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05.09.2006
 

Abruzzen

Wein aus dem Ofen

Von Stephan Reinhardt

2. Teil: Die charismatischen Weine von Don Luigi

Hoch hinaus: In den Abruzzen wächst der Montepulciano an Pergeln, auch beim Weingut Valentini in Loreto Aprutino
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Hans-Peter Siffert

Hoch hinaus: In den Abruzzen wächst der Montepulciano an Pergeln, auch beim Weingut Valentini in Loreto Aprutino

Echten Winzerstolz strahlt auch Lorenzo Filomusi Guelfi aus, den wir in Tocca da Casauria treffen, südwestlich von Pescara. "Ich bin hier für alles verantwortlich, vom Rebstock bis zum Vertrieb. Nur nicht für das Wetter. Leider!", seufzt er. "2005 war nicht berauschend für Montepulciano, dafür gibt es die besten Weißen seit Jahren. Es war kühler als in den Jahren zuvor, und ab Mitte Oktober setzte Regen ein. Dabei braucht Montepulciano Hitze, weil er sehr spät reift. Das Jahr 2004 war auch kühl und regnerisch. Das Jahr davor war hingegen zu heiß und zu trocken."

Und 2002? "Zu viel Regen." 2001? "Grande!" 2000? "Grandissima!" Wer die letzten Abruzzen-Jahrgänge nachvollziehen möchte, ist bei Filomusi Guelfi genau richtig. Sein 2001er Montepulciano ist verführerisch, sicher einer der feinsten dieses Jahrgangs. Auch unter den Gewächsen von 2002, obgleich ein nasses Jahr, gibt es kaum finessenreichere, charaktervollere Montepulciano. Hier ist nichts von jenem künstlichen "Puccini-Schmelz" zu finden, mit dem so viele – vor allem schwächere – italienische Rotweine gern mal aufpoliert werden.

Ein kostbarer Schatz für die Zukunft

Schmelz haben zwar auch die Weine von Rocco Pasetti vom Weingut Contesa di Rocco Pasetti in Collecorvino. Doch der sympathische Winzer verzichtet auf Kellertricks – obwohl er als Önologe jede kleine Unebenheit locker ausbügeln könnte: "Ich möchte keine amerikanischen, sondern mediterrane Weine erzeugen. Wir haben das Meer vor der Tür und eine der edelsten autochthonen Rebsorten der Welt. Das ist ein kostbarer Schatz, besonders für unsere Zukunft." Den Montepulciano sieht Pasetti gleichberechtigt neben Cabernet und Merlot, Nebbiolo und Sangiovese. Seine Gewächse glänzen mit reifem, seidigem Fruchtschmelz und bestechen durch ihre balancierte Art. Seine Weine sind allesamt verführerisch elegant und sinnlich. Mediterrane Typen eben, die bella figura machen.

Markanteres Profil haben hingegen die charismatischen Weine von "Don" Luigi Cataldi Madonna, der allein einen Palast in Ofena in der Provinz L'Aquila bewohnt. Dieses windgeschützte Zentrum der Abruzzen macht das kontinentale Klima im Sommer zum gefürchtet heißen forno d'Abruzzo, zum "Ofen" der Region. Die Berge hingegen sorgen für kühle Nächte und oft harte, lange Winter. Möglicherweise ließe sich auf den Kalksteinböden sogar Merlot erzeugen, doch mit den internationalen Sorten hat Luigi Cataldi abgeschlossen. "Ich habe ein kleines Gut, da kann ich nur eine Richtung einschlagen: international oder regional. Ich liebe Montepulciano, und von den anderen Rebsorten verstehen andere ohnehin mehr als wir hier."

Den klaren Worten des Professors für Philosophie (seine Schwerpunkte: Kant und die deutsche Aufklärung) entspricht ein schnörkelloser Weinstil. Die interessantesten Gewächse sind die beiden Montepulciano Cerasuolo. Dabei handelt es sich um zwei unterschiedlich vinifizierte rosati, also hellrote Montepulciano. Der warmtönige, gehaltvolle "Piè delle Vigne" kommt wie ein Rotwein daher, ist nur transparenter in der Farbe und mit weniger Gerb- und Bitterstoffen ausgestattet, dafür mit um so mehr eleganten Kirschnoten. Cataldis Rezept: 80 Prozent des Mostes sind früh von den Schalen getrennt und separat weiß vergoren worden, während die restlichen 20 Prozent wie ein Rotwein ausgebaut wurden.

Nichts wird dem Zufall überlassen

Der zweite Cerasuolo erhält seine kirschrote Farbe durch eine kurze Maischestandzeit und wirkt wie eine Light-Version des "Piè delle Vigne": Er duftet nach frischen roten Beeren und Kirschen, besitzt florale Noten (Rosen!) und einen sehr feinen Bittermandelton im Nachhall. Beide Weine zählen zu den feinsten Cerasuolo überhaupt, neben dem von Edoardo Valentini und dem "Myosotis" von Marcello Zaccagnini. Dieser saftige, delikate Rosé-Typ aus den Abruzzen lässt sich gut mit den Tavel von der Rhône vergleichen. Er passt zu Antipasti, Fisch und leichten Fleischgerichten.

Die tiefroten Weine aus den Abruzzen, die am feinsten geschliffen und technisch perfekt sind, macht Marcello Zaccagnini in Bolognano. Schon die riesige Skulptur in Form eines Auges vor seinem Weingut Ciccio Zaccagnini symbolisiert absolute Kontrolle. Nichts wird hier dem Zufall überlassen, alles steht unter – computergestützter – Überwachung. Marcello Zaccagnini führt eine der modernsten Kellereien Italiens und beschäftigt mit dem jungen Concezio Marulli einen Önologen, der schonende Analysemethoden und Techniken der Vinifizierung tatkräftig mitentwickelt.

Wein ist bei Zaccagnini nicht nur flüssig zu haben, sondern auch in Form von Tabellen mit Werten exakt vermessener Farb-, Inhalts- und Geschmacksstoffe. Ein Koordinatensystem gibt die sensorischen Eigenschaften jedes Weins an, noch bevor ihn jemand probiert hat. So gelingt es, alle Weine auf ein gemeinsames Profil hin zu trimmen, ob Montepulciano, Trebbiano San Clemente oder Chardonnay: Sie schmecken extrem weich, mit Frucht-, Röst- und Lakritzaromen in jeweils identischer, stattlicher Dosierung; florale Noten und Adstringenz sind ausgeschlossen. Die nicht ganz unterdrückte, aber kaum wahrnehmbare Säure wie auch ein Rest Bitterkeit kann man als Kavaliersdelikte betrachten – Zaccagninis Weine gefallen Freunden unkomplizierter, aber guter Gewächse.

Regionale Spezialitäten als Überlebensstrategie

Wie vielschichtig der Montepulciano aus den Abruzzen ausfallen kann, beweisen drei weitere Winzer: Einen eher klassisch französischen Stil präsentiert das schönste Weingut der Region, die Azienda Orlandi Contucci Ponno von Marina Orlandi Contucci in Roseto degli Abruzzi. In der Provinz Teramo entstehen ein Chardonnay wie aus Burgund, ein saftiger Sauvignon sowie zwei echte Bordeaux-Charaktere aus Cabernet, Malbec und Petit Verdot. Dino Illuminati setzt in Controguerra hingegen auf einen opulent-internationalen, vor allem amerikanischen Stil. Dennoch werden seine Montepulciano zu den besten gezählt, ebenso wie der eher altmodische, aber darum faszinierende Montepulciano d'Abruzzo von Edoardo Valentini in Loreto Aprutino.

Das hügelige Molise beginnt südlich der Abruzzen. Milder ist das Klima, und den Weinen – fast alle stammen aus der Provinz Campobasso – mangelt es nicht an Charme, oft aber an Persönlichkeit. Reinsortige Montepulciano werden kaum gekeltert, viele der besten Weine erinnern an Süditalien: Aglianico vom Weingut Di Majo Norante und "Fallanghina" von Borgo di Colloredo. Von diesem Gut stammt auch unser Favorit, der traditionelle "Biferno Rosso" aus Montepulciano und Aglianico – samtig, zuweilen ätherisch und recht früh zugänglich.

Patron Enrico Di Giulio lädt uns in der Hafenstadt Termoli in die Trattoria "Z' Bass" ein. Auf den "Fallanghina", der zu den frischen Fischen passt, ist er besonders stolz. "Im Zeitalter der Globalisierung", sagt di Giulio, "ist die Konzentration auf regionale Spezialitäten eine Überlebensstrategie." Wir konzentrieren uns einstweilen auf tubetti in brodo di pesce: Niemand sollte abreisen, ohne diese Pasta mit Muscheln und Scampi probiert zu haben.

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12.04.2008 von fofinha:

Ueberall sieht man in den letzten Jahren Leute mit Wasserflaschen rumlaufen und in der Oeffentlichkeit ungeniert einen Schluck direkt aus der Flasche zu trinken. Scheint zur heutigen Trinkkultur zu gehoeren, nicht mehr aus dem [...] mehr...

12.04.2008 von fofinha:

An meinem Kaffeevollautomaten erfreue ich mich jeden Tag. Ein schoener Luxus, mahlt die Bohnen portionsweise und macht dann gleich schoenen Espresso oder Capuccino oder was man sonst so braucht,heisses Wasser fuer den Tee ist auch [...] mehr...

10.04.2008 von olya_stz_bg:

Vielfalt! Je nach Stimmung, Umgebung Musik im Hintergrund...da spielen noch viele andere Faktoren eine bestimmte Rolle. Das betrifft sowohl Alkohol als auch alkoholfreie Getränke. Auf keines kann ich verzichten. Natürlich gibt [...] mehr...

10.04.2008 von wudi:

Leider gibt`s auch in der Pfalz einige Murkser,speziell die Grossen.Bei kleineren Weinguetern stimmt meist die Qualitaet,Winzervereine sind auch O.K.Am besten ist eine kleine Urlaubstour,probieren,mit dem Produzenten reden, [...] mehr...

10.04.2008 von wudi:

Trinkgewohnheiten nach Laune u. Zweck. -einen guten Single Malt,10-18 Jahre alt,darueber wird er zu teuer, -guten Cocnac(ca.25€-Klasse), -trockenen,halbtrockenen Wein,meist pfaelzer, -oder ein einfaches Pils, -div. [...] mehr...

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