia
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AFP

"France" alias "Norway" alias "Blue Lady": Verrottet in der Straße vor Malaysia

Eine halbe Stunde von Malaysias riesigem Hafen Port Klang entfernt, ankert die einstige "France" in der Meerenge von Malakka. Wer sich dem mächtigen Schiff nähert, das 1960 im Beisein von Präsident Charles de Gaulle im westfranzösischen Sainz-Nazaire getauft wurde, dem bietet sich immer noch ein imposanter Anblick: Die Linien sind klar, aus den berühmten Schornsteinen steigt sogar noch etwas Rauch in den Himmel.

Doch an Bord regt sich keine Seele, Fenster und Bullaugen sind mit Vorhängen und Möbeln verdeckt. Auf dem Sonnendeck gibt es keine faulenzenden Passagiere mehr, sondern bloß einen einsamen Basketballkorb und ein Schild, das auf Englisch ins "großartige Freiluftrestaurant" lädt. Der Name "Norway", den die "France" nach zwei Jahrzehnten angenommen hatte, ist notdürftig mit "Blue Lady" überpinselt.

Dabei hatte die mehr als 315 Meter lange "France" das Zeug zum Traumschiff. In den sechziger Jahren beförderte sie betuchte Passagiere zwischen Frankreich und den USA hin und her. Doch in den siebziger Jahren wurde das Boot auf der Transatlantikstrecke endgültig vom Flugzeug ausgestochen. 1979 wurde die "France" nach Norwegen verkauft. In der Bremerhavener Lloyd Werft wurde der Transatlantikliner zum Kreuzfahrtschiff "Norway" mit größeren Passagierkapazitäten und weniger Leistung umgebaut. 2003 ging auch die zweite Karriere ein Ende, als bei der Explosion eines Heizkessels in Miami (US-Bundesstaat Florida) acht Menschen getötet wurden.

Rätselhaftes Leben an Bord

Bis Mai 2005 lag die "Norway" noch einmal in Bremerhaven, im August desselben Jahres sichtete Bootsbetreiber Jacky Tan Keng Joo sie erstmals vor Malaysia. Dreimal begab er sich seitdem zu dem Schiff, im Oktober gemeinsam mit drei Managern der malaysischen Gruppe Genting, deren Filiale Norwegian Cruise Line (NCL) das Schiff besitzt. An Bord gegangen sei aber niemand, erinnert er sich - "sie haben bloß Fotos gemacht". Überhaupt habe er noch nie Menschen an Bord gesehen; dabei würden aber regelmäßig Lebensmittel zum Schiff gebracht.

So erscheinen die letzten Tage der "France" rätselhaft. Nicht zuletzt im heimischen Frankreich hat sie immer noch viele Fans, die sich mit Spekulationen etwa über einen möglichen Umbau zum schwimmenden Hotel oder Spielcasino über Wasser halten. Die Reederei NCL will nichts zum Schicksal des Schiffes sagen, das vor einem Abwracken zunächst mühevoll von Asbest befreit werden müsste - nach Angaben der Umweltorganisation Greenpeace gibt es ganze 1250 Tonnen asbesthaltigen Materials an Bord. NCL deutet lediglich düster an, das Boot falle nicht unter das "Modernisierungsprogramm unserer Flotte".

Von Elisia Yeo, AFP

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