• Drucken
  • Senden
  • Feedback
06.10.2006
 

Einigung zwischen EU und USA

FBI darf auf Passagierdaten zugreifen

Nach wochenlangem Streit haben die EU und die US-Regierung neue Regeln zur Weitergabe von Flugpassagierdaten besiegelt. Die USA sollen deutlich leichter Zugriff auf persönliche Daten von europäischen Reisenden bekommen - jede Anti-Terror-Behörde darf sie künftig einsehen.

Luxemburg - Unterhändler von EU und USA haben sich in einer neunstündigen Videokonferenz auf ein neues Abkommen zur Weitergabe von Passagierdaten für Anti-Terror-Ermittlungen geeinigt. Demnach dürfen die US-Behörden künftig noch einfacher auf persönliche Angaben zu allen europäischen USA-Reisenden zugreifen. Alle amtlichen Terrorfahnder in den USA bekommen die Fluggastdaten von einer zentralen Stelle.

Den ersten Zugriff auf die Daten hat dabei laut EU-Justizkommissar Franco Frattini das US-Ministerium für Heimatschutz, das nach den Anschlägen des 11. September 2001 geschaffen wurde. Aber auch die US-Bundespolizei FBI kann nun einfacher auf die Informationen zugreifen.

Bisher hatte in der Regel nur der US-Zoll Zugriff auf bis zu 34 persönliche Daten wie E-Mail-Adressen, Kreditkarten- und Telefonnummern der Reisenden. Im Einzelfall konnte er die Informationen an andere Sicherheitsbehörden weitergeben. Nun wird der Zugriff für alle US-Behörden mit Anti-Terror-Aufgaben erleichtert.

Justizkommissar Frattini versprach ein hohes Niveau des Datenschutzes und verwies auf die Details des neuen Abkommens. Demnach sollen die US-Behörden nicht mehr wie bisher direkt auf die Registrierungssysteme der Fluggesellschaften zugreifen können. Vielmehr müssen sie künftig die bis zu 34 Datensätze, die in den Computersystemen der Airlines gespeichert sind, gesondert anfragen.

Zur reibungslosen Umsetzung dieses Verfahrens müssen laut Frattini allerdings zunächst Filter in die Computersysteme eingebaut werden. Die neue Vorgehensweise, die einzelne Fluggesellschaften schon anwenden, soll noch vor Jahresende getestet werden.

Das jetzige Abkommen muss auf jeden Fall noch von den Regierungen der EU-Mitgliedstaaten gebilligt werden, bevor es in Kraft treten kann. Dieser Beschluss wird für kommende Woche erwartet.

Die neuen Regeln sollen vorläufig bis Juli 2007 gelten. Bis dahin wollen EU und USA ein vollständig neues Abkommen zur Weitergabe der Daten beschließen.

EU-Unterhändler Jonathan Faull forderte einen Austausch von Passagierdaten auch innerhalb Europas. Er sagte, die Zahl der übermittelten Daten ändere sich künftig nicht, außerdem hätten interessierte Behörden die Daten auch jetzt schon erhalten - nur die Übermittlung werde erleichtert. Faull schloss nicht aus, dass auch der US-Geheimdienst CIA die Angaben bekommt.

Die alten Regeln waren am vergangenen Sonntag ausgelaufen, nachdem der Europäische Gerichtshof sie aus formalen Gründen für ungültig erklärt hatte. Seitdem greifen US-Behörden zwar weiter auf die Daten der EU-Reisenden zu - allerdings in einer juristischen Grauzone. Seit 2004 übermitteln alle Fluggesellschaften bei Transatlantikflügen die 34 Datensätze zu jedem Passagier an die USA.

Strittig war jetzt in den Verhandlungen nicht die Art oder Anzahl der Daten, die weitergegeben werden - sondern die Frage, welche US-Behörden Zugriff erhalten und ob die Angaben gespeichert werden. Die US-Unterhändler beharrten darauf, die Daten künftig auch dem FBI zugänglich zu machen. In der EU war diese Weitergabe aus Datenschutzgründen heftig umstritten.

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) begrüßte die Einigung zwischen EU und USA. "Es bleibt bei einem hohen Datenschutz-Niveau", sagte sie heute am Rande des EU-Justizministertreffens in Luxemburg. "Deshalb habe ich keine Bedenken." Bei der Aushandlung des endgültigen Abkommens bis Juli müsse die EU aber noch "Fragen des Datenschutzes konkretisieren". So müsse etwa über die Frage verhandelt werden, wie lange die Daten der EU-Reisenden gespeichert werden könnten. Nach den bisherigen Regeln konnten die USA bis zu dreieinhalb Jahre lang auf die Daten zugreifen.

Deutlich kritischer äußerte sich der Innenexperte der SPD-Europaabgeordneten, Wolfgang Kreissl-Dörfler. Die EU habe die "Kröte" schlucken müssen, dass die Passagierdaten nun auch US-Sicherheitsbehörden wie dem FBI zur Verfügung gestellt würden. Er äußerte die Hoffnung, diesen Passus aus einem endgültigen Abkommen wieder streichen zu können.

har/AFP/AP/dpa

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 513 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
09.04.2011 von dr.épernay-boiler: Datenflut, Auswertbarkeit und Scheinsicherheit

Aufklärung wird beschleunigt - aber zu welchem Preis? Zumal mit den neuen Gesichtserkennungsalgorithmen wunderbar Bewegunsprofile von Bürgern erstellt werden können. An der Vorbeugungswirkung ändert sich - gerade bei schweren [...] mehr...

06.04.2011 von watnulos: Es gibt

weder Sicherheit noch Datenschutz in dieser korrupten Bananenrepublik !!! Oder wie kommen irgendwelche Werbepenner,Firmen,zwielichtige Gestalten u.s.w. an meine persönlichen Daten? Weil z.B. Behörden sowie andere Strolche [...] mehr...

05.04.2011 von gorlois2: Ich wollt nie zum Film.

Ich bin schon älter und gehe oft spazieren, auch nachts. Das Gefährlichste, das mir begegnete, war ein Mitbürger mit Migrationshintergrund, der klagte, er habe beim Zocken soeben 1000 Euro verloren. Ich hab ihn getröstet!Die [...] mehr...

15.01.2010 von Reformhaus: Orwell - Stasi - Google

Die Stasi hat Daten auf Vorrat gesammelt. Das macht Google auch, wovon diverse Staaten profitieren. mehr...

30.04.2007 von Kapnix:

Hoffentlich. Ich habe da so meine Zweifel. Habe irgendwo einmal gelesen dass das Abwasser auf Abbauprodukte von Drogen untersucht wird um den Drogenmissbrauch in dieser Firma auszuschließen. Könnte man ja ausweiten. Terroristen [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Reise
alles aus der Rubrik Aktuell

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP