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15.01.2008
 

Tansania

Dem Hippo ins Maul knipsen

Elefanten und Zebras wandern durch abgelegene Savannen, Giraffen dösen an steilen Berghängen: Tansania ist reich gesegnet mit üppiger Großtierwelt und landschaftlichen Reizen.

Mit flinker Zunge zupft die Giraffe kleine Blättchen von den stacheligen Ästen des Akazienbaumes und schiebt sie in ihr Maul. Vier Jungtiere machen es ihr nach. "Das ist ein Giraffenkindergarten zum Lernen. Das ältere Tier kann die Mutter sein oder die Tante. Giraffen sind sehr familiär", erklärt Jörg Gabriel. Der 38-jährige deutsche Diplomatensohn ist Führer, Ranger, Autor und betreibt mit seiner Frau Marlies die "Hatari Lodge" am Rande des Arusha Nationalparks.

Hier oben in Pfannenlandschaft und Savanne wurden im Jahr 1960 Nashörner, Elefanten und Giraffen für den Hollywood-Klassiker "Hatari" mit John Wayne und Hardy Krüger gefangen. Auch im Süden, wo der Deutsche danach seine "Hatari"-Farm baute, surrten die Filmkameras. Auf dem ehemaligen Gelände des Schauspielers am Rand des Arusha-Nationalparks können Gäste übernachten - in der umgebauten "Hatari"-Lodge der Familie Gabriel.

Von der Terrasse ist der Blick spektakulär: Giraffen, fast zum Streicheln nah, Kap-Büffel, Warzenschweine, Wasserböcke tummeln sich in der Feuchtsavanne. Bei klarer Sicht glitzert der Schnee auf dem Gipfel des Kilimandscharo in der Sonne.

Einsamkeit zwischen Elefanten und Gnu-Herden

Zurück in die Savanne im Norden: Die kleine Gruppe im Geländewagen ist seit Stunden keinem anderen Fahrzeug begegnet. Das menschenleere Gebiet zwischen Kilimandscharo Park und der Grenze zu Kenia ist die Heimat für Giraffen, Zebras, und Antilopen. Sie leben hier in friedlicher Eintracht mit den Rindern der Massai.

Eine Gnu-Herde taucht am Horizont auf. Gabriel hat die Sandpiste verlassen, fährt über Geröll und Hügel. Er hat frischen Elefantenkot entdeckt. Da ist der Dickhäuter. Zwischen zwei Büschen schaut erst ein großes Ohr heraus, dann zeigt sich der ganze Koloss. Es sind nur gut zehn Meter zum Auto. "Das ist ein erfahrenes Tier, etwa 60 Jahre alt", erklärt der Führer.

Unter einem großen Baum haben Massai ein Rind geschlachtet. Das Fleisch wird mit der Machete abgelöst. Ein Feuer flackert. Es ist fast mittags. Fliegen schwirren. Frauen, reich behängt mit Schmuck, schauen vom nahen Hüttendorf auf die Begegnung ihrer Männer mit den Europäern. "Ihr müsst fragen, ob Ihr fotografieren dürft. Lasst Euch Zeit für alles", rät Andrew Nganga, ein einheimischer Reisebegleiter. Das hier ist keine organisierte Show für schnelle Foto-Schüsse.

Große Artenvielfalt, arme Menschen

Einsam ist es auch im Mkomazi Nationalpark, vier Autostunden oder 50 Minuten im Kleinflugzeug entfernt. Die Menschen hier zählen zu den ärmsten des Landes, wo viele Bewohner ohnehin kaum 60 Euro im Monat verdienen. Reich ist das Trockengebiet an Elefanten, Zebras, Giraffen und Impalas. Auch Löwen und Leoparden leben hier. Die Mitarbeiter von "Babu's Camp" wünschen, dass mehr Gäste kommen - in das riesige Tierreservat und in ihre Anlage. Der Kampf gegen Wilderei wird auch hier von Regierung und Umweltorganisationen ernst genommen. Es gibt mehr Großtiere als noch vor 20 Jahren.

Ein großes eingezäuntes Nashornareal, unterstützt vom George Adamson Memorial Fund, sorgt für Aufmerksamkeit. Sandstrand, Kokosnusspalmen, wilde Tiere, prustende Flusspferde - das sind die Attraktionen im Saadani Nationalpark am Indischen Ozean, der vis á vis der Insel Sansibar liegt.

Ein einziges Touristenboot tuckert an diesem Nachmittag über den Wami-Fluss zwischen Mangroven und Sandbänken. Die Gäste können manchem Hippo direkt ins gähnende, riesige Maul fotografieren. Später erzählt Costa Coucoulis, ein in Afrika aufgewachsener Grieche, wovon er noch träumt: "Einmal Elefanten im Ozean baden sehen", sagt der Eigentümer der "Saadani Lodge". Fußspuren von Dickhäutern hat schon mancher am Strand entdeckt.

Bernd Kubisch, gms

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