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20.09.2007
 

Lonely Planet für Afghanistan

"Das ist kein Abenteuerspielplatz"

Von Stephan Orth

Ungewöhnlicher Neuzugang im Lonely-Planet-Spektrum: Erstmals seit den siebziger Jahren bringt der Verlag wieder einen Führer für Afghanistan heraus. Eine Backpacker-Bibel fürs Krisengebiet? Autor Paul Clammer will nicht missverstanden werden – er warnt vor Individualreisen.

Auf den ersten Blick sind kaum Unterschiede zu anderen Lonely-Planet-Reiseführern auszumachen. Am Kapitelanfang werden immer die "Highlights" einer Region beschrieben, es gibt die "Roads less travelled"-Reiseroutenempfehlung ebenso wie die üblichen Tipps zu "Sleeping" und "Eating". Doch der Zielort ist in diesem Fall etwas außergewöhnlich: Erstmals seit den Hippie-Trail-Zeiten der siebziger Jahre erschien jetzt wieder ein eigener Lonely-Planet-Band über Afghanistan auf Englisch.

"Es ist keiner der Reiseführer, die man noch kurz mitnimmt, bevor man ins Flugzeug steigt", sagt Autor Paul Clammer, der auch die Reise-Website "Kabul Caravan" betreibt. "Ein solches Buch kann nur ein Anfangspunkt der Informationssuche sein." Deshalb sind zahlreiche Links und Kontaktadressen aufgeführt, wo man aktuelle Sicherheitshinweise bekommt. Das Buch soll hauptsächlich die Mitarbeiter von Hilfsorganisationen ansprechen, nicht primär die paar Abenteurer, die auf eigene Faust unterwegs sind. "Es fällt mir schwer, unabhängige Rucksackreisen nach Afghanistan zu empfehlen. Das ist kein Abenteuerspielplatz."

Lieber von zu Hause spenden

Entsprechend wimmelt es in dem Buch von Sicherheitsempfehlungen, mit "Should you go?" ist schon eines der ersten Kapitel überschrieben. Der Besuch könne ein Schock sein durch den Anblick von Kriegsopfern mit Amputationen und Bettlerinnen in Burkas, heißt es dort. Und auch wenn Reisende aus dem Ausland Geld ins Land bringen und helfen, das Isolationsgefühl der Menschen zu verringern – man könne durch Spenden an Hilfsorganisationen möglicherweise genauso viel helfen.

Reisebuchautor Paul Clammer: Afghanistan ist "nicht nur staubig und braun"
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Lonely Planet Publications

Reisebuchautor Paul Clammer: Afghanistan ist "nicht nur staubig und braun"

Individualreisende müssen schon vor Abfahrt große Hürden überwinden, wenn sie eine Tour an den Hindukusch planen. Es ist enorm schwierig, eine Krankenversicherung für Afghanistan zu bekommen, weil die meisten Regierungen vor Reisen warnen. Wer dagegen für einen Freiwilligendienst arbeitet, hat es in der Hinsicht leichter: "Dort ist die Unterstützung größerer Netzwerke sehr wertvoll, etwa der Hilfsorganisationen", sagt Clammer. Für so manchen Rucksack-'Abenteurer' hat der Brite wenig übrig: "In der Nähe vom Khyber-Pass nach Pakistan habe ich einige getroffen, die nur dahin reisen, um mit dem 'Afghanistan'-Stempel in ihrem Pass angeben zu können."

Clammer kam selbst erstmals im Jahr 2001 nach Afghanistan, als noch die Taliban regierten. Seitdem lässt ihn das Land am Hindukusch nicht mehr los - dank der Offenheit und Gastfreundlichkeit der Menschen und der spektakulären Landschaften. "Aus Medienberichten denken die meisten, dass es hier vor allem staubig und braun ist – dabei ist die physische Schönheit der Berge und Seen schlicht atemberaubend." Doch selbstverständlich sei es gleichzeitig auch ein sehr schwieriges Reiseland mit Kriegsgebieten und No-Go-Areas.

Clammers Buch versucht, mit einigen von Medienberichten geprägten Vorurteilen aufzuräumen und warnt nicht nur vor Landminen, Terroristenanschlägen und Entführern. So heißt es etwa über die Hauptstadt: "Kabul ist generell eine ruhige Stadt, die größte Gefahr für persönliche Sicherheit ist der wahnsinnige Verkehr." Trotzdem solle man wegen Dieben, die Fahrer aus dem Auto locken wollen, die Autotüren immer schließen, und nach Einbruch der Dunkelheit nicht in der Stadt unterwegs sein. Auch sehr unangenehm sei der "Kabul cough" (Kabul-Husten), weil die Luft voller Staub und Abgase sei.

Trotz seiner Vielzahl von "Dangers & Annoyances"- und "Risk assessment"-Einschüben ist das Buch jedoch in erster Linie ein Reiseführer. Er beschreibt Orte, die viele nur aus Nachrichten über Bombenanschläge kennen, aus der Sicht des Reisenden - die lebhaften Märkte in der Chicken Street in Kabul, die Schönheit der orangefarbenen Blütenpracht in Jalalabad oder das Restaurant in Faizabad, in dem das beste Hühnchen mit Pommes kredenzt wird. Zwei Monate lang sammelte Clammer selbst vor Ort Informationen, dazu bereisten einige Mitarbeiter weitere Teile des Landes, um sicherzustellen, dass auch "jeder Tipp selbst recherchiert und überprüft ist".

Die bekannteste Touristenattraktion des Landes, die Ruinen von Bamiyam, würdigt der Autor mit neun Seiten. Deren berühmte Buddha-Statuen - ein beliebter Treffpunkt berucksackter Hippies in den Siebzigern – wurden von den Taliban zerstört. "Ich hoffe, dass dies eines Tages die Kronjuwelen der afghanischen Tourismusindustrie sein werden", sagt Clammer. "Außerdem ist der Ort so sicher, dass ich sogar meine Eltern dorthin schicken würde."

Sicherheitsbedenken hin oder her - bei der Frage nach seinen drei Top-Reisetipps gerät Clammer ins Schwärmen: "Die Stadt Herat mit ihrer fabelhaften Moschee und der mittelalterlichen Altstadt, die Mineralseen von Band e-Amir, die mit ihren unglaublich lebendigen Farben wie von einem anderen Planeten wirken, und das Minarett von Jam aus dem 12. Jahrhundert. Auch wenn man drei Tage und einen guten Jeep braucht, um von Kabul dorthin zu kommen - es ist jeden Kilometer wert."

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insgesamt 27 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
06.11.2007 von Mocs:

Hin dürfte ich überall und ich habe auch schon Urlaub im Ausland gemacht (schäm) - aber man sollte dann schon Manns genug sein sein Zeugs selber zu regeln und sich nicht auf den Staat zu verlassen. Und das Risiko kann man [...] mehr...

06.11.2007 von sukurowsky:

Sie schreiben aber "wer aus eigenem Anlass....das Land verlässt...". Sie dürften mit der Theorie nirgends hin. Da braucht es das Beispiel Irak nicht. mehr...

06.11.2007 von Mocs:

Entweder versuche ich das mit der Polizei zu regeln oder gehe dann tatsächlich mal zur Botschaft und lasse das klären. Aber dieses "wenn an den drei Wochen Athen für 49 EUR was faul sein sollte, wird der Staat uns schon [...] mehr...

05.11.2007 von matthias schwalbe:

Lieber Mocs bei jeden Ihrer Saetze merkt man wirklich,dass Sie ein sehr egoistischer aber nicht sehr intelligenter Zeitgenosse sind. Ich schaeme mich fuer Sie und Sie sollten mal in sich gehen !!! mehr...

05.11.2007 von matthias schwalbe:

Na mein Lieber unomundo,da sind Sie aber ganz und garnicht "auf dem Laufenden." Ich wohne hier in Suedafrika und zahle auch in Deutschland meine Steuern-wovon ich nichts habe-wenn man das so sagen darf.Alleine in [...] mehr...

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