Hamburg - Die USA verschärfen ab Januar kommenden Jahres die Einreisebedingungen für Europäer. Amerika-Reisende, die kein Visum benötigen, müssen sich dann mindestens drei Tage vor ihrem Besuch über ein Online-Formular bei den US-Behörden registrieren. Die Eintragung soll nach Angaben von Heimatschutzminister Michael Chertoff die Sicherheit der USA erhöhen und gilt jeweils für zwei Jahre.
Betroffen sind neben Europäern auch Bürger aus Japan, Australien, Neuseeland und einigen kleineren Ländern. Die EU-Kommission drohte Washington wegen der Pläne mit Gegenmaßnahmen. Sollte die Regierung mit der Online-Registrierung die Visumspflicht für EU-Bürger durch die Hintertür wieder einführen, so könnte die EU ähnliche Hürden für US-Touristen errichten, deutete Kommissionssprecher Michele Cercone in Brüssel an: "Wir führen mit den USA einen Visa-Dialog, der auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit beruht", sagte Cercone.
Nach allem was bisher bekannt sei, würden in dem Online-Formular dieselben Informationen verlangt wie in den Fragebögen, die bislang auf Transatlantik-Flügen verteilt würden, sagte Cercone. Die Kommission werde aber genau untersuchen, ob die Online-Registrierung "auf eine Art Visa-System hinauslaufen könnte".
Das Formular orientiert sich an dem bereits bestehenden, das Touristen bei der Einreise ausfüllen müssen. Die Registrierung ist laut "Financial Times" in Reisebüros ebenso möglich wie auf den Websites von Flughäfen und einer eigenen Seite der US-Regierung. Urlauber können sich einem Mitarbeiter des Ministeriums zufolge ab August im Voraus registrieren, die Regel trete aber erst Anfang des Jahres in Kraft.
Schon im vergangenen Jahr hatte es laut der Zeitung erste Überlegungen zu einer Überarbeitung der Einreisebestimmungen gegeben. Damals hatten sich europäische Firmen beklagt, eine solche Regelung gefährde kurzfristige Geschäftsreisen in die USA. Aus dem Ministerium heißt es dazu, es bleibe bei der 72-Stunden-Frist. Wer sich jedoch einmal registriert habe, könne während der Gültigkeitsdauer mehrfach einreisen, ohne sich erneut zu registrieren.
Als Gründe für die Verschärfung nannte die US-Behörde den Kampf gegen den Terrorismus. Die Gefahr, dass Extremisten aus Europa ohne Visum in die USA gelangten, sei zu groß. Als Beispiele zitiert das Blatt den britischen "Schuhbomber" Richard Reid und den französischen Staatsbürger Zacarias Moussaoui, der im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September verurteilt wurde. Beide konnten im Rahmen des Verzichtsabkommens ohne Visum einreisen.
"Es besteht die Sorge, dass sich Europa radikalisiert", wird ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter des Ministeriums zitiert, "und dass von Europa aus Anschläge auf die USA vorbereitet werden könnten." Die Vergangenheit habe gezeigt, dass es "naiv ist zu glauben, dass Reisende aus Ländern, die kein Visum benötigen, weniger gefährlich sind als solche, die sich über ihren Visumsantrag einer verschärften Sicherheitsprozedur unterzogen haben".
flo/ffr/AP
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