Nervös hüpfende Touristen oder Passanten mit verkrampftem Schritt gehören in New York zum Stadtbild. Vergeblich suchen sie nach Toiletten in U-Bahn-Stationen, an Sehenswürdigkeiten oder zentralen Plätzen. Was für Bewohner der Metropole zum Basiswissen gehört, müssen Touristen aufwendig in Reiseführern nachschlagen: die raren öffentlichen Örtchen.
Doch die Zukunft verheißt Erleichterung: Mit einer symbolischen ersten Klospülung eröffnete New Yorks Vize-Bürgermeister Dan Doctoroff gestern die erste vollautomatische WC-Anlage im Herzen der Acht-Millionen-Metropole, 19 weitere werden folgen. Doctoroff durchschnitt ein Band aus Toilettenpapier und nahm mit der Spülung das Häuschen im Madison Square Park in Manhattan offiziell in Betrieb. Den feierlichen Moment würdigte er mit Worten: "Ich weiß, dass es einige Zweifel gab, ob dieser Tag je kommen würde", sagte Doctoroff dem TV-Sender NY1.
Tatsächlich ist die Eröffnung für die Stadt ein wichtiges Ereignis: Seit vielen Jahren beherrscht der Toiletten-Notstand die politische Diskussion in der Stadt, New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg hatte das Thema zur obersten Priorität erklärt. Doch die Realisierung scheiterte mehrfach an der Finanzierung und umstrittenen Werbekonzepten. Im Jahr 2005 schloss die Stadt mit dem spanischen Werbekonzern Cemusa einen Vertrag ab, der den Bau von 20 neuen Automatik-Aborten in der Innenstadt regelt. Mit dem Vertrag erhielt der Konzern auch die Werbeflächen an 3300 Bushaltestellen und 330 Zeitungskiosks.
Nach 15 Minuten ist automatisch Schluss
Für die Benutzung der neuen öffentlichen Toiletten wird eine Gebühr von 25 Cent erhoben. Sie sind selbstreinigend und auch für Behinderte mit einem Rollstuhl erreichbar. Spätestens nach 15 Minuten öffnet sich die Tür automatisch, und die 60 Sekunden lange Reinigung beginnt.
Bisher bieten Museen, Bibliotheken und einige Parks in Manhattan öffentliche Bedürfnisanstalten, jenseits dieser Plätze ist Kreativität gefragt. Restaurants gewähren meist nur ihren Kunden Zugang zu den Toiletten. Einzige öffentliche Zufluchts-Örchten waren die Filialen des Buchhändlers Barnes & Noble, der Kaffeekette Starbucks und des Fast-Food-Restaurants McDonald's.
Im vergangenen Dezember hatte Procter & Gamble den Notstand für eine kurzfristige Werbeaktion für ihre Klopapier-Marke Charmin genutzt: Am Times Square lockte das Unternehmen ihre Passanten mit einem tanzenden Bären in das Innere eines Gebäudes, in dem die Besucher kostenlos Luxus-Latrinen nutzen durften - elektronischer Aktienticker, Loungebereich und jede Menge kostenloses WC-Papier inklusive.
reh/AP/dpa-AFX
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