Von Stephan Orth
Sie wollen Ihren Kindern etwas Lehrreiches bieten in den Schulferien? Ich empfehle nackte Deutsche in einem Kurhotel. Die waren ein unerwarteter Teil der Szenerie in den österreichischen Alpen während eines Familienurlaubs mit meinen Jungs.
Wir saßen also in diesem Spa, zwischen den Dämpfen des Heisswasser-Beckens, schlapp wie gekochte Spaghetti nach einem langen Tag. In unserer Familie essen und trinken wir zusammen und fahren gemeinsam Ski, aber das bedeutet nicht, dass wir uns vor den anderen nackt zeigen. Wir sind eben Nordamerikaner, deshalb trugen wir unsere Badesachen.
Da kam eine deutsche Frau herein, sie musste über siebzig sein. Zunächst nahm niemand von uns Notiz von ihr. Sie lief zum Becken, versuchte elegant hinein zu gleiten und bedeckte sich dabei mit einem Handtuch. Doch die ausgetüftelte Choreographie ging daneben. Sie ließ versehentlich das Handtuch fallen und stand nackt und ein wenig verdutzt vor uns. Sie lächelte. Meine Kinder schauten überrascht zu ihr und blickten dann schnell zur Seite. Der Rest von uns lächelte zurück, ganz so, als würden wir eine Einladung zum Tee annehmen.
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