Berlin – Der Reisepass wird erneut aufgerüstet: Vor zwei Jahren wurde der Chip im Pass mit gespeichertem Foto eingeführt. Ab heute verlangt das Gesetz in neu ausgestellten Dokumenten zusätzlich die digitalisierten Abdrücke der beiden Zeigefinger. Dabei müssen die Antragsteller in der Regel ihre Finger auf einen elektronischen Scanner drücken und nicht in einen Farbstempel.
Die Gebühren für einen Reisepass werden nicht angehoben: Ein zehn Jahre gültiger ePass kostet weiter 59 Euro. Ein sechs Jahre gültiger ePass - ausgestellt für Menschen unter 24 Jahre - kostet 37,50 Euro. Ab heute können Kinder nicht mehr in den Pässen der Eltern eingetragen werden. Für Kinder unter zwölf Jahren kann ein ePass ausgestellt werden, wobei bei Kleinkindern unter sechs Jahren keine Fingerabdrücke genommen werden.
Die Passbehörden schicken die Antragsdaten auf verschlüsseltem Weg zur Bundesdruckerei. Die Daten sollen nach Auskunft des Bundesinnenministeriums gelöscht werden, sobald der Pass abgeholt wird. Die Wartezeit bis zur Ausstellung soll kürzer werden. Nach zahlreichen Testläufen sehe die Bundesdruckerei dem neuen Pass "mit großer Sicherheit" entgegen, sagte deren Vorsitzender Ulrich Hamann. Die "Vertraulichkeit der Daten" sei gewährleistet.
Seit Monaten versichern die Behörden: Der Chip sei immun gegen Attacken von außen - auch gegen ein unberechtigtes Auslesen der Daten. Die Chipdaten können nach Angaben der Bundesdruckerei nur von Geräten gelesen werden, die vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik dazu berechtigt wurden.
Schwere Bedenken von Datenschützern
Dagegen haben Datenschützer und Oppositionspolitiker erneut schwere Bedenken angemeldet. Der Datenschutzbeauftragte Peter Schaar sagte, die Einführung des Fingerabdruckes sei aus seiner Sicht unnötig. Spätestens seitdem im November 2005 ein Funkchip mit eingespeichertem Digitalfoto eingeführt wurde, seien deutsche Reisepässe absolut fälschungssicher. Man frage sich, "was soll das Ganze?"
Auch FDP und Linke bekräftigten ihre Kritik an dem ePass der zweiten Generation. Die FDP-Innenexpertin Gisela Piltz monierte, die neue Technik sei nicht ausgereift. Angesichts der immer rasanteren Entwicklung bei Angriffen auf Sicherheitssysteme scheine es nur eine Frage der Zeit, wann Kontrollen mit falschen Daten auf dem Pass überwunden werden können, warnte Piltz.
Hacker hätten bereits gezeigt, dass ein unberechtigtes Auslesen der sensiblen biometrischen Daten nicht unmöglich sei. Diese würden für Kriminelle interessanter, sagte Piltz und fügte hinzu: "An Tatorten können dann leicht Spuren von unschuldigen Dritten hinterlegt werden." Vor unberechtigten Anschuldigungen bei der Strafverfolgung sei dann niemand mehr sicher. "Früher wurden Fingerabdrücke nur von Verbrechern genommen. Heute ist jeder verdächtig, der sich gegen die Erfassung seiner biometrischen Daten wehrt", kritisierte die FDP-Politikerin Piltz.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte am Dienstag die neuen Pässe gelobt. Sie seien mit den biometrischen Merkmalen fälschungssicherer als bisher und verhinderten den Pass-Missbrauch.
abl/dddp/AP/dpa
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