Hamburg - Starke Schneefälle haben in ganz Süddeutschland, aber auch in Frankreich und Österreich für Verkehrschaos gesorgt. In Stuttgart sitzen seit gestern Abend rund 1000 Fluggäste fest: Seit 22 Uhr konnte am Echterdinger Flughafen kein Flugzeug mehr landen oder starten. Die Passagiere konnten ihre Reisen deswegen nicht antreten oder fortsetzen. Sie wurden teils in Hotels untergebracht, teils vor Ort in den Terminals von Feuerwehr und Deutschem Roten Kreuz versorgt. Auch heute Morgen fielen wegen starken Schneefalls rund 70 Flüge aus, die einzige Start- und Landebahn musste immer wieder gesperrt werden. Inzwischen ist die Bahn laut Angaben der Flughafen-Geschäftsführung geräumt. Allerdings wird den ganzen Tag über mit Verspätungen gerechnet, da alle Maschinen enteist werden müssen.
Auch am Flughafen München wurden bis zum Morgen 25 Starts und Landungen abgesagt, 35 weitere Flüge hatten Verspätungen von mehr als einer halben Stunde. "Wir haben alle Hände voll zu tun", sagte eine Sprecherin.
Schnee und Glatteis führten in der Nacht und heute Vormittag auf den Straßen in Baden-Württemberg und Bayern zu kilometerlangen Staus und zahlreichen Unfällen. Drei Menschen kamen nach Polizeiangaben ums Leben, Dutzende wurden verletzt. In den meisten Fällen blieb es aber bei Blechschäden. Allein in Baden-Württemberg ereigneten sich bis 10 Uhr heute Morgen über 800 Unfälle. Der entstandene Sachschaden beträgt nach Schätzungen der Polizei über drei Millionen Euro.
Teile der Autobahnen 8, 9 und 81 waren zeitweise gesperrt. Wegen des starken Schneefalls im Südwesten ordneten die Regierungspräsidien in Karlsruhe und Stuttgart heute Mittag auf den Autobahnen ein Fahrverbot für alle Lkw über 7,5 Tonnen an. Zahlreiche Autobahnauffahrten seien für Lastwagen gesperrt worden, teilte das baden-württembergische Innenministerium in Stuttgart mit. Die Autobahn 8 zwischen Karlsruhe und Heimsheim ist sogar für den gesamten Verkehr gesperrt, um sie schneller räumen zu können.
Den längsten Stau gab es nach Polizeiangaben auf der A 96 Lindau-München: Fast auf der kompletten Strecke zwischen Landsberg und der Landeshauptstadt kam der Berufsverkehr auf 50 Kilometern Länge am Morgen wegen dichten Schneefalls zum Erliegen. "Mit einem Wort: Die Lage ist chaotisch", sagte ein Sprecher der Verkehrsmeldestelle der bayerischen Polizei.
Viele Autofahrer waren zu schnell unterwegs
Auf den Autobahnen 8 und 81 kam es wegen Schneefalls zu mehreren Unfällen. Allein in Stuttgart wurden in der Nacht über 30 wetterbedingte Unfälle gemeldet, in ganz Baden-Württemberg waren es 460. Im Landkreis Karlsruhe hatten sich mehrere Lastwagen auf schneeglatten Straßen festgefahren und mussten freigeschleppt werden, teilte das Technische Hilfswerk mit. Außerdem waren die Helfer damit beschäftigt, in den Graben gerutschte Autos wieder auf die Straßen zu ziehen.
Auf der Autobahn 5 verlor ein Lastwagenfahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug. Dabei kippte das Gespann um und klemmte den Mann im Führerhaus ein. Er erlitt schwere Verletzungen. Wegen des Schneefalls kamen die Rettungskräfte nach Angaben der Feuerwehr Karlsruhe nur langsam an den Unfallort. In Baden-Württemberg verlor ein Lastwagenfahrer bereits gestern Abend bei Glatteis auf der Bundesstraße 297 bei Wäschenbeuren im Kreis Göppingen die Kontrolle über seinen Wagen. Sein Anhänger rutschte in den Gegenverkehr. Ein Busfahrer raste mit seinem leeren Reisebus in den Anhänger und verletzte sich dabei so schwer, dass er noch am Unfallort starb.
Auf der A8 bei Irschenberg verunglückte ein Autotransporter und verlor acht Pkw. In Franken und der Oberpfalz zählte die Polizei bis heute Vormittag mehr als 200 Verkehrsunfälle, Dutzende Menschen wurden leicht verletzt. Auch aus Oberbayern wurden bis zum Vormittag fast hundert Unfälle gemeldet. Auf der A9 bei Manching raste ein Lastwagenfahrer mit seinem Wagen in die Mittelleitplanke. Dabei wurde der Fahrer aus dem Lastwagen geschleudert. Er erlitt so schwere Verletzungen, dass er noch am Unfallort starb. In Prien am Chiemsee wurde ein Fußgänger von einem Auto erfasst und schwer verletzt.
Weitere Schneefälle angekündigt
In den Landkreisen Freising und Erding kam es auf den Autobahnen 9 und 92 binnen weniger Stunden zu mindestens neun Unfällen. Menschen wurden dort nicht verletzt, es blieb bei Blechschäden. Unfallursache sei in den meisten Fällen überhöhte Geschwindigkeit gewesen, teilte die Polizei mit.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) kündigte heute weitere starke Schneefälle auch in Sachsen und Thüringen an. Im Erzgebirge und in der Lausitz könne sich innerhalb von zwölf Stunden eine Schneedecke von 15 Zentimetern und mehr bilden, sagte ein DWD-Sprecher in Leipzig. In der Nacht zu morgen werden die Niederschläge nach Angaben der Meteorologen allmählich nachlassen. Da Temperaturen bis zu minus sieben Grad und im Bergland bis zu minus zehn Grad erwartet werden, müsse aber mit anhaltender Glätte gerechnet werden.
Massive Stromausfälle in Frankreich
Auch in weiten Teilen Ost- und Mittelfrankreichs ließen die ersten kräftigen Schneefälle des Jahres den Verkehr auf den Straßen zusammenbrechen und führten zu Stromausfällen. Der nationale Wetterdienst Météo France sagte bis heute Vormittag für 30 Départements Schneefall voraus.
Im Burgund war die Autobahn A6 auf 140 Kilometern zwischen Beaune und Auxerre unpassierbar, Tausende Autofahrer wurden eingeschneit. Polizisten halfen dabei, 2000 Autofahrer zu befreien, die Präfektur verteilte Lebensmittel. In Lothringen wurde die Autobahn A33 nach Lastwagen-Unfällen gesperrt. Auch im Zentralmassiv und am Oberlauf der Loire waren viele Straßen unpassierbar, die Lkw stauten sich.
Auch die Stromversorgung wurde von den Schneefällen und dem Frost in Mitleidenschaft gezogen. In Frankreich rissen Überlandleitungen unter der Last von immer mehr Eis und herabstürzenden Äste. Gestern Abend waren Medienberichten zufolge 120.000 französische Haushalte ohne Elektrizität, alleine im mittelfranzösischen Limousin fiel für 75.000 Haushalte der Strom aus. Die Reparaturen werden mehrere Tage dauern, erklärte der Versorger EDF.
Die Pisten öffnen
Auch im österreichischen Bundeslandes Kärnten führten stundenlange heftige Schneefälle gestern Abend und in der Nacht zu chaotischen Zuständen. Wegen der Schneemassen mussten zahlreiche Straßen gesperrt werden. Zwei Teilstücke der Autobahn A19 zwischen Villach und der italienischen Grenze mussten geschlossen werden. Im Drautal waren heute Morgen noch 12.000 Haushalte ohne Strom, nachdem zahlreiche Bäume unter der Schneelast zusammengebrochen und auf Strommasten gestürzt waren, meldete der ORF-Rundfunk. In einigen Gebieten Österreichs fiel innerhalb von 24 Stunden bis zu einem Meter Neuschnee.
Auch Tschechien hatte in der Nacht mit Schneemassen zu kämpfen. Der Flughafen Prag-Ruzyne wurde zeitweise gesperrt.
Doch der Wintereinbruch hat auch seine positiven Seiten: In den Vogesen und in den Alpen freuten sich viele Wintersportler über die weiße Pracht. Auch in Mitteldeutschland werden bislang wegen Schneemangels geschlossene Skipisten nun für eine Öffnung vorbereitet.
har/AP/dpa/ddp
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