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05.08.2008
 

Italien

Forscher schlagen Alarm - Millionen Quallen im Mittelmeer

Vor den Küsten Italiens treiben Millionen Quallen. Noch sind die Strände nicht betroffen, doch Experten warnen vor einer Invasion der Nesseltiere. An der Ostsee hat ein kräftiger Wind das Feuerquallenproblem zunächst gelöst.

Rom/Boltenhagen/Poel - Experten warnen vor einer Qualleninvasion in Italien: Vor den Küsten des Stiefelstaates hat das Meeresforschungsinstitut des Umweltministeriums jetzt Millionen der Nesseltiere gesichtet.

"Aber anders als in anderen Ländern gibt es in Italien keinen Interventionsplan, weil dafür kein Geld da ist", zitierte die Zeitung "Corriere della Sera" am Dienstag den Forschungsleiter Silvio Greco.

Derzeit befänden sich die Medusen zwar noch in sicherer Entfernung von den Stränden, jedoch bewegten sich die Schwärme mit den Strömungen fort: "Da reicht schon ganz wenig aus, um sie in Richtung Ufer zu treiben."

Quallen seien überall im Mittelmeer vorhanden, jedoch gingen andere Länder entschiedener gegen die Tiere vor, hieß es. An der Côte d'Azur etwa würden Netze gespannt, um eine Invasion zu vermeiden. Die Gründe für die immer stärkere Vermehrung der giftigen Tiere seien unterdessen vielseitig, erklärte Quallenspezialist Josep-Maria Gili.

Der Klimawandel, die zunehmende Wasserverschmutzung in Küstennähe und die stetig schrumpfende Zahl von Tun- und Schwertfischen, die sich von Medusen ernähren, trügen zum Problem bei.

Vor Italiens Küsten finden sich vor allem zwei Quallenarten: dDie durchsichtige Leuchtqualle Pelagia noctiluca mit ihren bis zu einen Meter langen Fangtentakeln und die Lungenqualle Rhizostoma pulmo. Beide können durch ihr Nesselgift bei Menschen stechende Schmerzen auslösen.

Auch vor der Urlaubsinsel Mallorca, an der Côte d'Azur und an der spanischen Festlandküste waren in diesem Sommer bereits Quallenplagen gemeldet worden.

Feuerquallen sind vom Winde verweht

In Deutschland können Badegäste an der Ostsee zunächst aufatmen. Die Feuerquallen, die in den vergangenen Wochen vor allem in Mecklenburg-Vorpommern Probleme bereiteten, sind mit einem kräftigen ablandigen Wind fortgetrieben worden.

"Wir sind sehr erleichtert", sagte auf der Insel Poel der stellvertretende Wachdienstleiter Harry Sloksnat am Dienstag. Menschen mit empfindlicher Haut oder Allergien, die bis zum Schock führen könnten, seien sehr gefährdet gewesen, erklärte der ehrenamtliche Mitarbeiter der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG).

Auch in Boltenhagen trieben nur noch vereinzelte Quallen in Strandnähe, während zuvor der Seewind die Tiere in die Boltenhagen-Bucht gedrückt hatte.

Derzeit kämen am Tag nur noch ein bis zwei Badegäste mit Verbrennungen durch die Berührung mit den gelb-rötlichen Tieren, deren Nesselarme bei Kontakt zu Hautrötungen und brennenden Schmerzen führen können. In der vergangenen Woche waren die Feuerquallen nach Jahren wieder in Küstennähe vor Rostock, dem Darß und der Insel Poel aufgetaucht.

Meeresbiologen vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde sprachen aber noch nicht von einer Invasion. Als Ursache für das ungewöhnliche Auftreten der in Nordsee und im Kattegatt heimischen Tiere an den Ostseestränden nannten die Wissenschaftler ein Phänomen, das immer dann auftaucht, wenn starke Ostwinde herrschen. Dann würden Tiefenwasser aus dem Kattegatt und die darin lebenden Feuerquallen aufgetrieben und an die Strände gespült.

abl/dpa

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