Von Stephan Orth
Die Trambahnen sind sauber, schnell und effizient. Eine weiche, unheimlich klingende Stimme, die an den Computer "Hal" im Film "2001 – Odyssee im Weltraum" erinnert, kündigt jede Station an: "Nächste Haltestelle: Hygienemuseum".
In Dresden sind die Leute so umweltbewusst, dass sie sogar Ihren Abfall untersuchen. An einem Abend klopfte es an der Tür, meine Gastgeberin öffnete, und da stand der Hausmeister, ein schlanker Mann im blauen Overall, mit einem Gesichtsausdruck, als hätte er gerade in eine Nougatpraline gebissen und dabei zu spät realisiert, dass er Schafkot im Mund hatte. Er schwenkte eine Flasche.
"Frau, Frau", sagt er und wedelte mit der Flasche vor ihrem Gesicht herum. "Was bilden Sie sich ein? Sie haben das hier in den falschen Mülleimer getan! In den Papiercontainer!"
Die nächste Nacht verbrachte ich schlaflos und wartete darauf, dass die Müll-Staatspolizei die Tür einschlägt, uns in irgendwelche Keller verschleppt, und uns dort – mit Gummiknüppeln aus Recycling-Material in der Hand – ins Verhör nimmt.
Auf den Bahnsteigen der Deutschen Bahn sind die Mülleimer in vier Container aufgeteilt: Verpackung, Papier, Glas und Restmüll. Mit dem Papier von meinem Eishörnchen stehe ich da und frage mich, ob das Papier oder Restmüll ist. Ich will doch nur das verdammte Ding wegschmeißen. Stattdessen sehe ich mich einer weiteren von Panik geprägten Entscheidung in einer missbilligenden Stadt gegenüber. Sollte ich das Papier in die falsche Öffnung werfen, habe ich den Verdachte, dass ein ohrenbetäubender Alarm den Bahnhof "Neubahnhof" zum totalen Stillstand bringt und die Geheime Müllpolizei in recycelten Kevlar-Westen den Bahnsteig stürmt. Die zerren mich zum Verhör zum Rathaus und deportieren mich dann möglicherweise nach Polen.
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