Frankfurt am Main - Nach dem kurzfristigen Pilotenstreik bei zwei Lufthansa-Töchtern baut sich eine neue Streikfront an den Flughäfen auf: Derzeit laufen die Vorbereitungen für Arbeitskämpfe beim Boden- und Kabinenpersonal der Lufthansa auf Hochtouren, sagte der Sprecher der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di, Harald Reutte. Die Urabstimmung endet an diesem Donnerstag. Am Freitag will die Gewerkschaft das Ergebnis verkünden und mitteilen, wann und wo genau gestreikt wird.
Noch bevor die Streiks überhaupt begonnen haben, bekommt Lufthansa die Folgen schon zu spüren: Die Ver.di-Drohungen hätten das Buchungsverhalten der Kunden "negativ beeinflusst", teilte das Unternehmen mit. Personalvorstand Stefan Lauer forderte die Gewerkschaft auf, mit Hilfe eines "neutralen Dritten" Streiks abzuwenden.
Lufthansa will nach Unternehmensangaben mit einer flexiblen Einsatzplanung auf die Streiks reagieren. Die Langstrecke und die Flüge zwischen den großen europäischen Metropolen hätten absolute Priorität, erklärte das Unternehmen. Maschinen sollen auch dann abheben können, wenn zum Beispiel in Catering- Betrieben oder bei Lufthansa Technik gestreikt wird.
"Alle Standorte, alle Geschäftsfelder"
Auch wenn die Streiks nicht an allen Standorten gleichzeitig starten, so hofft Ver.di auf eine empfindliche Beeinträchtigung des Flugverkehrs bei der größten deutschen Fluggesellschaft. "Wir werden es so anlegen, dass der Effekt für das Unternehmen größtmöglich ist", sagte Reutte SPIEGEL ONLINE. Es würden alle Standorte und alle Geschäftsfelder betroffen sein, "allerdings nicht alle von der ersten Stunde an", sagte Reutte.
Ver.di verhandelt nach eigenen Angaben für rund 52.000 Mitarbeiter am Boden und in der Kabine über einen neuen Tarifvertrag. Die Gewerkschaft hat 9,8 Prozent mehr Geld bei einem Jahr Laufzeit gefordert.
Ufo erwartet keinen Streik in der Kabine
Wenig Rückendeckung bekommt Ver.di von Seiten der Flugbegleiterorganisation Ufo. Die Fachgewerkschaft, die nach eigenen Angben rund die Hälfte der 14.000 Lufthansa-Flugbegleiter vertritt, hat einen eigenen Tarifvertrag. Dieser läuft erst Ende des Jahres aus.
Der Ver.di-Forderung könne man sich nicht anschließen, sagt Joachim Müller, Leiter Tarif bei der Ufo. "Unsere Forderung liegt bei mindestens 15 Prozent", sagt Mülller. Er bezweifle, dass sich viele Stewardessen beteiligen. "Wir gehen davon aus, dass Ver.di aufgrund ihres Organisationsgrades keinen Streik in der Kabine zustande bekommt." Flugbegleiter, die nicht gewerkschaftlich organisiert sind, würden sich solchen Streiks erfahrungsgemäß nicht anschließen.
Die Organisation habe kein Interesse daran, gemeinsam mit der Großgewerkschaft Ver.di zu verhandeln. "Unser Arbeitsplatz in der Kabine ist nicht mit einem Bürojob zu vergleichen."
reh/dpa/Reuters
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