London/Brüssel/Düsseldorf - Wochenlang haben viel zu milde Temperaturen das Wetter in Westeuropa bestimmt, nur in Süddeutschland und den Alpen gab es bislang größere Schneefälle. Jetzt hat ein plötzlicher Wintereinbruch das öffentliche Leben in Teilen Großbritanniens, Belgiens und der Niederlande sowie Nordrhein-Westfalens lahm gelegt. Es kam zu zahlreichen Verspätungen im Luft-, Bahn- und Autoverkehr. Selbst im Londoner Stadtgebiet lagen fünf Zentimeter Schnee, die Flughäfen City, Gatwick, Luton und Stansted mussten für mehrere Stunden ihre Start- und Landebahnen sperren. Auch mehrere Schulen blieben in Großbritannien geschlossen.
Belgien wurde am Morgen vom ersten Schnee in diesem Winter überrascht. Die Hauptstadt Brüssel war von einer zehn Zentimeter dicken Schicht bedeckt, auf dem Flughafen der Hauptstadt kam es zu Verspätungen. Auch in den Niederlanden herrschte ein Verkehrschaos.
In Nordrhein-Westfalen führten heftige Schneefälle heute zu weit über 300 Verkehrsunfällen, die zwei Tote und zahlreiche Verletzte forderten. Die Autobahn A2 Hannover-Dortmund musste bei Oelde für mehr als eine Stunde wegen überfrierender Nässe gesperrt werden.
Im Raum Detmold geriet nach Angaben des Düsseldorfer Innenministeriums ein junger Mann wegen zu schneller Geschwindigkeit und Glätte auf die Gegenfahrbahn und prallte frontal in einen Sattelzug. Er war auf der Stelle tot. Im Raum Gütersloh starb eine junge Frau bei einem Zusammenstoß mit einem entgegenkommenden Wagen. Auch dieser Unfall sei auf den plötzlichen Schneefall und die schlechte Sicht zurückzuführen, berichtete das Ministerium.
In Mettmann wurden ein 20-jähriger Autofahrer und sein 23-jähriger Beifahrer schwer verletzt, als sie auf schneeglatter Straße ins Rutschen kamen und gegen einen Lastwagen prallten. Ein weiterer schwerer Unfall ereignete sich auf der Autobahn A 4 bei Untereschbach, wo ein Kurierfahrer im starken Schneetreiben von der Fahrbahn abkam und aus seinem Wagen geschleudert wurde. Er musste mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht werden. Nach den ersten Ermittlungen der Polizei war der junge Mann ohne Sicherheitsgurt gefahren, weil seine Scheibenwischer nicht mehr funktionierten und er nur so durch ein kleines Sichtloch in der verschneiten Frontscheibe die Straße sehen konnte.
Kilometerlange Staus in Belgien
In Großbritannien traf der Wintereinbruch viele Menschen unvorbereitet. Nachdem im südwestenglischen Exeter vor drei Wochen noch frühlingshafte Temperaturen von mehr als 15 Grad Celsius gemessen worden waren - der wärmste Januar seit 1921 - wurde die Region nun über Nacht in eine Winterlandschaft verwandelt. Zehn bis 15 Zentimeter Schnee lagen im Süden und im Zentrum Englands sowie in Wales. Außer in London wurde der Flugverkehr auch in den westenglischen Städten Bristol und Birmingham sowie im südwalisischen Cardiff wegen hoher Schneedecken unterbrochen.
Die Schneefälle führten zudem während des Berufsverkehrs zu Staus sowie zu Störungen des Londoner U-Bahn-Verkehrs. Auch mehrere Zugverbindungen waren betroffen. Ein Meteorologe des Wetterdienstes MeteoGroup UK sprach von "dem umfassendsten Schnee-Ereignis dieses Winters". Die winterliche Wetterfront sollte den Vorhersagen zufolge nordwestwärts Richtung Manchester und Liverpool ziehen und dort wahrscheinlich gefrierenden Nebel und Glatteis bringen.
In Belgien verursachte der Wintereinbruch kilometerlange Staus: Insgesamt wurden 350 Kilometer Stau auf den Richtung Brüssel führenden Hauptachsen gemessen. Die Züge im belgischen Schienennetz fuhren nach Angaben eines Sprechers der Bahngesellschaft planmäßig, der Hochgeschwindigkeitszug Thalys verspätete sich allerdings auf der Strecke von Paris nach Brüssel um bis zu 30 Minuten. Grund war offenbar das Chaos in Südbelgien: Auf den Höhenlagen der Ardennen lagen 20 Zentimeter Schnee, Dutzende Lastwagen hatten Mühe voranzukommen.
In den Niederlanden kam es ebenfalls zu einem Verkehrschaos. Fast alle Start- und Landebahnen des Flughafens Amsterdam-Schiphol wurden gesperrt, lediglich zwei blieben geöffnet. Anstatt der üblichen 60 bis 70 Landungen pro Stunde wurden nur 30 zugelassen. Die Bahngesellschaft sperrte vorsichtshalber zahlreiche Zugverbindungen in der am dichtesten besiedelten Region des Landes, wo Amsterdam, Den Haag, Rotterdam und Utrecht liegen.
har/AFP/AP
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