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30.03.2006
 

Kurzfilm im Flugzeug

Touristen sollen aktiv gegen Kinderprostitution vorgehen

"Bitte stören" - zum Einmischen bei Kindesmissbrauch ruft eine Kampagne von terre des hommes auf. In Kurzfilmen, die an Bord aller LTU-Flüge gezeigt werden, will das Kinderhilfswerk auf die Ausbeutung durch Sextouristen aufmerksam machen.

Berlin - Jahrelange Aufklärungskampagnen haben nichts genutzt, die sexuelle Ausbeutung von Kindern in Urlaubsgebieten ist nach Ansicht von Kinderrechtsexperten nicht zurückgegangen. "Das Problembewusstsein ist zwar gestiegen", sagte Christa Dammermann, Referentin für Kinderrechte bei der Osnabrücker Hilfsorganisation terre des hommes, am Donnerstag in Berlin der dpa. Viele Touristen wüssten aber nicht, wie sie angesichts offensichtlicher Missbrauchsfälle am Urlaubsort reagieren sollten.

Ab Samstag will das Kinderhilfswerk daher Kurzfilme im Bordfernsehen des Ferienfliegers LTU einsetzen. Der Spot soll Reisende ermahnen nicht wegzuschauen, wenn sie im Urlaub Zeugen sexuellen Missbrauchs werden, erläuterte Dammermann. Der in Südafrika produzierte, 40 Sekunden lange Film wird dann noch den ganzen Sommer lang auf allen LTU-Flügen zu sehen sein. Zu den Produktionskosten steuerte das Bundesfamilienministerium nach eigenen Angaben 100.000 Euro bei.

Der Spot wurde für die vom Bund unterstützte terre des hommes- Kampagne "Bitte stören" gegen Kinderprostitution im Tourismus produziert. Er zeigt, wie ein Kind von einem Touristen angesprochen und auf ein Hotelzimmer mitgenommen wird. Zeugen des Geschehens könnten in vielfältiger Form einschreiten, bevor es zum Missbrauch kommt. "Oft reicht es, das Hotelmanagement zu informieren, wenn man etwas Auffälliges bemerkt hat", sagte Dammermann. Auch die Botschaften seien Ansprechpartner für solche Meldungen. "Nur so kriegen wir auf Dauer mehr Schutz für Kinder."

Nach Angaben des Kinderhilfswerks werden jährlich mehr als zwei Millionen Kinder auf der Welt Opfer kommerzieller sexueller Ausbeutung. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass organisierte Verbrecher mit diesem Geschäft pro Jahr mehr als 5,5 Milliarden Euro Gewinn machen.

abl/dpa

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