• Drucken
  • Senden
  • Feedback
08.04.2007
 

5265 Kilometer in 65 Tagen

Amazonas-Schwimmer nach Weltrekord in kritischem Zustand

Er hat es geschafft - und dabei seinen Körper an die Grenzen dessen gebracht, was man ertragen kann. Der 52-jährige Martin Strel schwamm als erster Mensch den gesamten Amazonas hinab. Doch nachdem er die letzte Etappe bewältigt hatte, bangten Ärzte um sein Leben.

Rio de Janeiro – Insgesamt 65 Tage lang kämpfte Langstreckenschwimmer Martin Strel sich durch den riesigen Strom. Mehr als zwei Monate lang legte der Marathonschwimmer jeden Tag durchschnittlich 80 Kilometer zurück. Trotz Übelkeit, Schwindel und Durchfallerkrankungen setzte der Extremsportler seine Reise immer weiter fort – mehr als einmal war er kurz vorm Scheitern.

Am Sonntag dann die letzte Etappe: Trotz Warnungen seiner Ärzte ging er ins Wasser, um die letzten Kilometer zu schwimmen. Dabei hatte er schon am Freitag kaum noch stehen können, musste aus dem Wasser gezogen werden. Er zog es durch - und kam in seiner letzten Station Belém an, wo ihn rund tausend Schaulustige erwarteten. Wieder mussten Helfer den völlig erschöpften Schwimmer aus dem Wasser ziehen. Die Ärzte befürchteten einen Herzinfarkt. Sanitäter und Mediziner kümmerten sich sofort um ihn. Sie hätten "gekämpft, um Martin zu stabilisieren", stand auf seiner Internet-Seite.

Schwimmer Strel nach Rekord: Ärzte mussten ihn stabilisieren
REUTERS

Schwimmer Strel nach Rekord: Ärzte mussten ihn stabilisieren

Gestartet war Martin Strel am 1. Februar am Oberlauf des Amazonas in Peru. Mit seiner Ankunft in der brasilianischen Stadt Belém, etwa 2440 Kilometer nördlich von Rio de Janeiro, brach er nach Angaben seines Teams bereits zum vierten Mal den Weltrekord im Distanzschwimmen: Im Jahr 2000 hatte er rund 3000 Kilometer auf der Donau zurückgelegt, 2001 fast 3800 Kilometer auf dem Mississippi sowie 2004 mehr als 4000 Kilometer auf dem Jangtse in China. Für die Reise hatte er zwei Jahre lang trainiert und 20 Kilo zugenommen. Angeblich nimmt der Marathonschwimmer bei seinen Touren immer eine Ladung slowenischen Weins mit - um sich bei Laune zu halten, trinke er eine Flasche am Tag.

Diesmal war seine Leistungsgrenze jedoch trotz des Treibstoffs offenbar erreicht. "Er war am absoluten Nullpunkt", sagte sein Sohn und Projektkoordinator Borut Strel. Wegen seines hohen Blutdrucks und zahlreicher Erkrankungen riet ihm sein Arzt mehrmals vom Weiterschwimmen ab. Strel stieg trotzdem zurück ins Wasser, um über Nacht das letzte Stück des nach dem Nil zweitlängsten Flusses der Welt hinter sich zu bringen. "Der Endspurt war der bislang härteste Moment", sagte Strel etwa 100 Kilometer vor der Ziellinie. "Ich bin immer weniger Kilometer geschwommen, je näher ich dem Ende komme." Weil die Wellen aus dem Ozean gegen die Flussströmung pressten, sei er manchmal sogar rückwärts gedrängt worden.

Innerhalb von neun Wochen verlor der Marathonschwimmer rund zwölf Kilogramm Gewicht. Zeitweise habe er solche Schmerzen gehabt, dass er nicht einmal allein aus dem Wasser steigen konnte, erzählte er. "Einmal mussten sie mich ins Krankenhaus bringen, um mein Herz zu untersuchen - aber alles war okay." Krämpfe, Infektionen, chronische Schlaflosigkeit - Strel machte weiter.

Neben Piranhas, Haien und Alligatoren drohten dem Extremsportler auch Parasiten wie der unscheinbare Süßwasserfisch Candirú. Die 2,5 Zentimeter große Welsart kann beim Menschen in Körperöffnungen eindringen, hakt sich im Körperinneren fest und ernährt sich vom Blut und Gewebe der befallenen Person.

Strel trug einen Schwimmanzug und hatte Glück. "Ich glaube, die Tiere haben mich einfach akzeptiert", erzählt er. "Ich bin so lange Zeit mit ihnen geschwommen, dass die denken müssen, ich sei jetzt einer von ihnen." Einen weiteren Rekord will er aber nicht aufstellen. "Den Nil werde ich nicht machen", sagte Strel. "Das ist nur ein kleines Flüsschen. Der Amazonas ist sehr viel mächtiger."

Peter Muello/AP, mit Material von Reuters

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Reise
alles aus der Rubrik Aktuell

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP