• Drucken
  • Senden
  • Feedback
01.12.2006
 

Anti-Terror-Maßnahme

USA geben Flugpassagieren heimlich Risikonoten

Wer eine schlechte Note erhält, wird bei der Einreise gezielt überprüft: Die USA errechnen aus der Flut an angeforderten Daten das individuelle Sicherheitsrisiko von Flugpassagieren. Bisher ohne das Wissen der Reisenden und ohne die Möglichkeit der Betroffenen, sie einzusehen oder anzufechten.

Flughafen Los Angeles: Einreisende in die USA erhalten Risikonoten
Zur Großansicht
DPA

Flughafen Los Angeles: Einreisende in die USA erhalten Risikonoten

Washington - Bisher haben die US-Behörden Millionen von Flugpassagieren aus dem Ausland benotet. Dies ergaben Recherchen der Nachrichtenagentur AP zu dem System, das als "Automated Targeting System" (ATS) bezeichnet wird. Die Noten beruhen auf einer Vielzahl von gesammelten Daten wie Herkunftsort, frühere Reisen oder die Art der Ticketbezahlung. Ein Computerprogramm berechnet aus der gigantischen Flut an Informationen eine Note, die das Risiko eines terroristischen oder kriminellen Hintergrunds bewertet.

Die Daten werden anhand der Passagierlisten vor der Landung in den USA erhoben und geprüft. Airlines, die die USA anfliegen, müssen 34 Daten über ihre Fluggäste den dortigen Behörden übermitteln. Nach Angaben des Ministeriums für Heimatschutz (Homeland Security) treffen jährlich 87 Millionen Menschen auf dem Luftweg in den USA ein. Ihre Daten gehen in die ATS-Analyse ein, wie Jayson Ahern von der Zoll- und Grenzschutzbehörde des Heimatschutzministeriums bestätigte. Die Reisenden dürfen diese Noten weder einsehen noch anfechten, und die Daten sollen 40 Jahre lang aufbewahrt werden.

Das ATS-System erlaube es den Grenzbeamten, gezielt auf Reisende zu achten, die zuvor noch nicht als potentielle Terroristen oder Kriminelle aufgefallen seien, sagte Ahern gestern der Nachrichtenagentur AP in Washington. Diese könnten dann gezielt durchsucht und befragt werden. Das ATS-System ersetze nicht das Urteil der Beamten.

Die Existenz des vor vier Jahren eingeführten Programms war bisher öffentlich nicht bekannt. Einen ersten Hinweis gab es Anfang November im "Federal Register", einer Sammlung von Verordnungen und Bestimmungen des Bundes. Juristen, Kongressmitarbeiter und selbst Beamte der Exekutive gaben an, sie seien zunächst der Auffassung gewesen, dass es sich bei ATS nur um ein Kontrollsystem für das Frachtwesen handle.

Betroffene dürfen das Register nicht einsehen

Nachdem er über die tatsächliche Reichweite des Programms unterrichtet wurde, sagte der Anwalt der Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF), David Sobel: "Das ist gemessen an der Zahl der betroffenen Personen wahrscheinlich das am meisten in die Privatsphäre eingreifende System, das die Regierung eingerichtet hat." Bill Anthony von der Zoll- und Grenzschutzbehörde gab an, dass täglich etwa 45 kriminellen Ausländern die Einreise verweigert werde. In welchem Umfang Erkenntnisse aus dem ATS-System dazu beitragen, konnte er nicht sagen.

Nach der Erklärung der Regierung zu ATS im "Federal Register" können die Daten an einzelne US-Staaten, an Gemeindeverwaltungen und auch an ausländische Stellen weitergegeben werden. "Alle können es einsehen, nur die Betroffenen nicht", sagte der auf Einwanderungsrecht spezialisierte Dozent an der Cornell Law School, Stephen Yale-Loehr.

Von Michael Sniffen, AP

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 89 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
06.12.2006 von Ist_Doch_Egal:

Die Daten, die für einen einzelnen Flug übermittelt werden, sind nicht weiter erwähnenswert, da bin ich völlig bei Ihnen. Und wenn ich nur diesen einen Flug lokal anhand verschiedener Kriterien auswerte, dann kann das auch ein [...] mehr...

06.12.2006 von Ist_Doch_Egal:

Sie stellen ja eine Menge Vermutungen über Ihre Diskussionspartner an und das noch ziemlich unhöflich dazu. Um es kurz zu machen. SIE haben Recht. mehr...

06.12.2006 von Alex H.M.:

Absolut korrekt. Das einzige was wirklich aufwendig(er) ist, ist ggf. das zentrale Vorhalten von Daten und - je nach Komplexität des Modells, dessen Aktualisierung und die Crossvalidation. Die Auswertung kriegt - wie Sie sagen - [...] mehr...

05.12.2006 von zurück auf den Teppich:

Da sieht man mal was Verblendung so aus Menschen machen kann. Auch weit nach 1945 noch scheint nicht wirklich jeder ohne Schimäre auskommen zu können - streiche X, setze Y, und ab die Post. Ansonsten hat Dominik Menakker Ihnen [...] mehr...

05.12.2006 von zurück auf den Teppich:

Klar doch, nur bei Leuten wie Ihnen, für die andere (oder besser gleich abweichlerische?) Meinungen nur Ausdruck von Unzulänglichkeit sein können, fühle ich mich richtig wohl. Bei Adi gelernt oder bei Walter, Erich und CIE? [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Reise
alles aus der Rubrik Aktuell

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP