Urlaubsreisen: Länger, ferner, gemütlicher

Nach Jahren der Kurztrips zeichnet sich bei den Vorlieben der deutschen Urlauber eine Trendwende ab: Die Reisen werden wieder länger. Am wichtigsten sind den Touristen im eigenen Land und in der Ferne die Gastfreundschaft und eine gemütliche Atmosphäre.

Hamburg - Die Reiselust der Deutschen wächst trotz schwacher Binnenkonjunktur, steigender Energiekosten, Tsunami-Effekt und bevorstehender Fußball-WM. "Die Reisedauer nimmt überraschend wieder zu. Das WM-Fieber kann das Reisefieber nicht ersetzen", sagte der Leiter des Freizeit-Forschungsinstitutes von British American Tobacco (BAT), Horst Opaschowski, am Mittwoch bei der Vorstellung der aktuellen Tourismusanalyse in Hamburg.

Strand in Italien: Nostalgische Sehnsucht nach Ischia und Capri
GMS

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Bei der Reisedauer sei erstmals "ein Ende der Talfahrt in Sicht", sagte Opaschowski. Seit den achtziger Jahren habe sich die durchschnittliche Urlaubsdauer immer mehr verkürzt - von 18,2 Tagen (1980) bis schließlich 12,8 Tage (2004). Im vergangenen Jahr hingegen seien die Bundesbürger bereits wieder 13,3 Tage in den Ferien gewesen. Gut zwei Drittel der Bevölkerung (68 Prozent) hätten für 2006 bereits feste Reiseabsichten.

"Ein Grundgesetz der Welttourismusorganisation bewahrheitet sich: Der Tourismus erholt sich nach jeder Krise", betonte der Institutsleiter. Reisende hätten ein chronisches Kurzzeitgedächtnis, insbesondere bei Naturkatastrophen. "Nach einem Jahr ist fast alles vergessen", fügte er hinzu. Im vergangenen Jahr haben laut der Studie knapp zwei Drittel der Bundesbürger (64 Prozent) eine Urlaubsreise von mindestens fünf Tagen unternommen. Lediglich sechs Prozent begnügten sich mit kürzeren Trips von zwei bis vier Tagen. Und fast ein Drittel (30 Prozent) blieb im Urlaub zu Hause.

Am liebsten daheim

Das liebste Reiseland der Deutschen bleibt Deutschland. Allerdings verliere der Inlandsurlaub permanent an Attraktivität und Marktanteilen - von 35 Prozent (1999) über 33 Prozent (2002) bis hin zu 32 Prozent (2005). Nach wie vor bleiben Bayern und die Ostseeküste die Lieblinge der Urlauber. In diesem Jahr will nur etwa jeder vierte Befragte mit festen Reiseabsichten die Ferien in der Heimat genießen (23,8 Prozent). Alle anderen zieht es vorrangig ins europäische Ausland (48,1 Prozent).

Lag 2005 noch Spanien (10,6 Prozent) in der Urlaubergunst vor Italien (7,7), Österreich (6,1) und der Türkei (5,1), scheinen die Deutschen wieder ihre Liebe für das "dolce vita" zwischen Gardasee und Sizilien zu entdecken: Nach den derzeitigen Plänen überholt Italien (8,4) diesmal Spanien (8,2). "Der Teutonengrill zwischen Adria und Riviera der fünfziger und sechziger Jahre kommt wieder, aber auch die nostalgische Sehnsucht nach Ischia und Capri schwingt mit", sagte Opaschowski zur Italien-Renaissance.

Außerdem gehören im Ausland Griechenland, Frankreich, Kroatien und Slowenien zu den Gewinnern, aber auch Fernreiseziele wie die Karibik einschließlich Kuba und Dominikanische Republik sowie Asien, die USA und Kanada. "Fernreiseziele befinden sich im Aufwind, was auch erklärt, warum die durchschnittliche Reisedauer plötzlich wieder zunimmt", erläuterte der Forscher. Vor allem Singles (16,8 Prozent) und kinderlose Paare (16,1) nehmen sich im Vergleich zur übrigen Bevölkerung (10,9) mehr Zeit dafür.

In der Atmosphäre baden

Immer stärker suchen deutsche Touristen zugleich nach der besonderen Atmosphäre ihres Urlaubslandes. Die Ansprüche beispielsweise an die Unterkünfte wachsen dagegen nicht mehr so stark. "Die Urlauber wollen in Atmosphäre baden", sagte Opaschowski. Das Atmosphärische werde immer wichtiger, "seit materielle Steigerungen kaum mehr bezahlbar sind". Gastfreundschaft (92 Prozent) und eine gemütliche Atmosphäre (91) stehen daher ganz oben auf der Wunschliste. Und gerade Seniorenreisen entwickelten sich "zur neuen S-Klasse": "Senioren wollen, dass man ihnen im Urlaub Zeit schenkt und das Gefühl vermittelt, nur für sie da zu sein."

Das Freizeit-Forschungsinstitut befragte in der 22. Tourismusanalyse 4000 Bundesbürger ab 14 Jahre nach ihrem Urlaubsverhalten des vergangenen Jahres und ihren Reiseabsichten für 2006.

abl/ddp/dpa/AP

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  • Datum: Mittwoch 08.02.2006 | 13:57 Uhr
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