Berlin - Zwei von fünf Fernzügen der Deutschen Bahn sind laut einer Untersuchung von Stiftung Warentest unpünktlich. 38 Prozent der ICE, IC und EC haben eine Verspätung von vier Minuten oder länger, wie eine heute veröffentlichte Auswertung aus dem Herbst vergangenen Jahres zeigt. Am unpünktlichsten waren die Züge in Dresden, Hamburg und Köln.
Ankunft eines ICE: Vor allem im Fernverkehr sind Züge der Deutschen Bahn laut Stiftung Warentest unpünktlich
Für ihre Studie nutzte die Organisation die aktuellen Abfahrtshinweise, die auf der Internet-Seite der Deutschen Bahn angezeigt werden. Mehr als 94.000 An- und Abfahrten wurden überprüft und mit den im Fahrplan angegebenen Zeiten verglichen.
Stichprobenartig überprüften die Tester auch die Umsteigezeit. So warteten sie an unterschiedlichen Bahnhöfen auf Züge, die mit einer Verspätung von 3 bis 20 Minuten ankamen, um anschließend gemeinsam mit den aussteigenden Passagieren den Anschlusszug zu erreichen. Von den so überprüften 234 Anschlüssen erreichten sie knapp die Hälfte aller geplanten Verbindungen. Jeder vierte Anschluss wurde jedoch verpasst.
Bei dem Test schnitten besonders Fernzüge bei großen Verspätungen ab elf Minuten schlecht ab: Jeder siebte Fernzug war betroffen. Im Nahverkehr verzögerte sich nur jeder 19. Zug.
Verspätungen vor allem im Berufsverkehr
In acht von zehn untersuchten Hauptbahnhöfen fuhr mindestens jeder vierte Zug mit einer Verspätung von vier oder mehr Minuten ein. Am unpünktlichsten erwiesen sich laut Stiftung Warentest die Züge in Dresden, Hamburg und Köln, wo der Anteil sogar über ein Drittel betrug. Besonders oft verspätet waren EuroCitys (48 Prozent), Nachtzüge (41 Prozent) sowie ICE (38 Prozent) und IC (34 Prozent).
Laut Stiftung Warentest nahmen die Verspätungen nachmittags und abends im Berufsverkehr zu, ebenso an den Hauptreisetagen Freitag und Sonntag.
Einen Lichtblick gab es aber: Nach dem Fahrplanwechsel im Dezember verbesserte sich die Pünktlichkeit. Nur noch jede zehnte Bahn kam zu spät. Positiv habe sich offenbar auch das bahnfreundliche Wetter und der Abschluss der Baumaßnahmen ausgewirkt.
Bahn beziffert Pünktlichkeit auf 90 Prozent
Die Deutsche Bahn wies die Untersuchung als nicht repräsentativ zurück; es seien nur zehn Prozent der an den Testtagen fahrenden Züge einbezogen worden. Die Pünktlichkeit befinde sich auf hohem Niveau, erklärte das Unternehmen in Frankfurt am Main. Im Personenverkehr seien neun von zehn Zügen pünktlich, bei den Anschlüssen seien mehr als 93 Prozent erreicht worden. Darin enthalten sind auch die S-Bahnen, die üblicherweise eine sehr hohe Pünktlichkeitsquote haben.
"Je weiter die Züge fahren, desto größer ist das Risiko, dass unterwegs eine Verspätung eintritt", heißt es in der Beurteilung. An der weiteren Verbesserung der Pünktlichkeit werde zudem intensiv gearbeitet, hieß es in der Erklärung.
Auch den Vorwurf mangelnder Information für Fahrgäste im Fall von Verspätungen ließ die Bahn nicht gelten. "Gerade im vergangenen, bauintensiven Jahr habe wir unsere Anstrengungen in Sachen Reisendeninformation deutlich erhöht, was erfreulicherweise auch von den Testern anerkannt wurde", erklärte der Vorstandsvorsitzender der DB Netz AG, Volker Kefer.
Störungen im Bahnbetrieb seien trotz aller Anstrengungen nicht immer vermeidbar. Häufige Ursachen seien Witterungseinflüsse, technische Störungen oder auch externe Einflüsse. Auch sei die Auslastung des Streckennetzes deutlich gestiegen. Investitionen in den Ausbau des Schienennetzes seien deshalb tatsächlich dringend notwendig, erklärte die Bahn.
Bei einem Massenverkehrsmittel seien aber Verspätungen unvermeidlich, sagte Heidi Tischmann vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). "Im Auto steht man auch oft im Stau. Das nimmt dann jeder auf seine Kappe." Im Luftverkehr gelten Flugzeuge erst bei Verspätungen von 15 Minuten und mehr als unpünktlich.
reh/AP/dpa
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