Von Stephan Orth
Hamburg - Im Tetrisspiel der perfekten Raumausnutzung im Flugzeuginnenraum stellt eine britische Firma ein neues Konzept vor. Ihre Sitzgruppe funktioniert nach dem Yin-und-Yang-Prinzip – wenn nebeneinandersitzende Fluggäste in entgegengesetzte Richtungen blicken, verbrauchen sie weniger Platz als herkömmliche Sitzreihen im Flugzeug.
Fünf Zentimeter werden so zwischen zwei Sitzen eingespart. "Wir können in einer Boeing 777 damit 21 zusätzliche Sitzplätze unterbringen", sagt Ben Bettell, Business Development Director der britischen Premium Aircraft Interiors Group (PAIG), zu SPIEGEL ONLINE. In einem Airbus A380 seien es sogar 50 Sitzplätze.
Das Prinzip, das die Firma auf der Fachmesse Aircraft Interiors Expo 2007 in Hamburg vorstellte, ist an sich nicht neu – in der Business Class vieler Fluglinien sind bereits einige Sitze oder Schlafsessel rückwärts ausgerichtet, um den vorhandenen Platz optimal auszunutzen. Auch in Militärflugzeugen sind solche Konzepte keine Seltenheit. In der Economy Class von Passagiermaschinen dagegen sitzen Fluggäste bislang immer Schulter an Schulter – und liefern sich oft schweigende Kämpfe um den knappen Platz auf der Armlehne.
Keine Berührungsängste zum Nachbarn
Damit soll es vorbei sein, wenn sich die Schultern des einen Passagiers neben den Knien seines Nachbarn befinden. Beim Probesitzen zeigt sich, dass tatsächlich beide Nachbarn Platz für ihre Arme auf der Lehne haben. Ohne Berührung geht das jedoch auch nicht – so ausufernd, wie der Projektname "Freedom" vorgaukelt, ist die Bewegungsfreiheit nicht. Würde man die Zahl der Sitze in der Kabine beibehalten, könnten aber immerhin im Vergleich zu Economy-Class-Standards zehn Zentimeter zusätzlicher Platz für die Beine gewonnen werden.
Nun wird manchem schon in Zug oder U-Bahn schlecht, wenn er mit dem Rücken zur Fahrtrichtung sitzt – wie soll das erst im Flugzeug werden, zumal auf einem Langstreckenflug von bis zu 15 Stunden? "In 8000 Meter Höhe merkt man überhaupt nicht, in welche Richtung man fliegt", sagt Bettell. Der einzige Unterschied sei bei Start und Landung zu spüren – doch auch hier versuchen die Tüftler, die Unannehmlichkeiten in Grenzen zu halten: "Beim Start gleicht der Rückwärts-Sitz die Neigung des Fliegers aus, indem er sich vorne anhebt."
Boeing und Airbus haben das Design bereits geprüft und für realisierbar befunden – jetzt laufen Verhandlungen mit zahlreichen Fluglinien. Am Ende hängt es von der Akzeptanz der Passagiere ab, ob das neue Kabinenlayout ein Erfolg wird – viele halten möglicherweise gerne am traditionellen Aufbau fest, und manche könnten es als störend empfinden, im Blickfeld eines Gegenübers zu sitzen.
Laut einem Bericht der britischen "Times" ist ein um 180 Grad gedrehter Flugzeugsitz sogar sicherer – etwa im Fall einer Crashlandung, wo das Polster den Aufprall dämpft. "Dazu haben wir keine Daten", sagt Bettell. "Wenn ich Ihnen das bestätige, hätten ja auf einen Schlag sämtliche Airlines ein riesiges Problem, weil Passagiere nur noch rückwärts fliegen möchten."
Auf anderen Social Networks posten:
Offensichtlich verzögern die gegenseitig angeordneten Sitze einen Evakuierungsvorgang. Ich kann mir vorstellen, dass wieder einmal tunnelblickenende Extremsparer vergessen haben, dass ein Flugzeug in 90sek evakuiert sein muss,um [...] mehr...
Ja? Nö. Ich zahle gern ein paar Euronen mehr, wenns dsann etwas bequemer ist. Ob diese Sitzanordnung bequem oder störend ist, weiss ich nicht. Ich empfinde es jedenfalls als störend, wenn jemand innerhalb meiner privaten 50cm [...] mehr...
Ich finde die Idee toll, denn alles was fliegen billiger macht (wie z.B. die Flugkosten durch mehr Passagiere teilen) ist in meinem Sinne. Stellen Sie sich mal einen A380 komplett mit dieser Economy Bestuhlung vor - welch [...] mehr...
"Vorwärts immer, rückwärts nimmer!" :-) :-) mehr...
immer! rückwärts wegen zu unbequem sitzen! richtig schön fände ich es aber erst, wenn man dann noch die fenster wegen zu trocken öffnet, die düsen wegen zu laut ausknippst, zwischendurch ein, zwei parabelflüge wegen zu viel [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Reise | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Aktuell | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH