Ausgerechnet am Geburtstag des Königs, am 5. Dezember 2006, machte sich Oliver Jufer über Plakate mit dem Konterfei von Rama IX., genannt König Bhumibol, her: Er übersprühte die Porträts mit schwarzer Farbe. In Thailand, dem gepriesenen Land des Lächelns, ist das eine Straftat, die unnachgiebig verfolgt wird. Jetzt hat sich der 57-jährige Schweizer, der in Chiang Mai im Norden des Landes, verhaftet worden war, in fünf Fällen der Tat schuldig bekannt, berichtet der britische Nachrichtensender BBC. Das Urteil wird bis Ende des Monats erwartet.
Der Mann, der laut BBC schon zehn Jahre in Thailand lebt, sei bei der Sprayaktion betrunken gewesen, geben Polizeiberichte an. Seine Taten waren von Kameras gegenüber der Plakate aufgezeichnet worden. Die Strafe für Majestätsbeleidigung liegt bei 15 Jahren Haft, für die fünf Verstöße könnten ihm somit insgesamt 75 Jahre Gefängnis drohen. Jufers Anwalt sagte, die Minimalstrafe für seinen Mandanten liege bei 7,5 Jahren. Schon einige Ausländer wurden in der Vergangenheit wegen Beleidigung des Königs verurteilt, den meisten wurde jedoch erlaubt, das Land zu verlassen.
In ganz Thailand sind an vielen Straßen und in Dörfern überlebensgroße Bilder des Königs zu sehen, von denen die meisten mit Blumen geschmückt sind. Die harschen Gesetze gegen Majestätsbeleidigung schützen den König und seine Angehörigen vor jeder Kritik und verhindern gleichzeitig die Diskussion der Monarchie überhaupt. Wie ein BBC-Reporter berichtete, hat der Richter im Fall Jufer versucht, die Medien zum Verlassen des Raumes zu bewegen: "Wir wollen nicht, dass die Thailänder etwas über diesen Prozess erfahren." Nur eine Zeitung in Thailand hat bisher über das Verfahren berichtet.
König Bhumibol, der im Dezember 80 Jahre alt wird, herrscht seit mehr als 60 Jahren und ist damit das am längsten noch amtierende Staatsoberhaupt der Welt. Er selber hat laut BBC kürzlich in einer Rede das Gesetz in Frage gestellt: "Ich fürchte nicht, kritisiert zu werden, denn dann erfahre ich es. Wenn man sagt, dass man den König nicht kritisieren darf, dann heißt das, dass der König nicht menschlich ist."
abl
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