Hamburg - Die Wahl der Steinstadt Petra unter die "sieben neuen Weltwunder" lässt die Jordanier auf mehr Touristen hoffen. "Vorher kannten schon einige Leute Petra, aber jetzt kennen sie alle", freute sich Taxifahrer Bassam Kabbalani, der mit seinen Landsleuten die Wahl Petras mit Tanz und Feuerwerk in der Hauptstadt Amman bis in die Morgenstunden feierte. "Das katapultiert Petra unter die Top-Touristenziele der Welt."
Ladenbesitzer Farouk Tanhammi ist sich sicher: "Es werden noch mehr Touristen nach Jordanien kommen. Das ist genau, was unsere Wirtschaft braucht." Im Gegensatz zu anderen Staaten in der Region verfügt Jordanien nicht über reiche Ölvorkommen und ist wirtschaftlich auf die USA und andere arabische Staaten angewiesen. Private und öffentliche Unterstützer hatten mit einer Werbekampagne in Zeitungen, TV, Radio und auf Mobiltelefonen Wähler mobilisiert.
An der Telefon- und Online-Abstimmung "New 7 Wonders of the World", die der Schweizer Bernard Weber ins Leben gerufen hatte, nahmen insgesamt etwa 70 Millionen Menschen teil. Die Unesco hatte die private Kampagne kritisiert, da sie ohne wissenschaftliche Kriterien handele und zudem nur die Meinung von Menschen mit Zugang zu Kommunikationsmedien widerspiegle.
Neben der Felsstadt Petra mit ihren monumentalen Fassaden wurden unter die sieben bemerkenswertesten Bauwerken der Menschheit gewählt: Die Chinesische Mauer, die Erlöser-Statue Christi in Rio de Janeiro, die Inka-Ruinenstadt Machu Picchu in Peru, die Ruinenstätte Chichén Itzá auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán, das Kolosseum in Rom und der Taj-Mahal in Indien. Der einzige deutsche Teilnehmer unter den letzten 20, das Schloss Neuschwanstein, schied vorher aus.
Zeit, sich um den Erhalt der Mauer zu kümmern
Während sich die Jordanier freuen, sind die Chinesen unschlüssig, was sie von dem Wahlergebnis halten sollen. Auf der einen Seite sind sie stolz, dass ihre Große Mauer eines der "sieben neuen Weltwunder" geworden ist. Auf der anderen Seite fürchten einige, dass der Tourismus die bröckelnde Befestigungsanlage weiter zerstören könnte.
"Die Große Mauer ist durch die vielen Besucher schon ernsthaft beschädigt worden", sagte Wang Xiaoyu, der die Mauer in Badaling aus dem nahen Peking besuchte. "Ich wundere mich, dass sie noch als eines der Weltwunder bezeichnet werden kann." In den von Touristen viel besuchten Regionen wie Badaling sind weite Teile der Mauer mit Schmierereien übersät. Zusätzlich wuchern Hotels, Restaurants und Ticketshops rund um die Attraktion und vielerorts stapelt sich der Müll. Eine chinesische Zeitung schrieb gestern: "Jetzt ist es Zeit, sich wieder um den Erhalt der Mauer zu kümmern, damit sie ein Wunder bleibt."
Wu Shaoyun, ein Besucher der Mauer aus der Jiangxi-Provinz, hofft, dass sie nun noch mehr Geld einbringt: "Jetzt wird die Große Mauer noch mehr Menschen anziehen während der Olympischen Spiele in Peking, und das wird dem Land noch mehr Einnahmen bringen."
Deutschland ohne diplomatische Vertretung
In Griechenland scheint man dagegen gar nicht begeistert zu sein, dass sich keines der eigenen antiken Bauwerke durchsetzen konnte. Kulturminister Georgios Voulgarakis machte sich über die Abstimmung lustig und sagte gestern: "Baudenkmäler müssen nicht über einen Laufsteg marschieren wie bei einem Schönheitswettbewerb." Die Akropolis in der Hauptstadt Athen war unter den Finalisten, gehörte aber nicht zu den sieben Gewinnern, die am Samstagabend während einer Zeremonie in Lissabon bekannt gegeben worden waren. Die Wahl per Internet habe nichts mit dem tatsächlichen Wert der Denkmäler zu tun, sagte Voulgarakis.
Währenddessen zeigte sich Organisator Weber enttäuscht von der deutschen Bundesregierung. Außenminister Frank-Walter Steinmeier habe die Verkündung der "neuen sieben Weltwunder" durch seine Abwesenheit sogar in Gefahr gebracht, sagte Weber gestern der Onlineausgabe des Magazins "Vanity Fair". Als der Protokollführer die Liste der Länder und deren diplomatischer Vertretungen durchgegangen und für Deutschland niemand da gewesen sei, "wollte er die ganze Veranstaltung abblasen". Noch nicht einmal der deutsche Botschafter in Lissabon sei anwesend gewesen. Alle teilnehmenden Länder schickten den Angaben zufolge eine diplomatische Vertretung, nur die deutsche Regierung nicht.
Nach der Wahl der "New 7 Wonders of the World" werden unter dem Motto "New 7 Wonders of Nature" nun die sieben atemberaubendsten Naturstätten gesucht – sie dürfen nicht von Menschenhand geschaffen oder verändert worden sein. Bis zum 8. August 2008 können Vorschläge für die Endauswahl eingereicht werden.
tno/Reuters/AP/ddp
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