Davos – Ansteigende Meeresspiegel bedrohen auch Tourismusregionen wie die Malediven, Venedig und auch Manhattan. Wärmeres Wasser bringt Quallen- und Algenplagen an Mittelmeer-Stränden mit sich, und kürzere Winter bedeuten Schneemangel in den Alpen. Der Klimawandel hat Folgen für die Umwelt. Und diese werden auch das Reiseverhalten von Touristen weltweit verändern - mit einschneidenden Auswirkungen auch auf Tourismusorte. Dies wurde heute am zweiten Tag der Internationalen Konferenz der Welttourismusorganisation (UNWTO) über Klimawandel und Tourismus im Schweizer Davos deutlich.
Wenn erst einmal Touristenorte durch Umweltschäden unattraktiv geworden seien, sei mit großen Arbeitsplatzverlusten und wirtschaftlichen Einbrüchen zu rechnen, warnte der Generalsekretär der Tourismusorganisation der Vereinten Nationen, Francesco Frangialli. "Die Auswirkungen für einige Zielgebiete dürften sehr groß sein", sagte Frangialli.
Grundsätzlich gelte zwar "Der Tourist will in die Sonne", hieß es in Davos. Wenn er seinen ungestörten Urlaub aber nicht mehr gewährleistet sehe, werde er sich unter Umständen auch dafür entscheiden, weniger zu reisen oder gar zu Hause zu bleiben - mit allen wirtschaftlichen Folgen. In einer Studie dazu heißt es weiter: "Die unmissverständliche Botschaft (...) ist, dass die Bedeutung des Klimawandels für den Tourismus nicht etwa in weiter oder kaum erreichbarer Zukunft liegt." Schon jetzt würden Tourismusentscheidungen unter diesem Blickwinkel mit weitreichender Bedeutung gefasst.
Branche soll mehr Engagement gegen Klimawandel zeigen
Mehrere Uno-Organisationen forderten die internationale Tourismusindustrie gestern auf, sich mehr gegen den Klimawandel zu engagieren. "Die Tourismusindustrie steht einerseits vor den Herausforderungen des Klimawandels, andererseits trägt sie selbst zu den Treibhausgasemissionen bei", sagte Achim Steiner, Direktor des Uno-Umweltprogramms (UNEP). "Der Klimawandel ist real, seine Auswirkungen sind bewiesen und der Tourismussektor muss seinen Teil zur Lösung des Problems beitragen", sagte Frangialli. Der Tourismus sei schon jetzt für vier bis sechs Prozent der Treibhausgase verantwortlich.
Nach Angaben der UNWTO steigt die Zahl der Reisen seit 1950 um jährlich 6,5 Prozent. Im vergangenen Jahr seien weltweit 842 Millionen Reisen unternommen worden. Die Tourismusindustrie setzte im vergangenen Jahr weltweit rund 735 Milliarden Dollar (heute etwa 517 Milliarden Euro) um.
Die rund 500 Delegierten von Regierungen, internationalen Tourismus- und Umweltorganisationen sowie von Wissenschaft und Forschung wollen morgen eine Resolution zu Umweltschutz und Tourismus verabschieden.
abl/dpa/AFP
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