Mittwoch, 10. Februar 2010

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29.08.2008
 

Kritik an Preisschub

Neuer Bedienzuschlag der Bahn empört Fahrgäste

Die Fahrpreise steigen, Bahncards werden teurer - und am Schalter gelten neue Zuschläge: Ab Dezember wird das Zugfahren teurer, Verkehrspolitiker und Verbraucherverbände sind empört. Besonders umstritten: Die neue Strafgebühr für alle Kunden, die ihre Karten nicht am Automaten kaufen wollen.

Berlin - Der Grünen-Verkehrsexperte Winfried Hermann hat die Preiserhöhung und die neue Servicegebühr von 2,50 Euro am Schalter als "eine gnadenlose Abzocke der Fahrgäste" bezeichnet. Wer ein gutes Serviceunternehmen sein wolle, dürfe seine Kunden nicht dafür bestrafen, persönlich bedient werden zu wollen. Mit Automaten kämen insbesondere ältere Menschen nicht zurecht. Sein Fazit: "Die Bahn vergrault damit viele ihrer treuesten Fahrgäste."

Bahnkundin am Hauptbahnhof München: Um knapp vier Prozent sollen im Dezember die Ticketpreise steigen
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REUTERS

Bahnkundin am Hauptbahnhof München: Um knapp vier Prozent sollen im Dezember die Ticketpreise steigen

Am 14. Dezember werden Einzelfahrscheine und Zeitkarten um durchschnittlich 3,9 Prozent teurer, wie die Deutsche Bahn am Freitag ankündigte. Nach der Preiserhöhung verteuert sich eine einfache ICE-Fahrt zweiter Klasse von Hamburg nach München um fünf Euro; bei der Strecke Frankfurt-Berlin sind es vier Euro, und zwischen Hamburg und Hannover kommt ein Euro hinzu. Eine Bahncard 25 für die zweite Klasse kostet ab Mitte Dezember dann 57 statt bisher 55 Euro.

Der Fahrgastverband Pro Bahn bezeichnete die angekündigte Preiserhöhung als strategisch falsch. Sie werde die Kunden abschrecken, die gewillt seien, von anderen Verkehrsmitteln auf die Bahn umzusteigen, sagte der Vorsitzende Karl-Peter Naumann am Freitag in Berlin. Die neue Servicegebühr in Höhe von 2,50 Euro beim Kauf von Einzeltickets am Schalter kritisierte Naumann, "weil sie Menschen ausgrenzt". Positiv bewertete Naumann die Einführung des Rabattangebots "Dauer-Spezial" für die Erste Klasse. So könnten mehr Menschen den höheren Komfort nutzen als bisher.

Börsengang im Herbst

Der Umweltverband NABU kritisierte die Preiserhöhung als falsches Signal in der Verkehrspolitik. Damit verabschiede sich die Bahn endgültig vom Ziel, mehr Menschen von der Straße auf die umweltfreundliche Schiene zu holen, erklärte Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Der Konzern fokussiere sich offensichtlich ganz auf schwarze Zahlen - mit Blick auf den im Herbst geplanten Börsengang.

Miller nannte es verbraucherfeindlich, dass künftig auch für normale Fahrkarten beim Kauf am Schalter grundsätzlich 2,50 Euro Aufpreis erhoben wird. Das komme bei Fernverkehrsverbindungen unter 100 Kilometern einer realen Erhöhung um über 25 Prozent gleich.

Auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) warf der Bahn einen "falschen Weg" vor. Neue Kunden, die wegen der hohen Benzinpreise vom Auto in die Züge umgestiegen seien, dürften nicht verprellt werden. Der persönliche Service müsse an erster Stelle stehen, koste nun aber durch den neuen Zuschlag mehr. Viele Kunden könnten zudem nicht gut mit Automaten umgehen oder hätten keinen Internet-Zugang.

Die Bahn hat angekündigt, ihren Service verbessern zu wollen. Um kürzere Wartezeiten in den Reisezentren zu ermöglichen, sollen Kunden künftig ähnlich wie auf Ämtern oder Behörden Nummern ziehen, um anschließend aufgerufen zu werden, wie Bahn-Personenverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch erläuterte.

Daneben will die Bahn künftig eine einheitliche Telefonnummer für Kundenanfragen einrichten und ihren Internet-Auftritt neu gestalten.

Die Preiserhöhungen kurz vor Weihnachten begründete die Bahn mit gestiegenen Energie- und Personalkosten. Unterm Strich kämen Bahnfahrer aber immer noch günstiger weg als Autofahrer oder Flugreisende, sagte Rausch. Wie viel Geld die Erhöhungen dem Konzern insgesamt in die Kasse spülen werden, wollte er nicht sagen.

sto/dpa/AP

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