Manila - Was führte zu dem gefährlichen Zwischenfall an Bord der Qantas-Maschine? Auf dem Freitag-Flug von London nach Melbourne klaffte plötzlich im Rumpf der Maschine ein acht-Quadratmeter großes Loch. Die Passagiere hörten einen lauten Knall, durch die Kabine wehte Wind, Sauerstoffmasken fielen aus der Decke, dann rauschte die Boeing 747-400 auch schon hinab. Nach Angaben der australischen Luftsicherheitsbehörde stürzte die Maschine aus 8000 Metern Höhe auf 3000 Meter, einige Nachrichtenagenturen hatten dagegen berichtet, die Boeing sei von 12.000 Meter auf 8000 Meter abgesackt. Den Piloten gelang es schließlich, in der philippinischen Hauptstadt Manila notzulanden.
Experten glauben nun, die Ursache für den Unfall gefunden zu haben: Im Flugzeug fehle eine Flasche für die Notversorgung, sagte ein Vertreter der australischen Verkehrssicherheitsbehörde in Manila. Es sei davon auszugehen, dass diese das Unglück ausgelöst habe, sagte er vor Journalisten. Zwei Sauerstoff-Zylinder hätten sich genau dort befunden, wo nun das Loch klafft. Endgültig könne man aber noch nicht sagen, was die Explosion ausgelöst habe.
Nach der Notlandung hatten einige Passagiere bemängelt, dass nicht alle Sauerstoffmasken an Bord einwandfrei funktionierten. Einige Fluggäste seien nach dem Druckabfall in der Kabine fast ohnmächtig geworden, zum Teil hätten sich drei Personen eine Maske teilen müssen.
Ein Passagier sagte, ein Mann vor ihm habe die Deckenverkleidung eingeschlagen, um an seine Sauerstoffmaske zu gelangen. Kinder hätten geschrien. "Ihre Wangen und Lippen liefen aus Sauerstoffmangel blau an", sagte der Mann.
Die Fluglinie vermutet, dass die Sauerstoffmasken wegen der Explosion nicht ordnungsgemäß funktioniert haben. "Qantas überprüft alle Sauerstoffmasken regelmäßig", hieß es in einer Erklärung. Vor dem Flug habe es keine Hinweise auf Probleme gegeben. Trotzdem will die Fluggesellschaft nun alle Sauerstoff-Zylinder in ihren Boeing-747-Flugzeugen überprüfen. Die Tests sollen binnen einer Woche abgeschlossen sein.
Keine Hinweise auf einen Terroranschlag
Gleichzeitig wies der Sprecher Medienberichte zurück, nach denen Korrosion am Flugzeugrumpf die Ursache für den Höllentrip gewesen sei. Kleinere Rostschäden seien vor einigen Monaten an einem ganz anderen Teil des Flugzeugs entdeckt worden.
Die Untersuchung der defekten Qantas-Boeing wird vermutlich noch zwei bis drei Tage dauern; ein vollständiger Bericht soll in zwei bis drei Monaten veröffentlicht werden.
Hinweise auf einen Terroranschlag gibt es nach Angaben der Verkehrssicherheit nicht. Philippinische Spürhunde hätten das Gepäck untersucht, dabei seien keine verdächtigen Materialien gefunden worden.
Qantas verfügt über 30 Boeing 747. Die australische Airline gilt als eine der sichersten der Welt. Allerdings kritisierten Ingenieure der Fluggesellschaft, die Sicherheit werde durch zu niedrige Gehälter und zu viele Überstunden aufs Spiel gesetzt.
"Ich dachte, wir stürzen ins Meer"
Die 346 Fluggäste und 19 Besatzungsmitglieder, die den dramatischen Zwischenfall unversehrt überstanden, sind inzwischen nach Australien zurückgekehrt. Sie trafen am Samstag mit einer Ersatzmaschine in Melbourne ein. Viele standen immer noch unter Schock.
Passagier Steve Winchester sagte vor Journalisten, als die Maschine durch den Druckverlust mehrere tausend Meter tief fiel, habe er gedacht, er müsse sterben. Sein Mitreisender David Saunders erzählte, er habe seine Freundin umarmt und seinen Pass in seine Hosentasche gesteckt, damit man ihn später besser identifizieren könnte. "Ich dachte, wir stürzen ins Meer."
Während des Flugs hatten sich die Passagiere eher ruhig verhalten, als sie jedoch nach der Notlandung ausstiegen und das Loch sahen, hätten viele schockiert reagiert, sagte ein Sprecher.
ssu/AFP/dpa/Reuters
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